Test: Viper V 323 S - SchlangenlinieFoto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Viper V 323 S - Schlangenlinie

Peter Laessig  

5.2.2019, Lesezeit: 6 Minuten

Von der Schlange weiß man, dass sie giftig ist. Wie viel Biss dieses Exemplar wirklich hat, zeigt sich im Test

Viper V 323 S im Test
Viper V 323 S im Test
Foto: Dieter Wanke
Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
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Viper V 323 S im Test
Viper V 323 S im Test
Viper V 323 S im Test
Viper V 323 S im Test

Dass man in Budenheim bei Mainz von der Firma Europe Marine feine Motorboote bekommt, die in Deutschland hergestellt und im eigenen Haus komplettiert werden, hat sich herumgesprochen. Viper heißen die Produkte. Die Modell-Auswahl beschränkt sich zurzeit auf sieben aus der V- und auf zwei aus der Toxxic-Serie. Darunter auch unser Testboot V 323 in der Version HD mit oder als S ohne Hardtop.

Wir fahren die Version S, was für Sport steht. Damit es auch sportlich vorangeht, kann man eine V 323 entweder mit einem oder zwei Diesel- oder Benzinmotoren mit Z-Antrieb ordern und zwischen Leistungen von 260 bis 700 PS wählen. Wir fahren zwei V6-Kraftwerke mit je 250 PS und 4,5 Liter Hubraum samt Abgasreinigung, sprich Katalysatoren von MerCruiser unter Deck plus Alpha-One-Z-Antriebe.

Hinsichtlich der gesamten Verarbeitung rangiert unser Testboot auf Topniveau. "Herz, was willst du mehr" gibt es außen das hochwertige Gelcoat gegen Aufpreis in allen RAL-Farbtönen oder Metallic-Lack. Polsterteile wie Schaumstoffkerne oder Bezüge schneiden computergesteuerte Maschinen, und kundige Hände fügen es zusammen. Beim Holzausbau spürt und sieht man, dass Schreiner und Tischler mit Herz und Verstand dabei waren.

Fahren und Manövrieren

Mit entgegengesetzt eingekuppelten Getrieben lässt sich die V 323 S nahezu auf der Stelle drehen und mit beiden Schalthebeln auf "Voraus" oder "Zurück" durchmisst ein Wendekreis etwa zwei Bootslängen. Auch das Umsteuern von einer Seite zur anderen gelingt jeweils direkt. Das begünstigt Manövrieren in langsamer Fahrt. Das serienmäßige Bugstrahlruder braucht man nur bei widrigen Wind- oder Strömungsverhältnissen. Motoren und Getriebe werden über eine mechanische Schaltbox bedient, daher muss man für den Synchronlauf beider Motoren mit niedrigen Drehzahlen mit den Schalthebeln etwas friemeln.

Gelingt es, beide V6 gleich drehen zu lassen, fährt unser Testboot in langsamer Fahrt (1500 U/min) artig geradeaus und erzeugt bei einem Tempo von 6 kn wenige Wellen. Ohne sich viel zu vertrimmen, beginnt unser Testboot ab 3000 U/min in Gleitfahrt überzugehen. Mit 150 U/min mehr als vom Hersteller erlaubt (5200 U/min) loggt sich auf dem Rhein eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 36 kn im GPS ein, und den Sprint von 0–60 km/h messen wir mit 17,8 s. Eine Tankfüllung reicht theoretisch in langsamer Fahrt für knapp 200 sm Wegstrecke plus 15 % Reserve. Wirtschaftlich ist man mit dem Testboot in schneller Gleitfahrt mit Tempo 24 kn unterwegs, wenn die Motoren 4000 U/min drehen. Da reicht eine Tankfüllung für akzeptable 156 sm am Stück und bei Vollgas 111 sm plus Reserve. Mit gerade noch "Gut" werten wir die Schalldruckwerte, die erst ab 4500 U/min die 85-dB/A-Grenze durchbrechen.

In den immer enger verlaufenden Kurven bremst sich die Viper V 323 S bis auf unterste Gleitgeschwindigkeit ab und zieht, ohne zu schaukeln oder einzuhaken, ihre Bahnen. Messen dabei die Kurvendurchmesser unter drei Bootslängen, greifen die Propeller ins Leere und verlangen neu anzufahren.

Die mit Volldampf gefahrenen Extremmanöver absolviert das Testboot absolut zufriedenstellend und dabei entstehende Fliehkräfte sind haltbar. Auf der imaginären Slalomstrecke bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln, und beim Verreißen des Ruders folgt es prompt dem eingeschlagenen Kurs. Für den Rauwassertest halten die Wellen der Berufsschifffahrt her, die den Rumpf der V 323 S kaum fordern. Bequem und zugfrei sitzt der Fahrer in seinem Schalensitz vor einem aufwendig gestalteten Fahrstand. Störend spiegeln sich Instrumente und helle Anbauteile in der Windschutzscheibe.

