Außenbordmotoren Außenbordmotoren

Motorentest

Die Drei ???

Ralf Marquard, Torsten Moench am 12.02.2020

Ernst zu nehmende Außenborder oder marinisierte Motorsensen? Wir testen drei Billigmotoren zwischen 2 PS und 6 PS aus dem Online-Handel

Redet man in der Bootsszene über Außenbordmotoren, sind üblicherweise die großen und bekannten Marken gemeint, wie wir sie in BOOTE regelmäßig testen und vorstellen. Weniger bekannt ist, dass es eine Vielzahl von
Herstellern kleinerer Motoren
gibt, die weder auf Messen noch bei namhaften Händlern zu finden sind.


Ihr Vertriebsweg ist das Internet. Genau dort, namentlich beim Branchenriesen Amazon, suchten wir gezielt nach Bootsmotoren in der unteren PS-Klasse.

Zumindest in puncto Preis wurden wir nicht enttäuscht. Für wenige Hundert Euro bekommt man bei Amazon Motoren mit Leistungen zwischen 2 PS und 7 PS.


Je nach Modell ist 1 PS Motorleistung schon für rekordverdächtige 70 Euro zu haben. Doch Obacht:

Ein Angebot, das morgens noch im Netz steht, kann am Nachmittag desselben Tages schon verschwunden sein oder am darauffolgenden Tag von einem anderen Anbieter zu einem neuen Preis erscheinen.

Dies ist auch der Grund, warum die von uns getesteten Motoren nur als exemplarisch anzusehen sind. Zwei der drei Testmotoren waren wenige Wochen nach unserem Test schon "ausverkauft" – baugleich, aber unter anderem Namen sind sie inzwischen aber zeitweise wieder zu bekommen.


Dieser Fakt zeigt auch, dass an eine geregelte Ersatzteilbeschaffung, wie man sie von den "großen Marken" gewohnt ist, nicht zu denken ist. Tritt ein Defekt auf, hilft oft nur die Rücksendung des gesamten Motors an den dann hoffentlich noch existenten Verkäufer.

Außenbordmotoren


Und auch einen weiteren Punkt sollte man nicht vernachlässigen:

Seit Anfang 2007 gelten für neue Außenbordmotoren in der EU Abgaswerte, die von herkömmlichen 2-Takt-Vergasermotoren nicht zu schaffen sind.

Der Verkauf an Privatleute ist untersagt. Einen entsprechenden Nachweis über das Erreichen dieser Abgaswerte blieben unsere Test-2-Takter schuldig. Doch kommen wir zu den eigentlich spannenden Testkriterien:

Wie lassen sich unsere "Billigheimer" in der Praxis bedienen, und was leisten sie am 2,3-m-Dinghy?

Grundsätzlich empfehlen wir, vor der ersten Inbetriebnahme – besonders wenn man keine Einweisung bekommen hat – die Gebrauchsanleitung zu lesen. Doch schon hier gibt es Probleme: Die Anleitung des Demon wird nur in polnischer Sprache geliefert. Mithilfe von Übersetzungsprogrammen erschlossen wir uns zumindest die wichtigsten Wörter aus der Tabelle und den Abbildungen. Apropos Abbildungen, die Motordarstellung in der Betriebsanleitung des OM 6200-4 hat mit dem echten Motor nur wenig zu tun.

Fotostrecke: Außenborder

Dafür gibt es die Beschreibung schon mal in russischer und englischer Sprache. Eine Glanzleistung ist in dieser Hinsicht die Anleitung des Grünwelt-Motors, diese wird in drei Sprachen gedruckt: Deutsch, Englisch und Polnisch. Doch sind einige Punkte darin enthalten, die keinen Sinn ergeben. Ein Beispiel: In Kapitel "11. Fehlerursache" steht unter dem Punkt "Motor überhitzt": "Überprüfen Sie, ob die Wasserpumpe und der Thermostat richtig funktionieren, indem Sie prüfen, ob der Wasserstrom normal ist." Anweisungen, die man für einen luftgekühlten Motor wie bei unserem Testkandidaten nicht so recht nachvollziehen kann, da es die Bauteile und den "Wasserstrom" schlichtweg nicht gibt.

