Bavaria New Sport 360 Coupé Bavaria New Sport 360 Coupé
Bootstests

Bavaria New Sport 360 Coupé

Peter Lässig am 21.06.2015

Wegweisend: Mit der Bavaria New Sport 360 Coupé wird deutlich, dass die neue Qualitätsoffensive der Giebelstädter Werft erste Früchte trägt.

Fotostrecke: Bavaria New Sport 360 Coupé

Bavaria New Sport 360 Coupé

Bavaria New Sport 360 Coupé

Nachdem Bavaria ihre 34er im Laufe der Jahre mehrfach mit moderaten Veränderungen versah und auch die Größenbezeichnungen zu "360" anpasste, setzt man nun den "eisernen Designbesen" an. Weg von der Kosmetik, hin zu sichtbaren und auffallenden Veränderungen. Und die spielen sich nicht nur äußerlich, sondern auch unter Deck ab.

Die größte Veränderung befindet sich an Deck, wo die sonst über dem Motorraum angeordnete Sonnenliege durch eine Heckbank mit Tisch ersetzt wird. Die Liegefläche geht aber nicht verloren, sondern mit abgesenktem Tisch lässt sich die Heckbank zur Sonnenliege wandeln. Zum Zeitpunkt des Tests ließ sich der Tisch noch elektrisch absenken, was aber zukünftig manuell passieren soll. Die davor befindliche Sitzgruppe bleibt, ist aber modifiziert. Schloss früher diese Sitzgruppe direkt an die Hecksonnenliege an, ist jetzt ein Durchgang vorhanden, was eine unter- schiedliche Gestaltung des Cockpits begünstigt. Die Sport 360 gibt es in drei Variationen. Wie gewohnt als "Open" mit offenem Cockpit und Geräteträger darüber. Zweitens mit festem Cockpit-Dach und seitlichen Fenstern als "Hardtop-Version". Und als dritte Variante (Coupé) komplett geschlossen inklusive Glasschiebetür. Damit in den Variationen mit Hardtop nicht alles zu verschlossen wirkt, lässt sich, je nach Modell, ein Schiebedach ent- weder mechanisch oder elektrisch öffnen.

Unter Deck beeindruckt die Bavaria in erster Linie durch ihre Holzverarbeitung, die keinen Vergleich mit den renommierten südeuropäischen Werften zu scheuen braucht. Auch sonst macht das gesamte Interieur einen wertigen und gefälligen Eindruck. Die Linien passen, nichts stört das Auge. Geblieben sind die Bugkabine mit Doppelkoje, Salon mit Dinette und Pantry, WC-Duschraum und die Achterkabine mit zwei Einzelkojen, die mit Einlegeteilen zu einer durchgehenden Fläche geschlossen werden kann. Geblieben ist darüber hinaus auch das üppige Raumangebot des rund elf Meter langen Bootes.

Dass die Werft die Qualitätslatte in den letzten Jahren Stück für Stück höher gelegt hat, spricht für sich. Nun aber scheint endgültig eine neue Ära eingeläutet worden zu sein, in der Bavaria verstärkt in eine Qualitätsoffensive übergeht. Die neue Sport 360 zeigt den Weg und wird, wenn man die Homepage von Bavaria besucht, folglich auch unter "New Sport" gelistet.

Bei der Motorisierung kann man zwischen Schwarz und Grün wählen: Mer-Cruiser oder Volvo Penta. Als Basismotorisierung stehen zwei schwarze V8-Benziner im Motorraum, die gegen Aufgeld durch stärkere ersetzt werden können. Die Standardversion kostet 178 381 €. Mehr kostet die Ausstattung mit Dieselmotoren, da reicht die Skala von einem 370 PS starken Volvo Penta bis hin zu zweimal 300 PS von Volvo Penta oder zweimal 265-PS -MerCruiser. Und wer mittels Joystick das Boot in langsamer Fahrt in jedwede Richtung manövrieren möchte, muss bei MerCruiser oder Volvo Penta die Option "Aquamatic Joystick" ankreuzen.

Das kleinste Diesel-Doppelpaket besteht aus zwei D3-220 von Volvo Penta, die auch unserem Testboot auf dem Mittelmeer vor Barcelona als Antrieb dienen. Im Hafen lassen wir die beiden 220 PS starken Selbstzünder maximal 1000 U/min drehen und fahren mit 5 kn Geschwindigkeit Richtung See. Um die Wellen nicht auf störende Höhen ansteigen zu lassen, begrenzen wir die Fahrt am Hafenausgang auf maximal 6 kn und 1200 U/min.

