Absolute 55 FLY Absolute 55 FLY
Bootstests

Absolute Fly 55

Peter Lässig am 19.05.2013

Wir sind dann mal weg: Die edle Absolute Fly 55 aus Italien bietet mit drei Kabinen hat bequem Platz für eine Crew mit sechs Personen.

Die ehemaligen Eigentümer der legendären Gobbi-Produktion sind die Gründer von Absolute, einer jungen italienischen Werft, und in ihrer kurzen Existenz seit 2002 kann diese Bootsschmiede auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Aktuell werden achtzehn Modelle von 40 bis 72 Fuß Länge produziert. Die Werft gehört zu den innovativsten europäischen Bootsherstellern und platziert jedes Jahr erfolgreich ein neues Objekt am Markt. Jüngstes Beispiel ist unser Testboot Absolute 55 Fly.

Absolute 55 FLY

Absolute 55 FLY


Wir fahren es während der Messe Genua, was mit Sicherheit nicht allein der Grund für die vorgefundene gute Verarbeitung ist, denn Absolute zählt zu den Werften, die auf hohem Niveau produzieren. Am Testboot gibt es hinsichtlich der Kunststoffverarbeitung außen und unter Deck nichts auszusetzen; die Arbeit der Möbelbauer und Sattler gefällt, nichts stört das Auge, die Linien stimmen außen und innen. Der Eindruck im Salon ist erfrischend, nicht zu modern, aber stilvoll – einfach zum Wohlfühlen.

Fotostrecke: Absolute 55 FLY


Das Testboot wartet mit drei Kabinen plus eine für die Crew auf, Eigner und Gäste verfügen über zwei geräumige Bäder mit Toilette und Duschen. Der Eigner logiert mehr in einer Suite als in einer Kabine, die über die gesamte Bootsbreite unter dem Salon angeordnet ist. Gäste wohnen in der großen Bug- und in der etwas kleineren Steuerbordkabine.

Eine Etage höher liegt der Salon mit Fahrstand, Dinette und Pantry auf einer Ebene mit dem Cockpit. Die Pantry hat die Werft an Backbord eingebaut, wo sie als "kulinarischer Mittelpunkt" und Bar zwischen Sitzgruppe vorn, gegenüber angeordneter Dinette und Sitzbank im Cockpit fungiert. Vor der Dinette sitzen Skipper und Co. auf einer festen Sitzbank und haben alles im Blick und Griff. Sonnenanbeter können wählen zwischen der Liege hinter der Cockpitbank und den Sonnenliegen auf dem Vordeck und auf der Flybridge. Dass es oben noch eine Sitzbank mit Tisch und eine Bar gibt, zählt heutzutage zum Standard.

Nichts zu mäkeln gibt es am Steuerstand auf der Beletage – insbesondere gefallen die beiden Schalensitze für Skipper und Beifahrer.Das Testboot ist mit zwei 700 PS starken D11-IPS900-Dieselmotoren mit IPS-Antrieben und zusätzlicher Joysticksteuerung ausgestattet. Diese hilft in langsamer Fahrt, das Boot auf der Stelle drehen zu lassen und in jedwede Richtung manö-vrieren zu können. Dadurch geraten An- oder Ablegen zu einfachen Aufgaben.

Für langsame Passagen lässt man die beiden Motoren in niedrigster Drehzahl (650/min) drehen, um mit 6 kn die vom Boot erzeugten Wellen auf niedrigem Niveau zu halten. Mit zunehmenden Drehzahlen machen sich die Kompressoren ab 1200/min akustisch bemerkbar, und ab 1400/min (14 kn) beginnt das Testboot zu gleiten. Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt ist mit minimaler Vertrimmung verbunden, und um 1800/min (ab 23 kn) nimmt man kaum merklich war, dass sich der Bug absenkt. Das Boot steigt sozusagen, wie vom Lift angehoben, nahezu parallel aus dem Wasser, was der Voraussicht zugutekommt.