Der Zusammenbau beschränkt sich auf die Pinnenbefestigung. Hier fiel besonders die Verschraubung des OM 6200-4 auf. Eigentlich ganz praktisch gedacht, sitzt an der Außenseite eine Flügelmutter für den Handbetrieb, jedoch konnte ich die Mutter nicht so festdrehen, dass die Pinne von allein oben blieb. Mit der Zange bewaffnet, versuchte ich die Flügelschraube fester zu ziehen, musste dann jedoch fest­stellen, dass sich auf der Innenseite der Schraubenkopf mitdrehte. Also noch einen gekröpften Ringschlüssel aus Mannis Werkzeugkiste gekramt, um gegenzuhalten. Ging aber auch nicht, der Tank musste vorher noch ab (Inbusschrauben lösen), damit man an den Schraubenkopf gelangte.

Die Pinne des BC 520-1 dreht man mit einer großen Kunststoffmutter per Hand fest. Dann lässt sie sich jedoch nicht mehr in der Höhe bewegen, da sie in eine Verzahnung greift. Also, wer bei diesem Modell die Pinne in der Höhe verstellen möchte, muss immer die Schrauben lösen, den Winkel ändern und die dicke Handmutter wieder anziehen. Der Steuerhebel des GW-200 FC ist in dieser Hinsicht zwar beweglicher, entpuppte sich am Ende des Testtages jedoch als zu lose: Die Schraube löste sich selbstständig, und die Pinne klappte von allein nach unten.

Am Ende jeder Testfahrt hieß es: Schraube erneut festziehen.

Bei der Motormontage am Boot spielt das Gewicht eine entscheidende Rolle. Klarer Leichtgewichtssieger: der Demon mit gerade mal 8,6 kg, gefolgt vom anderen Zweitakter, dem OM 6200-4 mit 10,5 kg. Abgeschlagen mit mehr als dem doppelten Gewicht: der Viertakter aus dem Hause Grünwelt.

Ein Gewichtsplus, das bei der Montage mehr als deutlich spürbar war. Befestigt wird das Testtrio mit Knebelschrauben, wobei die des Demon aus Kunststoff bestehen. Alle Knebel hatten Löcher, um die Motoren mit einem Bügelschloss gegen Diebstahl zu sichern. Veränderung der Trimmstellung? Hier sind sich alle Hersteller in der Abstufung einig, denn jeder Motor hatte vier Stufen. Die Bolzen werden jedoch nicht wie bei herkömmlichen Außenbordern mit einem "Klappzapfen" gesichert, sondern sind fest verschraubt, und man muss für die Verstellung des Trimmwinkels Werkzeug in die Hand nehmen.

Kommen wir zum spannenden Moment des Motorstarts: Vorher mussten wir für die Zweitakter noch das vergleichsweise fette Gemisch im Verhältnis 25 : 1 her­stellen und in die integrierten (Mini-)Tanks gießen. Der Grünwelt-Viertakter bekommt puren Sprit, vorher haben wir natürlich Rasenmäher-Motoröl (SAE 30) eingefüllt.

Zum Start der Zweitakter pumpt man erst mal Sprit mit einer Pumptaste in die Vergaser. Dann den ­Choke auf Stellung "Ein", und los geht’s mit dem Anreißen. Dafür sollte man den OM 6200-4 um 180 Grad drehen (auf Rückwärtsfahrt), damit der Winkel des Starterseils nicht über eine Kante läuft. Dann ein paar Mal ziehen, und schon knattern die Zweitakter los.

