Handlenzpumpe Handlenzpumpe

Praxistest

Handarbeit

Jonas Meissner, Torsten Moench am 20.08.2019

Eine Handlenzpumpe gehört auf jedes Boot. Aber sind Minipumpen aus dem Online-Versand wirklich an Bord zu gebrauchen? Wir machten die Probe aufs Exempel

Bei unseren Bootstests bemängeln wir regelmäßig das Fehlen einer Handlenzpumpe. Zwar sind die meisten Boote heutzutage mit elektrischen Pumpen ausgestattet, was aber macht man, wenn die Stromversorgung streikt und man einen Wassereinbruch hat?

Insbesondere Hersteller kleiner Boote zeigen unseren Testern dann stolz ihre, in der Backskiste verstauten, mobilen Kolbenpumpen mit dem Hinweis, damit sei man ja unseren Testanforderungen gerecht geworden. Doch ist das wirklich so? Was können kleine, mobile Kunststoffpumpen in der Praxis tatsächlich gegen einen Wassereinbruch bewirken?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, bestellten wir sechs mehr oder weniger ähnliche Minilenzpumpen bei einem großen Online-Versandhaus. Warum dort? Weil genau hier die meisten Skipper derartiges Kleinzubehör bestellen und somit oftmals auf Beratung oder gar eine Funktionsprobe im Voraus verzichten.

Im einzelnen prüften wir folgende Modelle: Docooler, MagiDeal, Sea to Summit, Osculati, Prijon und Whale. Die Preise lagen allesamt zwischen 15 Euro und 40 Euro.

Fotostrecke: Handlenzpumpen

Die erste Überraschung erlebten wir schon beim Auspacken. Während die meisten Pumpen (MagiDeal, Osculati, Prijon und Whale) mit Ablaufschläuchen daher kamen, verzichteten die Marken Sea to Summit und Docooler auf dieses in unseren Augen wichtige Detail. Dies ist insbesondere dann verdrießlich, wenn man an einer Stelle im Boot lenzen muss, die sich nicht unmittelbar an der Bordwand befindet.

In der Praxis wären Pumpen ohne Schlauch in kleinen Kajütbooten völlig nutzlos, da man das Wasser einfach nicht aus dem Boot bekommt.

Befindet sich die tiefste Stelle der Bilge im Heck, beispielsweise bei Schlauchbooten, mag das Lenzen noch funktionieren. Liegt die tiefste Stelle aber weiter mittschiffs, was wohl bei fast allen Sportbooten der Fall sein dürfte, wird’s schwierig mit der Lenzerei, und die Bastelei mit Schlauchverlängerungen beginnt.

Der nächste Punkt war das Pumpvolumen. Je nach Modell schwankte es bei unseren Testkandidaten zwischen einem viertel Liter (Docooler) und einem halben Liter (Magideal und Osculati). Dabei sollte man sich nicht von der optischen Erscheinung der Pumpe blenden lassen.

Eine massive Schaumstoffarmierung kann schnell den Eindruck eines großen Volumens vermitteln, tatsächlich entscheiden aber Zylinder-Durchmesser und Hub. Und selbst äußerlich groß erscheinende Zylinder helfen wenig, wenn der Hub nur magere 25 cm beträgt.

Ausreichende Fitness vorausgesetzt (50 Hübe pro Minute), könnte man mit solchen Pumpen also maximal rund 25 Liter pro Minute außenbords befördern. Berücksichtigt man den dazu nötigen Kraftaufwand, hätte man dann allerdings auch rund 50 x 1,6 kg (80 kg) pro Minute gehoben.

Das bringt uns zum nächsten Testteil: Wie schwer sind Minilenzpumpen zu betätigen? Die dazu aufzuwendende Kraft hängt einerseits natürlich vom Volumen, zum anderen aber auch vom Aufbau und den mechanischen Eigenschaften der Pumpe ab. Eine große und gut durchdachte Pumpe muss nicht unbedingt schwerer zu betätigen sein als eine Minipumpe mit schwergängigem Kolben.

Wir maßen die Kräfte sowohl im leeren, als auch im gefüllten Zustand. Dabei waren die Unterschiede enorm. So brauchte man beispielsweise bei der Sea-to-Summit-Pumpe, der Osculati und der Prijon-Pumpe nur rund 16 N aufbringen, um 0,4 l Wasser zu bewegen. Bei der gleich großen Whale-Pumpe waren es dagegen stattliche 46 N.

Das mag sich zwar erst einmal gering anhören, in der Praxis aber, wenn man dann mal eine halbe Stunde gepumpt hat, weiß man, dass der Unterschied des rund dreifachen Kraftaufwandes nicht zu unterschätzen ist.

Wer längere Zeit mit dieser Pumpenart lenzen muss, ist darüberhinaus auf eine gute Handhabung angewiesen. Hier taten sich insbesondere die Modelle von Docooler, Sea to Summit und Prijon hervor.

Sie verfügen über eine griffige Schaumstoffummantelung und ließen sich deshalb einfach bedienen.
Ein anderer Punkt ist das am unteren Pumpeneinlass befindliche Ventil. Ist es ungeschützt, werden grobe Verunreinigungen wie beispielweise Kiesel oder Holzstücke in die Pumpe gesaugt und können sie blockieren.

Ansauggitter konnten wir allerdings nur bei den Pumpen von MagiDeal, Osculati, Pijon und Whale finden. Alle anderen sind auf die Umsicht des Benutzers und eine möglichst saubere Bilge angewiesen.

Fassen wir die Einzelbetrachtungen zusammen, kommen wir zu dem Schluss, dass irgendeine Pumpe besser ist als keine. Aber: Pumpen dieser Machart sind allenfalls für das Lenzen von Bei- oder Badebooten geeignet.

Eine ernstzunehmende Alternative zu fest installierten Lenzpumpen sind sie de facto nicht.

Aus unserem Testfeld gehen die Osculati-Pumpe und die Prijon-Pumpe als Testsieger hervor. Alle anderen verrichten zwar auch ihren Dienst, weisen aber in der Praxis an der ein oder anderen Stelle Unzulänglichkeiten auf.

Diesen Artikel finden Sie in der August-Ausgabe 2018 von BOOTE. Hier erhältlich.

Jonas Meissner, Torsten Moench am 20.08.2019