Aquanaut Majestic 1300 OC Aquanaut Majestic 1300 OC

Aquanaut Majestic 1300 OC

Eleganter Auftritt

Ralf Marquard am 07.12.2018

Mit ihren Hell-Dunkel-Kontrasten und dem geschwungenen Riss zeigt die Majestic 1300 OC ein modernes, edles Design

Seit ein paar Jahren entwickeln die niederländischen Bootsbauer eine moderne und frische Stahlboot-Linie, die das Coupé-Feeling rüberbringen soll. Zu dieser Art von Boot gehört auch unser Testboot, die Aquanaut Majestic 1300 OC. Bei ihr fallen uns neben der Formgebung besonders die großen Deckenfluter, die reichlich Tageslicht in den Unterdeck-Bereich lassen, und das moderne Möbeldesign auf.

Die Kabinenaufteilung ist für die Bootskategorie klassisch. Im Bug eine Eignerkabine mit Doppelbett und in der Mitte zwei Gästekabinen mit je zwei Einzelkojen. Unter den Kojen findet man feuchtigkeitsregulierdende Lüftungslöcher, und die Polster besitzen einen bequemen Härtegrad.

Fotostrecke: Aquanaut Majestic 1300 OC

Die beiden Unterflurkabinen haben passende Staumöglichkeiten und im Eingangsbereich eine Stehhöhe von 1,93 m. Danach geht es in Stufen bis auf 1,20 m runter. In der Bugkabine (Stehhöhe 1,92 m) gibt es Ablagen rund um das Doppelbett, Stauraum unter der Koje und zwei Schränke.

Weitere Staumöglichkeiten bieten Schränke im Vorraum zu den Kabinen. Von hier kommt man auch in die Gästenasszelle, die gleichzeitig als Tagestoilette dient. Untergebracht sind dort WC und Waschbecken mit herausziehbarem Duschschlauch.

Im Boden ist ein Ablauf installiert, und ein Duschvorhang schützt die Eingangstür. Der Eigner hat seinen eigenen Nassbereich mit separatem Dusch- und Toilettenraum. Beides – wie meist üblich – nur von der Bugkabine aus zugänglich. 

Die Räumlichkeiten haben eine passende Größe, bei dem Toilettenraum stört jedoch der Spülknopf, der halbhoch, also genau im Rückenbereich des Benutzers, angebracht ist. Eine Etage höher schließt sich der Salon mit Fahrstand, Sitzecke und Pantry an. Die U-Sitzecke lässt sich nicht zur Koje wandeln, was in Anbetracht der vier Gästekojen auch nicht wirklich von Nöten ist.

Weitere Sitzflächen gibt es auf der Fahrer- und Beifahrerbank. Gekocht wird an einer gut ausgerüsteten und angeordneten Pantry hinter dem Fahrerplatz. Große Fenster mit Jalousien lassen von den Seiten und der Decke reichlich Tageslicht in den Salon.

Über eine zweigeteilte Hecktür, von der sich die Backbordtür zur Seite schieben lässt, gelangt man ins Cockpit, wo eine L-Bank (mit einem freistehenden Tisch ausrüstbar) zum Verweilen einlädt. Um noch weiter nach achtern auf die ausreichend tiefe Badeplattform zu gelangen, führt der Weg durch einen Heckdurchgang an Backbord.

Manko: Es gibt keine Tür oder Kette, die besonders Kindern Sicherheit gibt. An der Plattform sorgt eine lange Leiter für den einfachen Ein- und Ausstieg aus dem Wasser. Wer sich nach dem Bad kurz abduschen möchte, erledigt das an einer in der Heckwand installierten Außendusche. Sonnenhungrige finden ihren Platz auf dem Vordeck, die Polster kosten jedoch extra.

Gefahren wird die Aquanaut an einem Fahrstand auf der Backbordseite. Außergewöhnlich ist hier die Eckbank, denn man sitzt nicht direkt vor dem Ruder, sondern quer "hineingelümmelt" (siehe Foto oben). Diese Sitzposition soll laut Werftchef  Mark Bakker, die Kommunikation zwischen Fahrer und Crew fördern.

Dem Beifahrer sitzt er auf jeden Fall genau gegenüber, denn er hat auf der Steuerbordseite eine identische Bank. An das Lenkrad und den Schalthebel kommt man sitzend passabel ran. Wer im Stehen fahren möchte, muss seitlich versetzt (zur Bootsmitte) stehen, da sonst die Kopffreiheit nicht ausreicht. Der eine Fuß steht dabei im Durchgang und der andere auf dem Fahrstandpodest.

So lassen sich Lenkung und Schaltung (elektronische Bügelhebelschaltung) ausreichend bedienen. Geschaut wird dabei in Richtung Bug durch eine mäßig grau getönte Sicherheitsglasscheibe mit drei soliden Scheibenwischern. Direkt seitlich ist der Blick ebenfalls gut, nach achtern schränken die Pantry und die Fernseheinheit mit den breiten Säulen die Sicht auf den Ecken ein.

Schiebt man den Hebel der leichtgängigen Bügelschaltung ganz nach vorn, erreichen wir exakt die empfohlene Vollastdrehzahl von 2500 U/min und eine Höchstgeschwindigkeit von 9,4 kn, was etwas über der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit liegt.

Der Verbrauch: 3,52 l/sm. Mit dem 800-l-Tank ergibt das eine Reichweite von knapp 200 sm plus 15 % Reserve. Bei Marschfahrt mit etwa 7 kn sieht das mit einem Verbrauch von gut 1 l/sm schon ganz anders aus. Hier errechnen sich dann respektable 650 sm. Bei 5 kn sind es sogar fast 1400 sm.

Dass es auf Reisen auch ruhig zugeht, belegt der maximale Lautstärkepegel von 73 db/A. Hektik bei Geradeausfahrten kommt ebenfalls nicht auf, da die Majestic wie an der Schnur gezogen ihre Bahn zieht. In schnellen Kurven legt sich das Testboot verdrängertypisch auf die Kurvenaußenseite und schwingt sich locker in die eigene Welle ein.

Beim Einlenken muss der Skipper ordentlich zupacken, was er an einem Vier-Speichen-Sportlenkrad erledigt. Für den Notbetrieb findet man eine Pinne im Motorraum. Letzteren erreicht man über eine Luke (mit Gasdämpfer) im Cockpitboden. Im Maschinenraum gibt es reichlich Platz zum Hantieren, und es ist alles fachmännisch installiert.

Bis auf wenige Ausnahmen macht die Verarbeitung einen ordentlichen Eindruck. Bei der Sicherheitsausrüstung bekommen Lenz-, Feuerlöschanlage, rutschfeste Bodenstrukturen und solide Handläufe Pluspunkte.

Fazit:
Die Aquanaut Majestic 1300 OC ist modern gestaltet und eingerichtet. Sie eignet sich für Binnenreviere genauso gut wie für Seegebiete. Die Reichweiten und Fahreigenschaften sind gut, gleiches gilt für die Installationen und Verarbeitung.

Dieser Text stammt aus BOOTE 12/17.

Ralf Marquard am 07.12.2018