Einfaches Anziehen war auch beim Viertakter die Regel, das Knattern hielt sich hier jedoch deutlich in Grenzen.
Nun Schalthebel nach vorn, und los geht’s. Weit gefehlt, alle drei Motoren haben eine Fliehkraftkupplung, wie man sie von Gartengeräten und Motorsägen kennt. Das heißt, den Motor erst einmal auf Drehzahl bringen, bevor die Kupplung "greift" und die Propeller anfangen zu drehen. Das macht man beim Grünwelt und Demon an Drehgasgriffen, die mit Rasterstufen ausgerüstet sind, sie bleiben damit auf der gewählten Stellung stehen. Der Outboard besitzt einen federbelasteten Drehgriff. Wenn der Skipper diesen loslässt, dreht er selbstständig wieder auf Standgas zurück.

Vorwärts aus der Box zu fahren war mit allen Motoren noch ganz gut möglich, aber eines muss klar sein: Wer Gas wegnimmt, hat auch keine Ruderwirkung mehr. Das Aufstoppen beim Einfahren in die Box oder an den Steg war schon ein Abenteuer: Nicht nur, dass man den Motor dafür um 180 Grad drehen muss, auch der Gasgriff muss noch über die Motoren hinaus betätigt werden, um Schub zu bekommen. Ich habe nach einigen Ver­suchen einfach in Vorwärtsfahrt Schub weggenommen und gehofft, dass ich so halbwegs passend am Steg anlande.

Kaum war ich vom Steg weg, kamen auch schon die ersten Bootsleute an Deck und fragten, wann ich denn mit dem "Rasenmähen" fertig sei. Der Sound der beiden Zweitakter ging schon klar in diese Richtung, und gemessene Lautstärken von 94 bis 98 dB(A) sind nicht mehr zu über­hören, sondern eher nervtötend. Wesentlich angenehmer zeigte sich hier der Viertakter von Grünwelt.

Allerdings hatte auch er eine Besonderheit: Bei Vollgas am Griff lief er mit einer vom Hersteller voreingestellten Drehzahl, aber noch nicht Vollgas. Dieses erreichten wir, indem wir die Regelstange (die wie beim Rasenmäher bei einer stärkeren Belastung vom Regler bewegt wird) per Hand betätigten. Kollege Manfred erreichte so eine Geschwindigkeit von etwa 22 km/h. Für den Dauerbetrieb ist dieses Prozedere aber weder geeignet noch gedacht.

Schaut man sich die Testtabellen an, zeigt sich schnell der klare Vorteil des Viertakters. Er verbraucht nur rund die Hälfte oder im Vergleich zum Outboard sogar noch weniger und kommt dadurch natürlich mit einer Spritladung auch deutlich weiter.

Die Propeller des OM 6200-4 (drei Flügel) und des Grünwelt (zwei Flügel) bestehen aus Aluminium, Demon verlässt sich auf Kunststoff. Der Grünwelt-Prop besitzt eine herkömmliche Verzahnung, die anderen beiden haben sogenannte Scherstifte.

Fazit

Auch wenn die beiden Zweitakter durch den günstigen Preis und das geringe Gewicht sehr attraktiv erscheinen, kann man diese veraltete Technik nicht empfehlen. Die immense Lärmbelästigung und der Zweitaktqualm sind weder zeitgemäß noch auf Dauer erträglich. Besser in diesen Punkten ist klar der Grünwelt-Viertaktmotor. Doch auch er kann uns nicht überzeugen. Das hohe Gewicht und die mäßige Höchstgeschwindigkeit aufgrund der "Rasenmäher-Drehzahlbegrenzung" verhageln das Testergebnis. Herkömm­liche 5- oder 6-PS-Außenborder zeigen nach unseren Testerfahrungen in allen Punkten eine deutlich bessere Perfor­mance.

Was bleibt, ist die Frage: Lohnt die Anschaffung solcher Billigmotoren fürs Dinghy oder den Tagestrip mit einem Schlauchboot? Die Antwort: Nein!
 

Den vollständigen Artikel  finden Sie in der September-Ausgabe 2019 von BOOTE.  Hier erhältlich. 

Ralf Marquard, Torsten Moench am 12.02.2020