Pirelli 35 Pirelli 35

BootsCheck

Pirelli 35

Alexander Worms am 24.08.2021

Heißer Reifen: Der Formel-1-Reifenhersteller hat sich mit Tecnorib und dem innovativen Konstrukteur Ocke Mannerfelt zusammengetan. Resultat: Ein bemerkenswertes Spaßgerät

Bei gut 50 Knoten wird die Maas bei Roermond irgendwie schmal. Hier eine Fahrwassertonne, dort ein Stahlverdränger, weiter hinten das Ende der Schnellfahrstrecke mitsamt Wehr bei Linne. Mittendrin ein gut elf Meter langes Geschoss mit zwei ungestümen 300 PS starken Mercury-Verados am Heck. Da sind souveräne Fahreigenschaften gefragt. Etwas Gas weg, das Lenkrad voll eingeschlagen, und schon geht’s im Express um die Ecke und wieder retour. Dabei freut sich der Steuermann über den guten Seitenhalt, den die Sitze mit hochgeklappten Auflagen für den Allerwertesten immer noch bieten. Der Beifahrer greift ganz freiwillig nach einem der vielen Handgriffe an Bord. Die sind aus gutem Grund so zahlreich verbaut. Die Seitenkräfte in den Kurven sind enorm oder, wie weniger Zartbesaitete sagen würden, beeindruckend. Der Rumpf ist ein Sahne­stück. Punkt um.

Kein Wunder, denn dass er schnelle Rümpfe ersinnen kann, hat Konstrukteur Ocke Mannerfelt mehrfach bewiesen. Er war einer der Ersten, die mit Gleitstufen im Rumpf arbeiteten – diese Aussparungen, die quer zur Fahrtrichtung verlaufen, sollen Luft unter den Rumpf bringen und so noch mehr Speed in Gleitfahrt ermöglichen, bei gleichzeitig größerer Stabilität. Dass das funktioniert, beweisen nicht weniger als 23 Weltmeistertitel, die Designs von Mannerfelt in den verschiedenen Bootsrennklassen nach Hause bringen konnten. Auch die Pirelli 35 hat zwei dieser Gleitstufen. Die sorgen tatsächlich für Speed und stabilisieren den Rumpf scheinbar von selbst. Nicht mal beim Überfahren der Heckwelle anderer Boote von achtern kommt auch nur der Hauch eines Unsicherheitsgefühls auf. Ein Moment, in dem Gleitrümpfe oftmals etwas kippelig werden – nicht so die Pirelli 35.

Noch mehr Informationen? Den BootsCheck der Pirelli 35 finden Sie in BOOTE-Ausgabe 09/2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Und obwohl das Schiff ganz nach schnellem Herumheizen aussieht, benimmt es sich wie ein gediegener Gran Turismo. Ab etwa 3500 U/min liegt Gleitfahrt an. Rund 45 Kilometer in der Stunde stehen dann auf dem Tacho. Damit schafft die Pirelli 35 gut 200 Seemeilen, wenn 15 Prozent Reserve im 750-Liter-Tank bleiben. Am Fahrstand ist dann eine gepflegte Konversation möglich. Bestens windgeschützt hinter der großen Scheibe (mit Hardtop für ca. 16 000 Euro Aufpreis zu haben) empfängt das Ohr des Fahrers 78 dB/A. Das geht in Ordnung. Wenn es den Fahrer jedoch juckt, dann ist jederzeit noch ein üppiger Antritt möglich mit dem Saft aus den je acht Zylindern der Verados. Man spürt förmlich, wie sich die Props im Wasser verbeißen und den Rumpf vorantreiben. Einfach ein Riesenspaß. Danach geht es wieder zurück auf normale Gleitfahrt, und man braust ganz entspannt dahin. Am Testtag stehen nur einige kleine Wellen anderer Boote zur Verfügung. Was die Maas hier zu bieten hat, steckt die Pirelli völlig klaglos weg. Kein Schlagen, kein Knarzen. Im Gegenteil: Die Struktur fühlt sich außergewöhnlich steif an. Arie Drenth, mit seiner Firma Best Boats in Roermond exklusiver Händler für Deutschland und BeNeLux, bringt es auf den Punkt: "Man hat den Eindruck, als ob sie noch einen Motor mehr vertragen könnte." Stimmt. Und das angesichts auch so schon sehr ansprechender Fahrleistungen.

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Alexander Worms am 24.08.2021
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