Test: Viper 283 Toxxic - Vorsicht, hochgiftig!Foto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Viper 283 Toxxic - Vorsicht, hochgiftig!

 

18.7.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Auch aus Deutschland kommen Daycruiser für die Freunde des schnellen Fahrens – Europe Marine zeigt mit der Viper 283 Toxxic, wie man's macht!

Aus Sicht der deutschen Werft Europe Marine besteht das Konzept der Viper-Toxxic-Reihe – zu der unser Testboot zählt – darin, ein trailerbares, sportliches und hoch motorisierbares Boot mit guten Rauwassereigenschaften zu produzieren. Mit ihren 8,65 m Länge bildet die 283 (Testboot) dabei die Spitze der Modellreihe.

Um sie trailerbar zu halten, muss man sich bereits bei der Bestellung etwas „zurücknehmen".

Soll heißen, das von der Werft angegebene Gewicht von 2645 kg gilt mit leeren Tanks und der kleinsten Einzelmotorisierung. Ohne Einschränkungen hingegen kann man die maximale Personenzahl von fünf oder eine Zuladung bis 475 kg „gutheißen". Das Fahrgebiet ist im Rahmen der CE mit „C" (küstennahe Gewässer} zertifiziert worden, ebenfalls passend.

  Viper 283 ToxxicFoto: Dieter Wanke
Viper 283 Toxxic
  Viper 283 ToxxicFoto: Dieter Wanke
Viper 283 Toxxic

An Bord der Viper 283 Toxxic kommt man am sichersten über die Badeplattform, die durchgehend über eine Anti-Slip-Struktur verfügt. Über die Hecksonnenliege und -sitzbank gelangt man, wenn in der Mitte die Polster entfernt werden und so ein kleiner Durchgang frei wird, ebenfalls mit Anti-Slip-Struktur.

Im Cockpit kann die Crew entweder direkt auf der Hecksitzbank Platz nehmen oder weiter nach vorn unter Deck gehen. Hat man sich für Letzteres entschieden, gelangt man mit Durchschreiten der getönten Plexiglas-Schiebeluke auf direktem Weg in die Kabine mit großer Doppel-V-Koje, separatem Toilettenraum und Pantryblock mit Spüle und Kühlschank.

Dass der Fokus bei dem Boot auf dem Fahren und weniger auf dem „Draufleben" liegt, wird einem richtig bewusst, wenn man sich die Toilette anschaut. Es ist zwar alles vorhanden, sauber, hochwertig und gut gemacht, jedoch reicht eine Stehhöhe von 1,17 m in dem beengend wirkenden Raum nur fürs Nötigste und sorgt so bereits vorher schon für Schweißperlen auf der Stirn. Gelüftet wird der Sanitärraum zusammen mit dem Rest der Kabine über die zwei Dach- und Schiebeluken.

Zurück im Cockpit der Viper fallen jedem sofort die zwei imposanten Sitze/Offshore-Stützen auf.

Einziger Nachteil ist, dass sie für einen „breiten" Skipper nicht so bequem sind, wie er sich das vorstellt. Bei durchschnittlichem Körperbau und 1,86 m Länge passt aber alles (Steuerradabstand, Sitzhöhe, Fußstütze, Armfreiheit) gut zusammen.

Als Alternative bietet die Werft auch konventionelle Sitze an – allerdings mit entsprechend weniger Seitenhalt im Stehen. – Bei der Motorisierung der Viper 283 Toxxic hat man die Wahl zwischen Einzel- und Doppelinstallation, zugelassen sind bis zu 640 PS.

In unserem Fall montierten die Bootsbauer die stärkste Einzelmotorisierung. Es handelt sich dabei um den Mercury 8.2 MAG H.O. Dieser V8-Benziner schöpft seine Leistung von 430 PS aus 8,2 l Hubraum und gibt sie an einen Bravo-III-Z- Antrieb mit DuoProp-System weiter. Abgestimmt hat der Hersteller die 283 Toxxic mit Mercury-Marine-Edelstahlpropellern, die einen Pitsch von 30" haben.

