Test: Was geht mit 15 PS - Vier kleine Boote im VergleichFoto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Was geht mit 15 PS - Vier kleine Boote im Vergleich

Dieter Wanke  

26.9.2016, Lesezeit: 8 Minuten

Ohne Führerschein dürfen seit Ende 2012 Boote mit Motoren bis 11,03 kW (15 PS) auf vielen deutschen Binnengewässern und an der Küste gefahren werden. Wir haben vier unterschiedliche Konzepte getestet.

Einsteiger haben es in keiner Disziplin leicht. Wer ein Boot kaufen möchte und noch keine Erfahrung hat, wird sich mit der Entscheidung schwer tun. Die Ansprüche unterscheiden sich, das Angebot ist gewaltig und der praktische Nutzen verschiedener Boote liegt oft meilenweit auseinander.

Ein Boot für bis zu acht Personen mit zwei Sitzgruppen, zwei Sonnenliegen und einem Stauraum

Deshalb haben wir mit vier sehr unterschiedlichen Bootstypen geprüft, was mit dem 15-PS-Limit ohne Führerschein so geht. Vielen mag zunächst ein Schlauchboot in den Sinn kommen. Das ist leicht zu verstauen, transportabel und erfüllt den Zweck, Spaß auf dem Wasser zu haben.

Quicksilver Activ 455: Fahrfoto
Quicksilver Activ 455: Fahrfoto
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Cockpit
Galia 485: Cockpit
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Bugansicht
Galia 485: Bugansicht
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Kabine
Galia 485: Kabine
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Seitenansicht
Galia 485: Seitenansicht
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Draufsicht
Galia 485: Draufsicht
Foto: Dieter Wanke
Galia 570: Bug
Galia 570: Bug
Foto: Dieter Wanke
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Draufsicht
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Draufsicht
Foto: Dieter Wanke
Galia 570: Seitenansicht
Galia 570: Seitenansicht
Foto: Dieter Wanke
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Cockpit
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Cockpit
Foto: Dieter Wanke
Galia 570: Bug (umgebaut zur Sitzecke)
Galia 570: Bug (umgebaut zur Sitzecke)
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Galia 570: Stauraum
Galia 570: Stauraum
Foto: Dieter Wanke
Mercury 320 Sport: Fahrfoto
Mercury 320 Sport: Fahrfoto
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 Quicksilver Activ 455: Cockpit
Quicksilver Activ 455: Cockpit
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Quicksilver Activ 455: Bugsitzecke
Quicksilver Activ 455: Bugsitzecke
Foto: Dieter Wanke
Quicksilver Activ 455: Fahrfoto
Quicksilver Activ 455: Fahrfoto
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Cockpit
Galia 485: Cockpit
Foto: Dieter Wanke
Galia 485: Cockpit
Galia 485: Bugansicht
Galia 485: Kabine
Galia 485: Seitenansicht
Galia 485: Draufsicht
Galia 570: Bug
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Draufsicht
Galia 570: Seitenansicht
Was geht mit 15 PS: Galia 570 Cockpit
Galia 570: Bug (umgebaut zur Sitzecke)
Galia 570: Stauraum
Mercury 320 Sport: Fahrfoto
 Quicksilver Activ 455: Cockpit
Quicksilver Activ 455: Bugsitzecke
Quicksilver Activ 455: Fahrfoto

Diese Kategorie deckt das Mercury 320 Sport Enduro ab. Wer mehr Komfort will und ein kompaktes Sportboot für den Familienspaß oder zum Angeln sucht, der kann bei einem kleinen Konsolenboot, wie der Quicksilver Activ 455 Open, fündig werden.

Ein Schlauchboot bietet wenig Komfort aber viel Fahrspaß

Wer sogar über mehrtägige Touren zur intensiven Erkundung eines Reviers nachdenkt, der braucht eine Kabine, wie sie beispielsweise in der Galia 485 Cruiser vorhanden ist. Mehr Platz und Komfort bieten größere Modelle, wie der Bowrider Galia 570 Open, den es auch in einer Version mit Kabine gibt.

Kleiner Kabinenkreuzer

Galia 485 Cruiser: Vier Personen und ein Bett

Die kompakte Galia 485 Cruiser hat für ein Einsteigerboot viel zu bieten. Der knapp fünf Meter lange Mini-Kabinenkreuzer ist für vier Personen und küstennahe Gewässer zugelassen. Fahrfertig mit dem Suzuki DF 15 ist er ab 14 465 Euro zu haben.

Das Boot eignet sich für kleine Familien oder für Angler, die überwiegend Tagesausflüge planen. Mit dem Testmotor wiegt die Galia gut 700 kg und ist mit fast jedem PKW trailerbar.

Sitzplätze für die Crew gibt es in ausreichender Anzahl im 1,58 x 1,44 Meter großen Cockpit. Auf der Rückbank sitzen problemlos drei Personen. Dazu kommen die Sitze für den Rundergänger und einen Beifahrer, die nach hinten gedreht werden können und dann gemeinsam mit der Rückbank eine kleine Sitzgruppe bilden.

