Allison XB 21 Allison XB 21
Bootstests

Allison XB 21

Sebastian Gollasch am 11.06.2014

Power Pack: Allisons XB 21 ist ein Angelboot aus den USA mit echten „Rennsport-Genen“ – eine zweifellos ungewöhnliche, aber witzige Mischung.

Allison XB 21

Allison XB 21

Fotostrecke: Allison XB21 BasSport 2+2

Die Geburt der Marke "Allison Boats" ist in der Firmengeschichte im Jahr 1917 festgehalten. Seinerzeit begann James Allison mit dem Bau eines kleinen Angelbootes, das von einem Motorradmotor angetrieben wurde. James tüftelte ständig an der Weiterentwicklung des Unterwasserschiffes, um mehr Ge- schwindigkeit zu erreichen. Es folgten größere Boote mit Außenbordern – der Ehr- geiz, die Boote immer schneller zu machen, blieb. Neben den Bootsrumpfformen beschäftigte man sich bei Allison stets ebenfalls mit den Propellern und der davon teilweise abhängigen Motormontage.

Die heutige Werft setzt weiterhin auf Boote für hohe Geschwindigkeiten. So gibt es sechs unterschiedliche Modelle, und die von uns getestete XB-21 kann man wiederum in fünf Ausführungen bestellen. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Sie sind dazu gedacht, blitzschnell an den besten Platz zu gelangen – und sei’s zum beschaulichen Fischen.

Ein "Bass Boat" ist also eigentlich ein Angelboot für Flüsse und Seen mit wenig Tiefgang und der typisch großzügigen ebenen Fläche in Bug und Heck, die man auch zum Sonnen nutzen kann. Ausgelegt und zugelassen ist unser Testboot für eine Vierer-Crew – angesichts der Länge von knapp 6,50 m eine geringe Zahl für ein Boot dieser Klasse. Als Fahrgebiet gibt die Werft die CE-Kategorie C (küstennahe Gewässer) an.

Für den Transport auf der Straße genügt bereits ein Zugfahrzeug mit einer Anhängelast von etwa 1400 kg, was der "Golf-Klasse" entspricht. Den zum Boot passenden US-Trailer kann man sich beim Europa-Importeur OAKBay gegen Aufpreis für eine EU-weite Zulassung umrüsten lassen. Bei einer Bootsbreite von 2,36 m muss sich der Trailerkapitän keine Sorgen bezüglich Überbreite und Sondergenehmigungen machen.

Bei der Motorisierung gibt es seitens des Herstellers die Empfehlung, einen Außenborder zwischen 135 und 200 PS zu wählen. Unser Testboot ist mit der maximal zulässigen Leistung von 225 PS bestückt. Mit seinem Listengewicht von 225 kg bewegt sich der OptiMax (Zweitakter) an der Gewichtsgrenze von 240 kg für den
Spiegel.

Wer lieber einen Viertakter haben möchte, der muss mit der Leistung heruntergehen, da vergleichbare Außenborder vom Gewicht her für den Heckspiegel nicht taugen. Der von uns gefahrene OptiMax 225 bringt das 6,45 m lange Boot auf eine Höchstgeschwindigkeit von wahnwitzigen 66,4 kn, was 123 km/h entspricht. In dieser Situation zeigt der Drehzahlmesser 5500/min an.

Entsprechend der vom Motorhersteller angegebenen Volllastdrehzahl von 5000–5750/min kann man sagen, dass der montierte Vierblatt-Edelstahl-Hydromotion-Propeller mit den Abmessungen 4 x 14" x 24" gut gewählt ist. – Beim Verbrauch zeigt sich mit 1,21 l/sm der Durst der 225 Pferdchen des OptiMax, und mit den von uns gemessenen 97 dB/A machen sie sich im Übrigen bei Volllast deutlich bemerkbar.

Wirtschaftlich ist man mit der XB-21 bei etwa 3500/min (37 kn) unterwegs. Bei dieser Geschwindigkeit reicht der 136 l fassende Kraftstofftank abzüglich einer Reserve von 15 % für eine Nonstop-Tour von 146 sm. Die Fahrgeräusche bewegen sich dann bei grenzwertigen 85 dB/A.

Mit Wendekreisen bei eingelegtem Vorwärtsgang von je zwei Bootslängen zu jeder Seite und Drehen auf der Stelle bei rückwärts eingelegter Schaltung zeigt sich die durchschnittliche Manövriereigenschaft auf kleinem Raum. – Besser beherrscht unser Testboot halt die schnelle Gangart. So überfährt die Allison XB-21 kurze Wellen bei knapp 4000/min sanfter als bei den wirtschaftlichen 3500/min. Der Rumpf folgt präzise dem Lenkbefehl des Steuermannes.

Um auf Höchstgeschwindigkeit zu kommen, bedarf es etwas Übung und Routine. Eine Besonderheit der Allison ist nämlich, dass wie beim Auto mit dem Fuß Gas gegeben wird. So bleiben beide Hände am Steuerrad und können dort den Power-Trimm und das Powerbracket bedienen. Dabei sitzen Fahrer und Beifahrer in gut gepolsterten Schalensitzen quasi auf dem Bootsboden.

Der Fahrstand verfügt neben allen notwendigen Instumenten zur Überwachung von Motor und Boot zusätzlich über eine kleine, aber wirkungsvolle Windschutzscheibe – auch für den Beifahrer. Zum Festhalten installierten die Allison-Techniker einen griffigen und gut erreichbaren Griff am Beifahrersitzplatz.

Reichlich Stauraum bietet die Allison unter dem Bug- und Heckboden. Da sie trotz ihrer "Rennwut" immer noch ein Angelboot ist, befindet sich im Heckbereich ein Fischtank, der mithilfe der separaten Wasserpumpe gefüllt oder geleert werden kann.

Zum Thema Verarbeitung und Installationen kann man an dieser Stelle nur die Note "Sehr gut" vergeben. Alle Kanten sind sauber verrundet oder besitzen einen Keder. Die elektrischen Einbauten zeigen sich sauber und fachmännisch durchgeführt. Gut zugänglich (und damit sehr praktisch) verstaut wird der Bootshaken direkt neben dem Cockpit mittels Klettband. Bei der Navigationsbeleuchtung handelt es sich um USCG-attestierte Leuchten. Kritikpunkte muss sich die XB-21 hinsichtlich ihrer Lenzeinrichtung und Navigationsinstrumente gefallen lassen. Es fehlen nämlich Handlenzpumpe und Kompass.

Fazit: Die Allison XB-21 BasSport 2+2 ist als eine Art "schneller Angler" kein Boot für die "breite Masse". In ihren Fahreigenschaften, besonders bei hoher Geschwindigkeit, zeigen sich deutlich ihre "Rennsport-Gene". Bei der Verarbeitung braucht das Boot keinen Vergleich zu scheuen.

Datenblatt: Allison XB-21 BasSport 2+2

Werft: Allison Boats
Typbezeichnung: Allison XB-21 BasSport 2+2
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 6,45 m
Breite (m): 2,36 m
Verdrängung (kg): 0,64 t
Preis: 81.100,00 €
Sebastian Gollasch am 11.06.2014