Die maximal erreichte Drehzahl loggten wir bei 5000 U/min ein, das GPS zeigte dabei eine Geschwindigkeit von knapp 50 kn. Wie gut die Propellerwahl passt, zeigt der vom Motorenhersteller empfohlene Volllast-Drehzahlbereich zwischen 4600 und 5000 U/min.

Um sich die Voraussicht selbst im Sitzen nicht von dem ansteigenden Bug versperren zu lassen, während man von Verdränger- in Gleitfahrt beschleunigt, nutzt man am besten die serienmäßigen Trimmklappen. So kann man auch mal vergessen haben, den Power-Trimm von Fahrstellung zurück an den Spiegel zu trimmen, bevor man wieder auf Gleitfahrttempo geht.

Auf keinen Fall sollte jedoch vergessen werden, den Antrieb vor Wenden und Kreisfahrten mit Höchstgeschwindigkeit ganz an den Spiegel zu trimmen. Denn nur so kann man verhindern, dass der Rumpf anfängt zu schaukeln, womöglich hakt und dabei über die Längsachse kippt. Im Übrigen läuft die 283 Toxxic in Gleitfahrt äußerst kursstabil und lässt sich weder von Sportboot- noch Binnenschiffswellen aus der Ruhe bringen.

Die Tests zur Manövriereigenschaft mit geringer Geschwindigkeit kann man in zwei Worten zusammenfassen: „alles normal"

Wendekreise vorwärts betragen 1 1/2 Bootslängen und rückwärts lediglich 1 Bootslänge im Durchmesser. Das Umsteuern in Rückwärtsfahrt erfolgt von Steuer- nach Backbord in 10 Sekunden, zurück werden nur 8 gebraucht.

Mit knapp über 2000 U/min beginnt die 283 bereits zu gleiten. Wirtschaftlich unterwegs ist man mit 2500 U/min (23 kn). Wie schon erwähnt, liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 50 kn, dabei werden rund 3,07 l/sm Benzin durch die Einspritzdüsen in den Ansaugbereich des Motors gedrückt. So unterwegs ist der 365 l fassende Edelstahltank bereits nach 101 sm bis auf die 15 % Reserve leer.

Entschieden weiter, nämlich 194 sm, kommt man im wirtschaftlichen Bereich (2500 U/ min).

In dieser Situation bleibt der Geräuschpegel noch unter der BOOTE- Komfortgrenze (80 dB/A). Bei Volllast klettert die Lautstärke dann auf 89 dB/A,

ein Wert, der für ein solches Sportboot vollkommen in Ordnung geht. Handwerklich sind alle Installationen und GFK-Arbeiten, die man im Motorraum, hinter Service-Luken und in den Stauräumen sehen kann, auf hohem Niveau. Gleiches gilt für Edelstahl-Handläufe und -griffe.

Die Polster der Kabine, Hecksitzbank und Bugsonnenliege sind straff und bleiben auch auf längeren Touren bequem. Weiteres Lob verdient die serienmäßige und aus stabilem Stoff gefertigte Hafenpersenning für gute Passgenauigkeit und Befestigung mittels zahlreicher Druckknöpfe.

Bei der Sicherheitsausrüstung weist die Viper 283 Toxxic Stärken und Schwächen auf. So gibt es keine manuelle Bilgenpumpe an Bord, und die Re- ling auf dem Bug dürfte eher zur Zierde gedacht sein, da man auf allen vieren unterwegs sein muss, um dort Halt zu finden. Zu sicherheitstechnischen Stärken zählen zahlreiche stabile und gut positionierte Haltegriffe im Cockpit ebenso wie der Kraftstoffabsperrhahn, eine durchgehende Anti-Slip-Struktur und hohe Cockpitinnenseiten.

Unser Fazit: Die Viper 283 Toxxic hält, was die Werft verspricht – auch wenn man hinsichtlich der Trailerbarkeit Einschränkungen hinnehmen muss. Dafür glänzt der Rumpf in Sachen Handhabe und Fahreigenschaften bei hohen Geschwindigkeiten wie auch bei der Verarbeitung und Installation.
Viper 283 Toxxic
Viper 283 Toxxic
Foto: Dieter Wanke
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