Zwar serienmäßig vorhanden, aber im Ernstfall nur ein Guckloch freigebend, werten wir den Scheibenwischer vor dem Skipper ab. Analogkompass und Echolot sind Standard. Gefühlt zu schwergängig monieren wir die Steuerung, außerdem berührt bei Vollgas die Hand auf den Schalthebeln die davor platzierten Schalter am Fahrstand. Beifahrer sitzen an Backbord auf einer Sitzbank am Tisch ohne ausgewiesene Haltegriffe. Für besonderen Halt sorgt dort aber eine Einsteckrückenlehne im vorderen Bereich der Sitzbank.

Technik und Sicherheit

Per Knopfdruck an der Cockpitpantry öffnet sich der Motorraumdeckel mit klappbarer Hecksonnenliege und großem Stauraum darunter. "Auf die Knie" und besser rückwärts heißt es dann, wer in den Motorraum will. Jede Menge Platz und Bewegungsfreiheit erleichtern darin Kontrollen und Service. Man blickt auf reichlich Dämmmaterial und ordentlich befestigte Kabel und Schläuche sowie auf Batterien in stabilen Kunststoffboxen.

Lob: separate Kraftstoffvorfilter. Tadel: ohne Wasseralarm. Gut: Magnetventile regeln den Kraftstofffluss und eine automatische Feuerlöschanlage, die im Brandfall löscht. Die Batteriehauptschalter betätigt man am Heckeingang hinter einer abschließbaren Abdeckung in der Cockpitseitenwand und Sicherungsautomaten im Elektrikpaneel im Salon.

Gute und sichere Fahreigenschaften sowie ordentlich dimensionierte Seitendecks mit eigenen Aufgängen am Heck punkten. Ist allerdings das Verdeck aufgebaut, fehlt dort Halt, den die Heckreling, Haltegriffe am Geräteträger und eine stabile Reling ansonsten bieten. Die Tür am Heckeingang ist uns zu niedrig, dafür gefallen die Handlenzpumpe und das außenbords lenzende Cockpit.

Kritik gilt der Badeleiter für ihre Handhabung – mit Klappdeckel versehen und vom Wasser aus umständlich zu bedienen. Zwar ist ein Haltegriff vorhanden, nur, wenn man sich daran festhält, bewegen sich Deckel und Griff, und der Halt geht flöten. Darum nur "ausreichend".

Drinnen und Draußen

Das Boot betritt man entweder über die Reling auf die Seitendecks steigend oder von achtern über Badeplattform und Heckeingang an Steuerbord. Achtern dominiert die Hecksonnenliege auf dem Motorraumdeckel, mittig Cockpitbar mit Spüle und Kühlschrank und vorn Sitzbank, Tisch und Fahrstand. Über allem thront ein Geräteträger, der auch Teil des Verdecks ist. Nichts muss umgebaut werden, wenn jemand sitzen und sich sonnen will. Wem die Heckliege nicht reicht, kauft die Sonnenpolster für das Vordeck hinzu.

Hat man die Kunststoffschiebetür in den Wohnbereich hinter sich, begeistert das gelungene Ambiente. Die Materialanmutung erscheint hochwertig und nichts stört das Auge. Den Bugsektor der V 323 S schmückt eine große, V-förmige Sitzbank mit Tisch, die zur Liege gewandelt werden kann. Im Anschluss nach achtern gefällt an Backbord eine kompakte Pantry, die bis auf eine aktive Entlüftung nach draußen soweit komplett ist. Gegenüber betritt man einen WC-/Dusch-Raum mit Toilette mit angenehm empfundenem Raumangebot.

Unerwartet groß fällt die separate Unterflurkabine unter dem Cockpit aus. Hinter der Eingangstür variieren die Stehhöhen, ohne das Gefühl aufkommen zu lassen, eingeengt zu sein, insbesondere nicht, wenn man an Backbord auf der kleinen Bank sitzt. Durchdacht: In der über die gesamte Bootsbreite reichenden Kabine lassen sich beide Einzelkojen mittels Einlegebrettern und Polstern zu einer großen Liege im Kingsize-Format wandeln. Was fehlt, sind Unterlüftungen. Dass man auch genug Stauraum und Ablagen unter Deck vorfindet, gehört zum Konzept der V 323 S, da ist jeder vorhandene Raum optimal genutzt.

Ausrüstung

Europe Marine stattet die Viper V 323 S reichhaltig aus, da zählt Notwendiges wie zum Beispiel Cockpitplane, Echolot und Kompass genauso zur Serienausstattung wie die elektrische Ankerwinsch mit Bugbeschlag. Auch an Belegklampen und Zugösen besteht kein Mangel. Dafür bei der Navigationsbeleuchtung, wo der Monteur statt BSH-zertifizierte Lampen, internationale montierte, was wir abwerten. Mehr Zubehör, mit dem das Boot individuell gestaltet werden kann, findet der zukünftige Eigner auf der Extraliste. Wem das alles vertraut vorkommt, der erinnert sich vielleicht an den BOOTE-Test des Vorgängermodells Viper 303 im August-Heft aus dem Jahr 2011.

FAZIT

Die Viper 323 S ist ein Kajütboot mit dem man entspannt reisen oder auch nur mal so cruisen kann. Sie sieht gut aus, hat das gewisse Flair, zeigt eine gute Verarbeitung und fachmännische Installationen. Sie ist eine würdevolle Nachfolgerin der 303.

Dieser Test erschien in BOOTE-Ausgabe 02/2018