Offshore legen wir dann beide Fahrhebel "auf den Tisch" und gehen mit der Sport 360 Coupé ab 2500 U/min oder ab 11 kn Fahrt von Verdränger- in Gleitfahrt über. Dabei steigt der Bug und behindert kurzfristig die Voraussicht, was auch an der Sitzposition des Fahrers liegt, die zukünftig erhöht werden soll. Beim Testboot halfen da nur die ausgefahrenen Trimmklappen. Einmal in Gleitfahrt, benimmt sich das Testboot sehr ordentlich und absolviert sämtliche Fahrmanöver, auch die extremen, ohne negative Überraschungen für Skipper und Crew.

Mangels Wellen fällt das sonst an dieser Stelle übliche Kapitel Rauwasser aus. Der gleiche Rumpf hat aber bei früheren Tests bereits bewiesen, dass er damit keine Probleme hat. Im GPS loggen sich 32 kn als Höchstgeschwindigkeit ein, während beide Motoren maximal 3800 U/min drehen, das sind 200 U/min weniger als der Hersteller erlaubt.

Für die Reichweiten  bedeutet das, am weitesten kommt man in langsamer Fahrt, und wirtschaftlich ist man in Gleitfahrt bei einem Tempo von 22 kn und 3400 U/min unterwegs. Dann reicht eine Tankfüllung theoretisch für 161 sm plus 15 % Reserve. Für ein Boot der CE-Kategorie B, zertifiziert für "küstenferne Gewässer", ist uns das jedoch zu wenig. Wir fordern wenigstens 200 sm plus Reserve für derartige Boote und Yachten.

Dass sich der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt etwas hinzieht und dann die Antriebe bis zu einem Tempo von rund 26 kn oder 3500 U/min ganz beigetrimmt bleiben müssen und erst danach etwas getrimmt werden können, ist in erster Linie den zu steilen Propellern am Testboot zuzurechnen. Aber auch die üppige Ausstattung ist nicht ganz unschuldig an diesem Verhalten.

Hardtop samt Fenster, Türen und nahezu Vollausstattung machen sich, von der sonstigen Zuladung wie Personen, Gepäck und Tankfüllungen einmal ganz abgesehen, eben auch auf der Waage und damit bei den Fahrleistungen, bemerkbar. Wer überwiegend in Seerevieren unterwegs ist, in denen man große Distanzen in Gleitfahrt bewältigt, sollte mit einem stärkeren Diesel-Doppelpaket liebäugeln.

In puncto Sicherheit ist der Bavaria 360 anzumerken, dass die Konstrukteure  viel Zeit auf Details, wie beispielsweise der neuen Handlaufanordnung, verwandt haben. Dass dagegen Wasseralarmsensoren in den Kraftstoffvorfiltern extra kosten und die 12-V-Sicherungen immer noch umständlich von der Unterflurkabine aus zugänglich sind, ist weniger gut gelungen. Dafür gibt es ansonsten wenig am Boot zu mäkeln. Passt soweit, wie die Ausstattung, wo das eine und andere nunmehr zur Serienausrüstung zählt.

FAZIT

Wie die Neugestaltung des Decklayouts beim Kunden ankommt, wird sich zeigen. Wir sagen, das passt – wie die Tatsache, dass Bavaria hinsichtlich der Qualität nochmals etwas zugelegt hat. Die sicheren und ausgewogenen Fahreigenschaften dieses Rumpfes stehen für uns außer Frage.

 

Werft                                   Bavaria/Deutschland

Typ                                      Sport 360 Coupé

CE-Kategorie                      B = außerhalb von Küstengewässern

Rumpf und Deck                 Kunststoff 

Länge über alles                 10,80 m

Breite                                   3,59 m

Gewicht                                ab 6951 kg

Tiefgang                               1,15 m

Durchfahrtshöhe                  3,36 m

Kraftstofftank                        520 l

Wassertank                          150 l

Kabinen                                2

Kojen                                    4

Mögliche Motorisierung        1 x 273 kW (370 PS)  bis 2 x 235 kW (640 PS) Diesel-/Ottomotoren mit Z-Antrieben

Testmotorisierung                2 x Volvo Penta D3-220 je 162 kW (220 PS)

Preis Testboot (Standard)   195  151 €

Peter Lässig am 21.06.2015