Je nach Motorisierung, bietet Absolute die 55 Fly mit zwei unterschiedlich großen Kraftstofftanks an. Standard ist eine Kapazität von 1700 l. Da unser Testboot aber mit den stärkeren D11-IPS900 ausgestattet ist, fassen die Tanks 1900 l. Für die Reichweiten bedeutet das, unsere Absolute kommt in langsamer Fahrt theoretisch 936 sm weit, bevor die 15-%-Reserve angegriffen wird. In schneller Gleitfahrt fährt sie zwischen 2000 bis 2200/min mit einem Tempo von 29 bis 33 kn am wirtschaftlichsten, wo eine Tankfüllung für etwa 270 sm nonstop plus Reserve reicht. Mit Vollgas braust man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 38 kn übers Wasser und muss nach etwa 242 sm nachtanken, soll die Reserve erhalten bleiben. Damit erfüllt die Absolute 55 Fly unsere Forderung von wenigstens 270 sm Aktionsradius plus Reserve.

Einen positiven Eindruck hinterlässt auch der Schalldruck, der im geschlossenen Salon in voller Fahrt nicht über 75 dB/A steigt und sich im Cockpit bei 85 dB/A einpendelt.Die Einschlagwinkel von IPS-Antrieben sind programmierbar und damit abhängig von den Motordrehzahlen und der Fahrgeschwindigkeit, was jedes extreme Manöver verhindert. Wenn man mit ganz eingeschlagenen Antrieben aus dem Stand anfährt, bewegt man sich zuerst spiralförmig und schließt erst später den Kreis, der bei dem Testboot bei Vollgas einen Durchmesser von etwa 250 m besitzt.

In der Praxis heißt das, wer enge Kurven fahren möchte, sollte langsam fahren. Wissen muss man, insbesondere für das Manöver des letzten Augenblicks, dass zwischen dem Betätigen des Ruders und der Reaktion der IPS-Antriebe eine knappe Sekunde vergeht, wofür nicht die Werft, sondern Volvo Penta verantwortlich ist. Kabbelwasser und eine mäßige Dünung vom Vortag mussten für den Rauwassertest herhalten. Beim Überfahren der Wellen mit Vollgas setzt der Absolute-Rumpf spürbar – und unüberhörbar – ein und verlangt nach einer angepassten Geschwindigkeit und Reduzierung der Drehzahlen auf rund 2000/min (29 kn).

Eine Cockpitbodenöffnung mit Klappe plus Leiter bildet den Zugang zum Motorraum. Er beinhaltet neben den Dieseltanks noch Batterien, Generator und einiges mehr. Der Motorraum ist akzeptabel geräumig, was die tägliche Kontrolle oder den Service begünstigt. Die technischen und elektrischen Installationen passen –bis auf den mittels Montageschaum abgedichteten Durchbruch an der Motorraum-Schottwand. Geschäumte Abdichtungen erscheinen nicht zeitgemäß und entsprechen auch nicht dem Begriff einer "wasserdichten Schottwand".

Standard sind mittels Relais geschaltete Batterien, und der Sicherheit zugute kommen per Hand bedienbare Lenzpumpen, elektrische Lenzpumpen und Kraftstoffvorfilter mit Wasseralarmsensoren. Dass der Dieselfluss mittels Magnetventilen gesteuert wird, ist Serie. Die Seitendecks sind, wie auch der Auf- und Abstieg von der Fly, bequem begehbar. In der hydraulisch absenkbaren Badeplattform ist eine Leiter integriert, die auch vom Wasser aus gut gehandhabt werden kann. Absolute bietet das Boot fahrfertig an, lässt aber dem Käufer noch genügend Raum, es individuell auszustatten. Was es nicht gibt, ist eine Scheuerleiste, die den Namen verdient.

Fazit: Die Absolute 55 Fly ist ein feines und sauber verarbeitetes Boot, auf dem man sich sofort wohlfühlt. Für größere Familien oder Skipper mit Gästen ist genug Platz und Raum vorhanden. Was die Rauwasserfahreigenschaften angeht, ist in diesem Fall weniger Motorleistung ein mehr an Fahrkomfort.

Datenblatt: Absolute 55 FLY

Werft: Absolute S.p.A
Typbezeichnung: Absolute 55 FLY
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 16,65 m
Breite (m): 4,65 m
Verdrängung (kg): 23,70 t
Preis: 1.026.970,00 €
Peter Lässig am 19.05.2013