Test: Windy 29 Coho - Aus gutem HausFoto: Morten Strauch

MotorbooteTest: Windy 29 Coho - Aus gutem Haus

Ralf Marquard  

20.6.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Die Windy 29 ist ein Weekender der Oberklasse mit reichlich Kraft unter der Haube und viel Spaßpotenzial. Wir fuhren das Boot auf der Ostsee vor Neustadt.

Dass man eine Windy nicht mit zu wenig PS fahren darf, versteht sich bei der Namensgebung ja fast schon von selbst. So ist unser Testboot, die Windy 29 Coho, mit einem 382-PS-Diesel (Volvo-Penta) mit Duoprop-Antrieb unterwegs. Eine Antriebseinheit, die das 3250 kg schwere Boot plus Testcrew und etwa halbvollen Tanks immerhin auf über 43 kn beschleunigt.

Damit es dann auch auf der ruppigen See möglichst komfortabel bleibt, verpasst die Werft dem Boot einen tiefen V-Rumpf. Dampferwellen von der Berufsschifffahrt und Ostseewellen bei drei Beaufort überspringt der Rumpf butterweich und fast trocken. Nur in engen Kurven (in kleiner Gleitfahrt) trägt der Wind das Spritzwasser teilweise bis ins Cockpit, da sich die Windy dabei kräftig auf die Seite legt.

  Test Windy 29 CohoFoto: Morten Strauch
Test Windy 29 Coho
  Test Windy 29 CohoFoto: Morten Strauch
Test Windy 29 Coho

Bei richtig schneller Fahrt braucht man dafür ein sensibles Gas-, Trimm- und Lenkhändchen. Denn je mehr man den Powertrimm anhebt, desto leichter beginnt der Rumpf zu schaukeln. Mit Trimm down sind normale schnelle Wenden möglich – man darf es einfach nicht übertreiben. Auf Slalom-strecken und beim Verreißen der Steuerung hat der Fahrer immer ein gutes Gefühl und mit dem Sportlenkrad alles sicher und exakt im Griff.

In Gleitfahrt, die bei knapp 2000 U/min beginnt, kommt die Coho mit nur kurzer Sichtbehinderung problemlos. Wer die Sicht dabei noch einen Tick verbessern möchte oder bei Wind die Seitenlage ausgleichen will, ordert die auf unserem Testboot installierten Trimmklappen (1490 € normal, 2180 € mit Automatik). Unbedingt nötig sind sie jedoch für unsere D6-400-Motorisierung mit dem Duoprop-Antrieb und Powertrimm mit Trimmassistenten von Volvo (steuert automatisch den Powertrimm) nicht.

Die Sicht bleibt auf jeden Fall über den gesamten Gleitbereich gut. Auch am Geradeauslauf gibt es nichts zu kritisieren, und der maximale Geräuschpegel liegt bei akzeptablen 81 dBA. Wer nun auch noch wirtschaftlich unterwegs sein will, lässt den Diesel 2250 U/min drehen und verbraucht exakt 1 l/sm. So erreicht man mit dem 400-l- Tank eine respektable Reichweite von 339 sm plus die obligatorischen 15 % Reserve. Die Heckwelle fällt zum Wasserski- laufen recht kräftig aus, geübte Läufer sollte das aber vor keine wirklichen Probleme stellen. Bob und Tubefahrer haben sicherlich ihren Spaß hinter der Windy.

Langsam fahren funktioniert natürlich auch, allerdings schießt die Windy bereits bei Standgas (600 U/min) mit 4,7 kn los. Um 1000 U/min (7 kn) liegt dann schon die Grenze für Verdrängerfahrt, damit die Heckwelle keine uferbedrohende Höhe annimmt. Die Kursstabiltät ist mit Standgas gut, verbessert sich mit zunehmender Geschwindigkeit jedoch noch einen Tick. Hafenmanöver gelingen mit engen Wendekreisen und dem Bugstrahl (Extra) sicher und exakt.

„Typisch Windy" steht für den Fahrer- und Beifahrerplatz: gut gepolsterte Schalensitze, die einen optimalen Seitenhalt und Komfort bieten. Auffällig ist, dass das Lenkrad und der Sitz nicht mittig zueinander stehen, sondern versetzt. Ein Um- stand, der sich beim Fahren aber nicht wirklich negativ ausgewirkt hat. Die an der Seite installierte EVC-Einhebelschaltung bedient man genauso uneingeschränkt wie die Wippschalter mit Kontrollleuchten. Die Instrumente verteilt Windy praxisgerecht, und die Windschutzscheibe ohne Tönung und Spiegelungen gewährleistet eine gute Voraussicht. Bei Regenwetter sorgt ein Scheibenwischer für ausreichend klare Sichtverhältnisse.

Cockpit und Wohnen

Damit das Cockpit samt Crew auch trocken bleibt, muss der Eigner Aufpreis zahlen, denn nur ein einfaches Biminidach gehört zum Standard.

Im Cockpit steht eine gemütliche Sitzecke mit Holztisch, in der Mitte befindet sich die Sitz-Liege-Kombination mit praktischer Schiebelehne. Noch einen Schritt weiter findet man eine riesige Badeplattform mit Heckdusche und langer Leiter vor. Die Plattform erreicht man einfach über einen Heckdurchgang. Hier gibt es keine Tür, die den Ausgang verschließt, was besonders bei Ausflügen mit kleineren Kindern unverzichtbar wäre. Bevor man an die Klappleiter kommt, muss jedoch erst eine Abdeckung hochgestupst werden. Das ist aber weder vom Boot noch vom Wasser aus ein Problem.

Unter Deck findet man alles, was Weekender-Freunde benötigen. Das beginnt beim Toilettenraum, geht über eine Pantryeinheit (2-Platten-Ceranfeld und Spüle) bis zur V-Koje mit festen, jedoch nicht unterlüfteten Polstern.

In der Kabine kann man natürlich nicht wirklich stehen, sondern muss sich gebückt bewegen. Die Lüftung der Kabine erfolgt über ein Fluchtluk sowie den Eingang mit Stufe und Schiebetür.

Sicherheit

Neben der Tür integriert die Werft etwa 0,25 m breite Stufen im Armaturenbrett, um sicher auf das Vordeck zu gelangen. Festhalten kann man sich dabei an einem Handlauf um den Scheibenrahmen herum. Das sind allerdings auch die einzigen Handgriffe, die man im Cockpit findet. Auf dem Vordeck gibt die Reling den nötigen Halt. Für Rutschfestigkeit sorgen auf unserer Test-Windy Anti-Slip-Strukturen (Vordeck) und Stabdeckbelag (Stufen, Cockpit und Badeplattform).

Zur Lenzanlage gehören vorbildlich Elektro- und Handlenzpumpe. Gleiches Lob gibt’s für die Ausrüstung mit Feuerlöschanlage im Motorraum und den Handlöscher (unter der Sitzbank im Cockpit). Die mit Alufolie überzogene Schaumstoffisolierung im Motorraum ist selbstverlöschend.

Der Diesel steht sicher verbolzt unter der Sonnenliege, die man komfortabel per Knopfdruck anhebt. Darunter hat der Servicetechniker genügend Platz zum Handtieren. Wie von der Werft gewohnt, sind die Installationen sauber ausgeführt. Die gesamte Bootsverarbeitung ist bemerkenswert: Das fängt bei den Kunststoffelementen an, geht über passgenaue Einbauten und reicht bis zu den exakt vernähten Polstern.

Test Windy 29 Coho
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Foto: Morten Strauch
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