Test: Monte Carlo 6 - Die Länge macht’s?

MotorbooteTest: Monte Carlo 6 - Die Länge macht’s?

Peter Laessig  

20.2.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Sie ist das Flaggschiff der MC-Baureihe und nur einen Schritt von der Welt der Yachten entfernt. Doch Luxus wird nicht allein durch Länge definiert.

"The difference between men and boys is the size of their toys." Oder anders gesagt, den Unterschied zwischen Motorboot und Yacht machen fünf Fuß in der Länge aus. So jedenfalls unterscheidet Monte Carlo ihre Boote auf der Homepage.

Unter dem Menüpunkt "Philosophy" und "Noble" zeigt eine Grafik den Übergang von "Monte Carlo", den Motorbooten bis 60 Fuß, und "Monte Carlo Yachts", die bei einer Länge von 65 Fuß beginnen. Doch Luxus wird nicht mehr allein durch die Länge des Bootes definiert. Wir fahren die Monte Carlo 6 auf dem Mittelmeer vor Palma de Mallorca.

Es ist eine frühe Baunummer, die von Werften auch gern Prototyp genannt wird, um die eine oder andere kleine Schwäche zu überdecken, die bei späteren Baunummern dann ausgemerzt wird. Wir haben gleich einen Schwachpunkt gefunden: den Decksstuhl aus Holz. Er brach aufgrund eines Konstruktionsfehlers beim ersten Hinsetzen krachend zusammen. Was man dem Testboot außerdem mit weniger geübtem Auge ansieht, ist, dass es dem Termindruck zufolge mit heißer Nadel gestrickt und auf den letzten Drücker aus der Werft entlassen wurde. Dadurch hat der Feinschliff gelitten – und von dem weiß man, dass die Werft es besser kann.

MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6
MC 6

Unser Testboot ist standardmäßig zwar schon gut bestückt, aber wie bei erstmaligen Präsentationen oft üblich auch mit Zubehör gestopft, das man auf der Preisliste unter den Ausstattungspaketen Avantage, Elegance, Exclusive und sonstige Optionen findet. In insgesamt drei Kabinen und einer für die Crew stehen sechs Kojen bereit, plus eine für die Crew.

Drei Bäder mit Toiletten für Eigner und Gäste sowie eines für die Crew runden den positiven Eindruck ab. In allen Kabinen und auf allen Decks, einschließlich Flybridge, fühlt man sich auf Anhieb willkommen. Gebürstete Eiche mit Lederapplikationen vermitteln Wertigkeit. Nur, in einem Appartement an Land stört man sich weniger an Ecken, Kanten und scharfkantigen Türgriffen – auf einem Boot, das sich unter Umständen durch rauhe See bewegt und man sich häufiger abstützen oder festhalten muss, schon.


Dass die Werft ein Herz für den Skipper hat, zeigt der Steuermannstuhl im Salon. Er ist ein verstellbarer und bequemer Schalensitz mit breiten Armlehnen, in denen vorn an Steuerbord der Joystick für die Motor- und Antriebssteuerung und gegenüber ein Trackingball für den GPS-Plotter eingebaut sind. Eine Handbreit daneben liegt an Backbord die Schaltbox in bequemer Reichweite.

Nachteil: Sitzt man zurückgelehnt im Steuermannstuhl, werden Kurven über Back- und Steuerbord in Gleitfahrt zum Blindflug. Beugt man sich etwas vor, passt das Blickfeld dank zurückgezogener Windschutzscheibe wieder. Unabhängig von der Sitzposition ist hingegen der freie Blick auf die Instrumente.

  MC 6
MC 6
  MC 6
MC 6

Im begehbaren Motorraum sorgen zwei Cummins-Dieselmotoren von MerCruiser mit Zeus-Antrieben für den notwendigen Vortrieb. In den Antrieben regeln integrierte Trimmklappen beim Anfahren automatisch den Trimmwinkel des Bootes mit dem Ergebnis einer stets optimalen Voraussicht. Die Monte Carlo 6 beginnt schon ab einem Tempo von 12 kn zu gleiten, wenn beide Motoren 2000 U/min drehen. Und als Höchstgeschwindigkeit loggen sich bei etwas erhöhten Drehzahlen – 60 U/min mehr als erlaubt – knapp 29 kn im GPS ein.

Als schnelle Marschfahrt empfehlen sich nach Auswertung unserer Messdaten Drehzahlen von 2400 U/min oder 18 kn Fahrt. Dann reicht der Diesel in beiden Tanks für einen theoretischen Aktionsradius von knapp 240 sm plus 15 % Reserve. Das ist uns zu wenig und verfehlt die Vorgabe um 140 sm. Wer weiter kommen will, muss als Verdränger fahren. Dann kommt man mit einem Tempo von 7 kn etwa 1000 sm weit, bevor es an die Reserve geht.

In langsamer Fahrt manövriert man das Boot am einfachsten mit dem Joystick. Damit dreht die MC 6 sprichwörtlich auf dem Teller und kann sanft in jede Richtung bewegt werden, auch seitlich. Und sollte einmal heftiger Seitenwind stören, steht ein optionales Bugstrahlruder bereit.

Beim Betätigen des normalen Ruders braucht es auf dem Testboot in schneller Fahrt knapp eine Sekunde, bis die Reaktion über die Antriebe erfolgt. Gut zu wissen, wenn man plötzlich ausweichen muss. Für die Wertung der Rauwasserfahreigenschaften müssen auf dem einem Ententeich gleichenden Mittelmeer die eigenen Wellen, die anderer Boote sowie die einer auslaufenden Fähre herhalten. Beim Überfahren derselben vermittelt der Rumpf Gelassenheit und den Eindruck, dass er auch mit größeren Kalibern umzugehen vermag.
Der Steuerstand auf der Flybridge ist an Steuerbord knapp hinter der Spoiler-Windschutzscheibe angesiedelt. Man spürt dort etwas Wind und sieht vom Boot lediglich Steuerbordseite und Vorschiff. Den Kontrollblick durch den Aufstieg zur Fly versperrt die Fly-Pantry, was Anlegemanöver nicht gerade erleichtert. Dem beugt die Werft aber mit einer Heckkamera vor. Das begünstigt Fahren auf engstem Raum, gleich von wo aus man das Boot kommandiert. Wie es vorn aussieht, hat man ja im Blick.

Fazit
Wie ihre kleineren Schwestern, MC 4 und MC 5, hat die Monte Carlo 6 ein unverwechselbares Design, das schon von weitem ins Auge fällt. Die Fahreigenschaften mit den beiden Cummins-Diesel und Zeusantrieben überzeugen in jeder Hinsicht. Bei der Verarbeitung fehlt klar der Feinschliff. Dass die Werft es besser kann, wissen wir.