Test: Sea Ray 210 SBX - Lass dich überraschenFoto: Morten Strauch

MotorbooteTest: Sea Ray 210 SBX - Lass dich überraschen

 

2.3.2018, Lesezeit: 5 Minuten

Sea Ray 210 SPXE: Trotz durchgehender Gleit­stufen zeigt sie einwandfreies Fahrverhalten – der Tester staunt!

Sea Ray USA feiert dieses Jahr den 58. Geburtstag, arbeitet aber stets daran, jung zu bleiben. Wie sonst sollte man auch das Feuerwerk an Mo­dellen zusammenfassen – 45 sind es ak­tuell, vom 19 Fuß langen Sportboot bis
zur 65 Fuß messenden Flybridge-Yacht.

Dazwischen ist auch die SPX-Serie angesiedelt, von denen wir die 210 SPXE mit Innenbordmotor fahren. SPX bezeichnet nach Werftaussage die besonders sport­lichen Boote, mit denen man mit der Familie Spaß auf dem Wasser haben kann, und E steht schlicht für Europa. Mit einem Gewicht von knapp über 1,5t (laut Pro­spekt) eignet sich die 210 auch gut als Trailerboot für Zugfahrzeuge, die je nach Trailer 2 bis 2,2 t anhängen dürfen.

Bild 4
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 1
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 2
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 3
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 4
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 1
Foto: MORTEN STRAUCH (4), HERSTELLER
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4

Die 210 SPXE ist nicht nur für Europa vorgesehen, sie wird auch in Europa, sprich Polen, gebaut. Da ist Sea Ray nicht allein. Und das nimmt Einfluss auf die gesamte Verarbeitung. Der Kunststoff innen und außen kann sich sehen lassen, man blickt überwiegend auf abgerundete und versiegelte Schnittkanten.

Letztere sind auch an den wichtigen Stellen mit Kantenschutz versehen, weshalb die technischen und elektrischen Installationen gut abschneiden. Allerdings zeigen sich einzelne zu lange Schrauben im Motorraum, und der Einsteckmechanismus des Rückenpolsters am Cockpiteingang scheint nicht ausgereift.

Aufpassen muss man mit Kleinteilen in einzelnen Stauräumen, die durch Ritzen und Spalten fallen können. Positiv: die doppelschalige Bauweise in einigen Be­reichen und der Schutzanstrich innen. Unser Testboot ist ein Bowrider, verfügt also über zusätzliche Sitzgelegenheiten im Bug, und soll gemäß der Zertifizierung (CE C) Platz für zehn Personen bieten, was auch funktionieren kann.

Clever gemacht ist die Mechanik für den Beifahrersitz: Je nach Stellung der Rückenlehne kann ein Sitz für den Co, einer nach achtern oder eine Liegefläche der Cockpitsitzbank geschaffen werden. Haltegriffe sind im Boot strategisch platziert. Der Fahrer logiert auf einem angedeuteten Schalensitz, den man drehen und in Längsrichtung anpassen kann.

An die leicht nach achtern geneigte Sitzposition muss man sich gewöhnen, aber spätestens während der Fahrt lernt man sie schätzen – der Fahrtwind weht dann über den Kopf hinweg. In den Abdeckungen der Instrumente spiegelt sich die Umgebung wie der helle Untergrund in der Windschutzscheibe.

Zur Navigationsausstattung: Kompass nein, Echolot ja. Ansonsten keine Kritik am Fahrstand.

Die Preisliste weist nur einen Motor aus, den MerCruiser 4.5, der entweder 200 PS oder wie im Testboot 250 PS mittels Alpha-Z-Antrieb und 19"-Edelstahlpropeller in das Wasser abdrückt. Und die Kombination passt. Das Testboot fährt in lang­samer Fahrt vorwärts und rückwärts da hin, wo es hinsoll; Drehkreise durchmessen in beiden Fahrtrichtungen nicht mehr als anderthalb Bootslängen.

