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Bootstests

Antaris Fifty5 und Sixty6

Ralf Marquard am 28.06.2015

Antaris Fifty5 und Sixty6: zwei Sloepen für langsame und flotte Touren. Bei unserem Vergleichstest auf der Elbe zeigen sie, was in ihnen steckt.

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Zwei Sloepen im Vergleich: Antaris Fifty5 und Sixty6

Als wir das Testangebot der Antaris-Sloepen bekommen haben, erzählte uns der deutsche Importeur Jens Goericke, dass seine optisch ansprechenden Boote auch flott unterwegs sein sollen. Letzterem standen wir erst mal skeptisch gegenüber. 

Doch schon bei der Vorbereitung zum BOOTE-Frauenfahrtraining – bei dem uns Jens Goericke die Sixty6 zur Verfügung stellte – war Kollege Manfred Welkamer begeistert. "Mit dem Boot kannst du normal tuckern, aber auch mal Dampf machen", erklärte er mir.

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Zum Testtermin auf der Elbe erschien dann nicht nur die Sixty6, sondern ebenfalls ihre Schwester Fifty5; im Grunde die gleiche Bootsart und Aufteilung. Die Kleine hat etwa 100 kg an Gewicht, 0,70 m an Länge und exakt 0,10 m an Breite weniger. Letzteres ist besonders für Trailerkapitäne wichtig; denn mit 2,60 m benötigt man für den Transport der Sixty6 eine Überbreitengenehmigung, mit den 2,50 m rollt die Fifty5 dagegen ohne Behördenaufwand auf einem 1,7-t-Trailer über die Straßen.

Bei der Fifty5 fällt also alles eine Nummer kleiner aus – auch der Motor. Sie fährt mit einem 42-PS-Vetus-Diesel, ihre Schwester ebenfalls mit einem Vetus, der jedoch 10 PS mehr leistet. Für den Tuckerbetrieb (etwa 6 kn) spielt diese Mehrleistung keine spürbare Rolle. Auch im Verbrauch liegt das Testduo eng zusammen und damit auch die respektablen Reichweiten von knapp 150 sm.

In Vollgasfahrt – bei der beide Boote locker die 12,5 kn erreichen – genehmigt sich die große Antaris etwa 90 ml/sm mehr, was viereinhalb Schnapsgläsern entspricht. Somit fällt die Reichweite bei gleichem Tankinhalt (43 l) für die große Antaris 6 sm geringer aus.

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Für die Sixty6 steht jedoch ein größerer Tank (70 l) auf der Zubehörliste, was schnellen Tourenfahrern entgegenkommt. Gute Marschfahrt beginnt mit den Booten um 2500/min, dann laufen sie locker 10 kn und zeigen einen angenehmen Wasserabriss am Heck. Die von uns geforderten 60 sm erreicht nur die Fifty5 auf Anhieb, bei der Sixty6 muss man dafür die erwähnte Tankoption wählen.

Bei der Trimmlage zeigen beide das typische Halbgleiterverhalten: Oberhalb der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit heben sie den Bug und senken ihn auch später in der schnellen Gangart nicht wieder ab. Bei der Fifty5 schaut man im Stehen über die Sprayhood, was auch in schneller Fahrt problemlos funktioniert. Bei der "Verwandten" ist dagegen das aufgebaute Verdeck für den 1,80 m großen Fahrer voll im Blickfeld.

Kleinere Personen schauen durch das Folienfenster, das sich auch wahlweise aufrollen lässt. Sitzend bleibt die Voraussicht nur erhalten, wenn man mit den Testbooten in Verdrängerfahrt bleibt. Darüber hinaus muss sich der Skipper zur Seite beugen und an Sprayhood und Bug vorbeischauen.

Kurshalten ist mit beiden Booten – egal ob in langsamer oder schneller Fahrt – problemlos möglich. Selbst bei Wellenfahrt auf der Elbe vor dem Hamburger Yachthafen in Wedel bleiben die Sloepen in der Spur und schaukeln sich wie Fischerbötchen sicher und trocken in die Wellen ein. Super Fahrgefühl ebenfalls in schnellen Kurven: Die Rümpfe ziehen platt wie ein Bügeleisen eng ihre Runden.