Wer noch den Tisch aus dem Zubehör bestellt, kann im Cockpit also gesellige Runden mit Freunden oder der Familie auf dem Wasser genießen. Familienfreundlich ist das Boot auch durch die relativ hohen Seitenwände, die kleineren Kindern einen guten Schutz bieten. Zum Vordeck führt ein kleines Gangbord an der Backbordseite.

Eine transparente Schiebetür gibt den Weg in die Kabine frei. Die nur 1,75 Meter lange und bis zu 1,45 Meter breite, zum Bug spitz zulaufende Liegefläche ist für größere Zeitgenossen zwar etwas kurz, eignet sich bei entsprechender Körpergröße aber durchaus zum Übernachten für zwei Personen.

Sogar eine Chemietoilette kann im Zubehör bestellt werden. Wer das Einlegeteil entfernt, bekommt eine kleine U-förmige Sitzgruppe, die bei schlechtem Wetter als Rückzugsraum dient. Wie fast alle Kandidaten, ist das Boot mit dem führerscheinfreien Suzuki DF 15 untermotorisiert und kommt nicht ins Gleiten.

Der Motor dreht mit dem Serienpropeller nicht aus, hier kann optimiert werden. Auch mit der gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 6,3 kn (11,7 km/h) lässt sich das Bootfahren aber genießen. Wer an längeren Touren interessiert ist,

wird sich über den fest eingebauten 60-Liter-Alutank freuen, denn der erlaubt mit dem sparsamen Antrieb Reichweiten bis 232 Kilometer.

Dabei muss die Drehzahl zwar auf 3500 Umdrehungen reduziert werden, aber das mindert den Geräuschpegel spürbar und man ist auch nicht viel langsamer. Bei Vollgas schiebt der Rumpf der Galia eine ziemliche Bugwelle vor sich her und mit einem spürbaren Gieren um die Längsachse muss man leben.

Langsames Manövrieren gelang fast auf der Stelle. Wer irgendwann mehr will, kann ja immer noch den Führerschein machen und das Boot dann mit bis zu 66 kW (60 PS) motorisieren.

Die Komfortable

Galia 570 Open: Ein Boot für bis zu acht Personen mit zwei Sitzgruppen, zwei Sonnenliegen und einem Stauraum

Die 5,70 Meter lange Galia 570 Open dürfte Eignern mit größerem Platzbedarf gut gefallen, denn auf dem Boot können sich im Binnenrevier bis zu acht Personen tummeln, an der Küste sind es nur sechs.

Mit dem montierten Suzuki DF 15 steht das Boot ab 18 620 Euro beim Händler und wiegt insgesamt unter 1200 Kilogramm, ist also ebenfalls noch mit einem Mittelklasse-PKW und Führerscheinklasse B zu ziehen.

Bei einem Bowrider werden statt eines geschlossenen Vordecks im Bug Sitzflächen eingebaut, das sorgt für mehr Platz an Deck.

Bei der Galia 570 Open kann der gewonnene Raum nach entsprechenden Umbauten variabel genutzt werden. Ent- weder entsteht – durch einen Tisch ergänzt – hier eine große Sitzgruppe oder aber eine 1,75 Meter lange und ebenso breite Sonnenliege für zwei Personen.

Wer gern in der Sonne liegt, hat hier also wesentlich mehr Platz, als auf kleineren Booten, die solche Liegeflächen aufgrund ihrer Abmessungen meist gar nicht bieten können. Durch die asymmetrisch platzierte Konsole entsteht ein breiter Durchgang an Backbord, der Bug und Cockpit verbindet.

Hier gibt es zwei drehbare Sitze für den Fahrer sowie einen Beifahrer und eine gepolsterte Rückbank für drei Personen, die mit dem Tisch dann zur zweiten Sitzgruppe wird. Nach entsprechendem Umbau entsteht auch hier eine Sonnenliege.

Eine Mini-Kabine gibt es unter der Konsole auch noch. Die ist eher als Stauraum zu betrachten, denn zum Übernachten ist sie viel zu eng. Gepolsterte Sitzflächen und die Möglichkeit, eine Toilette zu installieren, gibt es aber auch.

Dass ein so geräumiges und nicht gerade leichtes Boot mit dem kleinen Antrieb ins Gleiten kommt, war nicht zu erwarten. Die alte Regel, dass Länge läuft, hat sich aber auch hier bewahrheitet, denn mit 6,6 kn (12,2 km/h) war das Boot einen Hauch schneller, als die kleine Schwester mit Kabine.

Da der Antrieb den Rumpf keineswegs fordert, war ein tadelloses Fahrverhalten keine Überraschung.

