Test: Weekender - X-Power 33 CFoto: Johannes Erdmann

MotorbooteTest: Weekender - X-Power 33 C

Johannes Erdmann  

17.6.2021, Lesezeit: 6 Minuten

Mit dem gewissen X-tra: Mit einem innovativen Weekender nimmt X-Yachts Kurs auf völlig neue Fahrwasser

Wer eine X-Yacht fährt, der tut das nicht unbedingt nur, weil es sich einfach irgendwann so ergeben hat. Eigner von X-Yachten sind Eigner aus Leidenschaft. Nicht selten spiegelt sich dies auch in den Bootsnamen wider, die fast alle eine Spielform des Buchstabens X enthalten, wie X-tasy, BoatoX, Xelebration. Viele X-Eigner wollen der Welt sagen, wie glücklich sie mit ihrem Schiff sind. Und sich für eine X zu entscheiden, hat viel­fäl­tige Gründe: Für den einen sind es die Segel­eigenschaften. Für den anderen ist es ein Life­style. Für wieder andere ist die Qualität der Grund. Denn X-Yachts – und da ist das Wortspiel wieder – geht in vielen Dingen bewusst die X-trameile, um gute Boote zu bauen.

Deshalb sind wir auch überaus gespannt, wie sich die erste X ohne Mast bewähren wird, als wir an einem sehr windigen Tag (4 bis 5 Beaufort) bei ruppiger See nach Arøsund in Dänemark fahren, um dort die neue X-Power 33C zu testen. Ein Boot, das einige Jahre zuvor schon kurz als HOC 33 auf dem Markt war, bis X-Yachts den schwedischen Bootsbauer aufkaufte und das Boot komplett überarbeitete, vom T-Top bis zur Motorisierung, um es an die Ansprüche von X-Yachts anzupassen.

Noch mehr Informationen? Den Test der X-Power 33 C mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 07/2021 seit dem 16.06.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Der erste Eindruck am Steg im dänischen Arøsund ist vielversprechend: ein schnittiges Design, sehr gefällige Linien und edles Finish. Der "Rote Baron" ist Baunummer 1 der neuen X-Power-Serie und die Rumpffarbe Rot ein willkommener Kontrast zum grauen Himmel, der uns begrüßt. Die Farbe ist angelehnt an die allererste X, die vor 40 Jahren die Werfthallen verlassen hat.

"Die Entwicklungsarbeit hat 14 Monate gedauert", erklärt Kræn Nielsen, CEO von X-Yachts. Der allererste Test eines Wassersport-Magazins ist für ihn Chef­sache. "Die Übernahme von HOC-Yachts war einfacher, als die Entwicklung eines neuen Bootes mit einem leeren Blatt zu beginnen", so Nielsen. Doch der sympathische Däne möchte nicht nur erklären, sondern sich auch austauschen und neue Ideen bekommen. Denn die Entwicklung der neuen X-Powerboat-Linie ist mit der 33 nicht erschöpft. "Es sind noch viele weitere und größere Modelle geplant, außerdem eine Variante mit Außenborder."

Einige Besonderheiten der HOC 33 sind geblieben, beispielsweise das innovative Petestep-Unterwasserschiff. Schwedische Entwickler haben die üblichen in Längsform verlaufenden Gleitstringer gegen v-förmig vom Heck ausgehende "Stufen" ersetzt, die Petesteps. Der Nutzen dieser als Abweiser wirkenden Absätze ist es, seitwärts wegspritzende Gischt effektiv nach achtern umzulenken, die benetzte Fläche zu reduzieren und Schläge zu reduzieren. Boote mit Petesteps erreichen eine höhere Reichweite und machen deutlich geringere Fahrgeräusche. Wir sind gespannt.

  Komfortabel und vornehm: Das Cockpit ist geräumig und lässt sich mit der Fahrpersenning komplett winddicht verschließenFoto: Johannes Erdmann
Komfortabel und vornehm: Das Cockpit ist geräumig und lässt sich mit der Fahrpersenning komplett winddicht verschließen
  Komfortabel und vornehm: Das Cockpit ist geräumig und lässt sich mit der Fahrpersenning komplett winddicht verschließenFoto: Johannes Erdmann
Komfortabel und vornehm: Das Cockpit ist geräumig und lässt sich mit der Fahrpersenning komplett winddicht verschließen