Die entstehenden Seitenkräfte sind gut haltbar, und das Einschwingen in die eigene Welle läuft ebenfalls unspektakulär ab. Die Steuerung, jeweils mit großem Holzkranz-Rad, funktioniert bei allen Manövern leichtgängig und exakt. Eine Eigenschaft, die besonders im Hafen von Vorteil ist. Hier zeigt sich das Duo trotz der konventionellen Wellen- und Ruderanlage von einer durchaus flexiblen Seite. Die Wendekreise betragen selbst in Rückwärtsfahrt nur maximal 2 ½ Bootslängen. Beim Umsteuern tun sich die Boote Richtung steuerbords etwas träger als in die andere Richtung, der "Schokoladenseite". Hier hilft jedoch Abfangen mit einem kurzen Gasstoß voraus.

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Letzteres erledigen die Skipper an herkömmlichen Einhebelschaltungen mit Zügen. Diese bedient der Fahrer genauso leichtgängig und uneingeschränkt wie die Wippschalter. Über die Motorzustände informieren baugleiche Vetus-Instrumententafeln. Den wichtigen Kompass, der auch mal bei schlechter Sicht und Küsten-navigation zeigt, wo es langgeht, suchten wir auf den Booten vergeblich.

Die Motoren sind dagegen schnell gefunden: Sie stehen, wie für Sloepen üblich, unter einer Abdeckhaube in der Bootsmitte. Gut isoliert und mit einer Dichtung, halten sie die Motorgeräusche ordentlich im Zaum. Die Be- und Entlüftung der Räume funktioniert auf der Sixty6 eine Nummer besser als auf der Fifty5, die mit 38 °C Motorraumtemperatur um 8 °C höher ausfällt und Motorleistung "frisst".

Servicearbeiten erledigt der Techniker neben den Motoren stehend oder kniend ungestört; Kabel und Leitungen befestigten die niederländischen Bootsbauer fest und übersichtlich. Einfach zu erreichen sind Seewasserfilter, Schnellschlussventil und Spritfilter unter der Heckbank.

Weitere Pluspunkte in der Sicherheitsausrüstung bekommen die Handlenzpumpe und der 2-kg-Feuerlöscher. Stabdeckböden geben die nötige Standfestigkeit, Festhalten muss man sich am Süllrand, je einen Griff gibt es nur an Fahrstand und Badeplattform. Letztere verfügen über ausreichende Tiefe und lange Badeleitern. Wer lieber die Sonne genießen möchte, legt sich auf die fest, aber komfortabel gepolsterten (und mit Einlegepolstern zu Liegen gewandelten) Bugbänke. Benutzt man diese zum Sitzen, spürt man sofort die Bequemlichkeit, die die hohen Polsterlehnen bieten.

Weiteres Lob bekommt die Verarbeitung: Das beginnt bei den passgenauen Verdecken und geht über die solide Pollerbefestigung bis zu den sauber gestrichenen Kunststoff-Innenseiten. Bei Remplern schützen stabile Scheuerleisten die Seitenwände. Vorn in der Verlängerung sitzen die Navigations-laternen (Extra, sieht gut aus, sind jedoch bruchgefährdet). Fender befestigt man an kleinen Klampen auf dem Süllrand.      

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FAZIT

Ob mit Familie oder Freunden – alle haben ihren Spaß auf den kleinen "Ausflugsdampfern". Reviere, in denen langsam zu fahren ist, wie die Gewässer in und um Berlin, gehören genauso auf ihren Tourenplan wie die Unterelbe, auf dem die "schnelle Truppe" den Tidenstrom bezwingt.  

Datenblatt: Anataris Fifty5

Werft: Antaris
Typbezeichnung: Anataris Fifty5
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 5,90 m
Breite (m): 2,50 m
Verdrängung (kg): 1,10 t
Preis: 37.250,00 €

Datenblatt: Antaris Sixty6

Werft: Antaris
Typbezeichnung: Antaris Sixty6
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 6,60 m
Breite (m): 2,60 m
Verdrängung (kg): 1,20 t
Preis: 0,00 €
Ralf Marquard am 28.06.2015