Auch hier bieten hohe Bordwände den jüngsten Familienmitgliedern ein hohes Sicherheitsniveau. Der Verbrauch liegt auf ähnlichem Niveau wie bei der kleineren Galia. Der 150-Liter-Tank ermöglicht allerdings enorme Reichweiten. Bei rund 10 km/h sind mit zwei Litern pro Stunde locker 500 Kilometer drin, wenn man sich mit etwas langsamerer Gangart begnügt, knackt man sogar die 600-Kilometer-Marke.

Wer ein führerscheinfreies Tourenboot mit Übernachtungsmöglichkeit sucht, sollte sich mal die fast baugleiche Sundeck-Version ansehen. Auch die Galia 570 Open kann nach dem Erlangen eines Führerscheins natürlich mit einem deutlich stärkeren Motor nachgerüstet werden.

Antrie- be bis 111 kW (150 PS) lassen sich anflanschen und versprechen dann enormen Fahrspaß. Eine Reichweitenkönigin, wie sie es mit dem Suzuki DF 15 ist, wird sie dann allerdings nicht mehr sein.

Der Raumzwerg

Quicksilver Activ 455 Open: Die kompakte mit Platz

Mit einer Länge von 4,54 Metern ist sie die kleinste und mit einem Leergewicht von nur 401 Kilogramm die leichteste Vertreterin unter unserer Auswahl an GFK-Booten. Mit Kabine ist sie auch zu haben. Durch die geringe Breite von 1,85 Meter ist sie im Stand etwas wackelig.

Die Konsolenversion hat viel Platz. Den können fünf Personen sowohl im Binnenbereich, als auch bei der Küstenfahrt genießen. Mit dem montierten Mercury F15 steht der kleine Wasserflitzer schon ab 13 150 Euro beim Händler. Das Leichtgewicht lässt sich problemlos auf ungebremsten Bootsanhängern an seinen Einsatzort ziehen.

Im Heck der kleinen Quicksilver gibt es neben dem Motor kleine Trittflächen, die als Badeplattform sehr nützlich sind und den Weg zur Badeleiter erleichtern. Davor befindet sich eine Sitzbank für drei Personen und die Konsole an der Steuerbordseite.

Eine Windschutzscheibe mit stabilem Haltegriff schützt auch hier vor Fahrwind. Ein breiter Durchgang an Backbord führt zum Vorschiff, wo weitere Sitzplätze vorhanden sind. Auch hier lässt sich durch entsprechenden Umbau eine 1,70 Meter lange und 1,35 Meter breite Sonnenliege installieren.

Kinder sind durch die hohe Bordwand ebenfalls sicher unterwegs. Wem der Platz genügt und wer auf Kabinen oder Toiletten verzichten kann, der wird bei minimaler Zuladung schon mit etwas Fahrspaß belohnt. Das Fahrverhalten ist tadellos und das Leichtgewicht ist mit 9,8 kn (18,1 km/h) die schnellste unter den GFK- Konstruktionen.

Unter gleichen Bedingungen mit zwei Personen an Bord, konnte aber auch hier die Gleitfahrt nicht ganz erreicht werden. Mit einer Person an Bord kam sie dann sogar ins Gleiten. Wer sich mit knapp 10 km/h begnügt, ist sehr spar- sam und leise unterwegs. Da es keinen Einbautank gibt, muss man auf den serienmäßigen 25-Liter-Außenbordertank zurückgreifen, der aber immer noch für Reichweiten über 100 km sorgt.

Leichtgewicht

Mercury 320 Sport Enduro: Fun aus dem Kofferraum

Ein kompaktes Schlauchboot ist der einfachste und bezahlbarste Weg zum Spaß auf dem Wasser. Zusammen mit dem Mercury F15 ist die Kombination ab 4443 Euro zu haben und für bis zu fünf Personen im Küstenrevier zugelassen. Allerdings geht es bei voller Belegung sehr eng zu.

Durch die Bauart lässt sich ein Schlauchboot bestens verstauen und transportieren. Eine Garage oder ein Keller reicht zur Lagerung und es passt in den Kofferraum eines Kombis. Bei den 62 Kilogramm, die das 320 Sport Enduro auf die Waage bringt, sollten aber mindestens zwei Personen zupacken. Beim Motor sieht das nicht anders aus.

Natürlich bietet das Leichtgewicht auch den größten Fahrspaß und erreicht mit 19,8 kn (36,7 km/h) eine fast atemberaubende Geschwindigkeit.

Unerfahrene sollten durchaus Vorsicht walten lassen, denn die Beschleunigung mit dem Mercury F15 ist bei geringer Zuladung schon rasant. Groß ausbaufähig ist ein Schlauchboot dieser Klasse natürlich nicht und mit der Testmotorisierung ist das Limit auch schon fast erreicht.

Sehr komfortabel ist der schnelle Ritt auf so einem Flitzer natürlich nicht und langstreckentauglich ist ein so kleines Schlauchboot auch nicht. Komfortsteigerungen sind bestenfalls mit einer größeren Version oder einer Festrumpf-Variante möglich, die dann aber nicht mehr so transportabel und kompakt sind und auch zu einer ganz anderen Gewichts- und Preiskategorie gehören.