Das Wetter ist immer noch grausig, es regnet und weht ohne Pause. Glücklicherweise besitzt die X eine stabile Fahrpersenning, die Heizung läuft, und so ist es in dem geräumigen Fahrerhaus unter dem T-Top gemütlich warm. Gelegenheit, sich mit dem Boot vertraut zu machen. Sales-Manager Martin Lindbæk zeigt uns das an einen Tesla erinnernde Cockpit und führt das neue Start-up-System vor, eine Eigen­entwicklung der Werft. Beim Be­treten des Bootes lässt sich durch Betätigen eines einzigen präsent am Steuerpult montierten Knopfes das ganze Boot in Betrieb nehmen. Dadurch wird der Batteriehauptschalter ferngeschaltet und ein 10-Zoll-Flatscreen von C-Zone hochgefahren, der eine Reihe von Touch-Knöpfen präsentiert. Durch Anwahl verschiedener Modi wie "Hafen", "Fahrt" oder "Nachtfahrt" werden entsprechende Systeme aktiviert. Bei "Nachtfahrt" etwa dimmen die beiden 16-Zoll-Navigationsmonitore automatisch und die Positionslampen leuchten, bei "Hafenparty" gehen die stilvolle Cockpitbeleuchtung und das Radio an. "Es sind sehr individuelle Programmierungen möglich, je nach Eignerwunsch", so Lindbæk.

Noch mehr Informationen? Den Test der X-Power 33 C mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 07/2021 seit dem 16.06.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Die Kabine des Weekenders überrascht durch enorm viel Raum und einen überaus hochwertigen und stilvollen Innenausbau in Walnuss, was wunderbar mit den Beschlägen in Bronze kontrastiert. Dort möchte man bei dem Wetter verweilen. Doch wir werfen die Leinen los. Die mechanische Steuerung erfordert viel Kurbelei beim Ablegen, doch die nächsten Modelle bekommen eine elektronische. Trotz der hohen Wellen haben Fahrer und Gäste ein überaus angenehmes und sicheres Gefühl, weil die X-Power zwar recht hochbordig schwimmt, man aber eine sehr tiefe Sitzposition einnimmt und nur knapp über das Vordeck schaut. Dennoch ist beim Übergang zur Gleitfahrt keinerlei Sichtbeeinträchtigung zu spüren, der Bug hebt sich kaum. Ab 2800 U/min ist gute Gleitfahrt erreicht, knapp darüber bei 3000 U/min ist die 33C am wirtschaftlichsten unterwegs, mit knapp 24 kn Fahrt und einer Reichweite von 172 sm. Um Fullspeed von knapp 38 kn zu erreichen, ist etwas mehr Gas und Trimm nötig (1/2). In plötzlichen engen Kurven zieht die Schraube dann naturgemäß schnell Luft, der Antrieb sollte also vor engen Manövern runtergetrimmt werden. Ansonsten liegt das Boot sehr griffig auf dem Ruder und verhält sich selbst in den bis zu einem Meter hohen Wellen ausgesprochen gut. Mehr noch: Es fährt dank des Petestep-Rumpfs ungewöhnlich leise. Trotz der hohen Geschwindigkeit und Sprüngen über die Wellen können wir uns ruhig unterhalten. Beispielsweise darüber, dass X-Yachts als Nächstes eine Version mit festem Fahrerhaus plant. "Bei solch einem Wetter bestimmt eine gute Idee", muss ich gestehen.

  Für einen Weekender besitzt die 33C eine große Kabine. Die Holzarbeiten in Walnuss beeindrucken. Der "Magic Mirror" lässt auf Knopfdruck den Blick nach außen zuFoto: Johannes Erdmann
Für einen Weekender besitzt die 33C eine große Kabine. Die Holzarbeiten in Walnuss beeindrucken. Der "Magic Mirror" lässt auf Knopfdruck den Blick nach außen zu
  Für einen Weekender besitzt die 33C eine große Kabine. Die Holzarbeiten in Walnuss beeindrucken. Der "Magic Mirror" lässt auf Knopfdruck den Blick nach außen zuFoto: Johannes Erdmann
Für einen Weekender besitzt die 33C eine große Kabine. Die Holzarbeiten in Walnuss beeindrucken. Der "Magic Mirror" lässt auf Knopfdruck den Blick nach außen zu

Doch eigentlich ist das gar nicht nötig, denn das Fahrverdeck flattert selbst in den Böen überhaupt nicht. Die X-Power 33C überzeugt durch ihre Rauwassereigenschaften. Lediglich der Scheibenwischer sitzt wegen der stylish ums Cockpit herumgezogenen Windschutzscheibe etwas weit links vom direkten Sichtfeld. Aber wer mit einem 33-Fuß-Boot bei solch einem Wetter mit fast 70 Stundenkilometern komfortabel, sicher, entspannt und trocken über die Ostsee rauscht, der nimmt es gern in Kauf, sich dabei leicht nach links zu beugen.

Noch mehr Informationen? Den Test der X-Power 33 C mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 07/2021 seit dem 16.06.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Fazit
Mit der X-Power 33C hat X-Yachts einen mutigen Sprung auf den Motorbootmarkt gewagt und das Konzept der HOC-Boats konsequent weiterentwickelt. Sie ist nicht nur ein gelungener und innovativer Weekender, der gelegentliche Übernachtungen mit großem Komfort ermöglicht, sondern auch ein Boot, das auf dem Markt seinesgleichen sucht, in jedem Hafen ein paar Köpfe verdrehen wird – und womöglich selbst einem Segler großen Spaß bereitet.