Die vom Boot erzeugten Wellen sollen in Verdrängerfahrt nicht stören, daher fahren wir nicht schneller als 5 kn. Mit kaum merklicher Vertrimmung geht das Testboot mit beigetrimmtem Antrieb unvermittelt in Gleitfahrt über. Die endet erst bei knapp 44 kn, während der Motor innerhalb seiner Dreh­­zahl­band­breite dreht. Als wirt­schaftlichste Gleitfahrt ermitteln wir ein Tempo von 20 kn bei 2500 U/min.

So reicht eine Tankfüllung theoretisch für einen Ak­tions­­ra­dius von 127 sm plus 15 % Reserve, womit die von uns geforderte Mindestreichweite mehr als erfüllt wird. Nicht ganz so weit kommt man in langsamer Fahrt (112 sm); bei Vollgas ist nach etwa 72 sm Schicht, sollen die Reserven erhalten bleiben.

Zu unserer Überraschung registrieren wir weder bei den immer enger verlaufenden Kurven noch bei 180°-Wenden, dem Verreißen des Ruders oder der Slalom­fahrt irgendwelche Probleme – die Sea Ray absolviert alle mit hohem Tempo gefahrenen Ex­trem­manöver sicher, als führen wir auf Schienen.

Von Booten mit ähnlicher Rumpfkonfiguration – die Gleitstufen der 210 SPXE verlaufen durchgehend nahe am Kiel – kennen wir das auch ganz anders; manche reagieren mit starkem Schaukeln und dem Einhaken des Rumpfs. So lautet unser Fazit: Traue nicht immer dem ersten Eindruck. Einzig bei optimal getrimmtem Antrieb beginnt der Propeller in Kurvenfahrten leicht zu ventilieren, ohne jedoch den vollen Grip zu verlieren.

Und auf dem knapp 100 m breiten Main sind uns die Ufer bei alldem und auch bei normalen Kurvenfahrten nie zu nahe gekommen. Einzig zum Verhalten im Rauwasser können wir nichts sagen – es gab eben keines. Die Wellen der Berufsschifffahrt haben wir jedenfalls komfor­tabel bewältigt.

Der Zugang zur Technik lässt Skipper und Service mal mehr, mal weniger jubeln. Während Hauptschalter und Batterie unter dem Heckdurchgang an Backbord gut erreicht werden können, sind die Sicherungen unter dem Armaturenbrett wenig benutzerfreundlich verbaut.

Wer für Kontrolle und Service an Motor und Tank sowie die sonstige Technik gelangen will, muss lediglich die Sonnenliege samt mittlerer Cockpitbankrückenlehne (alles zusammen Teil der Motorraumabdeckung) am Band anheben – dann ist alles gut zugänglich. Minus: Kraftstoffvorfilter, Abstellhahn für den Sprit und Handlenzpumpe fehlen, bauartbedingt lenzt das Cockpit in die Bilge. Plus: der automatische Feuerlöscher im Motor-Tank-Raum.

Wer mit seinen Freunden am Tisch sitzen möchte, steckt selbigen im Cockpit ein­ und dreht den Fahrersitz. Zum Sonnen nutzt man die Heckliege, die Cockpit­sitzbank oder den Bug, wenn dort mittels Einlegepolstern eine Liege entstanden ist. Wasserskifahrer hängen das Zugseil in den Haken über der Plattform und Wakeboardfahrer an den Tower (Extra).

Die Badeleiter genügt unseren Kriterien, die internationale Navigations­beleuchtung nicht. Verdeck und Plane kosten extra, Scheibenwischer und Ankerkasten gibt es nicht. Dafür besteht an Beleg­klampen und Zugösen genauso wenig Mangel wie an Staumöglichkeiten im Boot. Mehr Zierde als Schutz: die Scheuerleiste.

Fazit:
Die Sea Ray 210 SPXE ist durchweg gelungen und wird ebenso bei Einsteigern wie bei „alten Hasen“ Anklang finden. Die Verar­beitung stimmt, die Fahreigenschaften überzeugen, und Trailern geht auch.

Dieser Test stammt aus BOOTE-Heft 4/2017.