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Bootsausrüstung

Kettenreaktion

Thomas Bock am 30.11.2008

An der Ankerkette zerrt im schlimmsten Fall das gesamte Bootsgewicht. Doch halten die Glieder auch, was sie versprechen? Wir haben Niro-Ankerketten im Test auf Herz und Nieren geprüft.

Niroketten gehören zu den „Handschmeichlern“ der Bootsausrüstung. Ihre glatte, glänzende Oberfläche fasst sich gut an, und die solide Schwere weckt Vertrauen und suggeriert: Hier kannst du beruhigt festmachen.

Doch schon der Volksmund weiß: Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Welchen Kräften eine Ankerkette aus nicht rostendem Material (VA-Stahl) wirklich gewachsen ist, kann man ihr von außen nicht ansehen. Überhaupt lassen sich Ketten nur schwerlich voneinander unterscheiden, besonders wenn sie nach der derzeit gültigen Deutschen Industrienorm (DIN 766) gefertigt sind. Die Norm schreibt die Abmessungen der Glieder genau vor. So soll ein Glied einer 10-mm-Kette 28 mm lang (Innendurchmesser) sein, 34 mm breit, und der Rundstahl darf nicht von der Nennstärke (10 mm) abweichen. Das klingt im ersten Moment übertrieben, schließlich geht es nur um schlichte Eisenteile. Doch, der strengen DIN-Norm sei Dank, laufen die meisten Ankerketten problemlos über unsere Ankerwinschen. Denn nur wenn die einzelnen Glieder in die Kettennuss der Winsch passen, flutscht die Sache.

Dass viele Skipper eine Ankerkette einer Leine vorziehen, liegt einerseits an der hohen Bruchfestigkeit der Kette, andererseits hält der Anker am Grund einfach besser, wenn er durch das Gewicht der Kette am Boden gehalten wird.

Beim Bootsausrüster werden Ankerketten nach der Stärke der Kettenglieder in Millimetern bezeichnet. Dabei sind Stärken von weniger als 13 mm als Meterware erhältlich. Größere Durchmesser werden häufig in sogenannten Kettenlängen (etwa 27 m) geliefert.

Ankerkette wird hierzulande in zwei Materialvarianten angeboten. Die preiswertere davon ist die verzinkte Ankerkette, für die man im Schnitt ein Drittel der Kosten der Nirokette rechnen muss. Nachteil der verzinkten Kette: Sie rostet, und ihre Oberfläche ist so rau, dass sich beim Hieven im Kettenkasten oft kleine „Türme“ bilden, die die Winsch blockieren können. Ferner nimmt die verzinkte Oberflächenstruktur jede Menge stinkenden „Schmodder“ vom Grund mit hoch, der mühselig abgespült werden muss, wenn er nicht im Ankerkasten landen soll.

Thomas Bock am 30.11.2008