Broom 370 Broom 370
Bootstests

Broom 370

Raif Marquard am 31.01.2015

Broom 370: Ein grundsätzlich überarbeiteter Innenraum sorgt für frischen Wind. Wir testeten das englische Boot auf dem Markermeer vor Lelystad.

Fotostrecke: Broom 370

Broom 370

Broom 370

In wirtschaftlich guten Zeiten hat in der Regel jede Werft seine Fangemeinde, die regelmäßig neue Boote bestellt. Wird es auf dem Weltmarkt jedoch unruhiger, wie das seit 2008 der Fall ist, sitzt das Geld nicht mehr so locker, und der Wettbewerb wird härter. In solchen Zeiten müssen dann nicht nur die Preise und die Fahreigenschaften passen, sondern auch der Wohlfühlcharakter und das Design. Punkte, die besonders Umsteiger und jüngere Generationen beachten. Um auf dem Markt besser bestehen zu können, hat sich Broom, die sonst eher sehr konservative Boote bauen,  daher auf ein frisches Design eingelassen. Unser Testboot, die Broom 370, ist eine der ersten Modelle, die diesem Trend folgt.

Sie hat von außen noch ihren typischen Broom-Charakter, doch spätestens wenn man den Innenraum betritt, zeigt sich ein modernes, zeitgemäßes Design. Dieses erstreckt sich von der Bugkabine für Gäste über den Salon bis zur Eignerkabine im Heck. Besonders raffiniert in letzterer sind die Panoramafenster in der Heckwand, die einen wunderbaren Blick nach draußen bieten. Für den Wohnkomfort sorgen indirekte Beleuchtung, viele Spiegel, ein Fernseher, reichlich Stauraum und die eigene Nasszelle.

Bei so viel Annehmlichkeiten ist es dagegen unverständ-lich, dass die Werft an einfachen Dingen, wie der Polsterunterlüftung, spart. Gleiches Problem findet man in der Bugkabine, die eine Nummer einfacher ausfällt als die Achterkabine. Die dazugehörige Nasszelle ist davor installiert und dient außerdem als Tagestoilette. Ihr gegenüber brachte der Konstrukteur die Pantry unter, die über eine Treppe mit dem höher liegenden hellen Salon verbunden ist. Dort oben dinniert, klönt, relaxt oder liest die Crew an einem bequemen U-Sofa, Hocker und praktisch aufgeteilten Klapptisch. Zahlreiche Deckenluks und Schiebefenster garantieren einen guten "Durchzug".

Dass Broom mit seegängigen Booten Erfahrung hat, erkennt man schon an dem Längshandlauf, der durch den gesamten Salon führt, und Haltegriffen an den Niedergängen, die bei Rauwasserfahrt die nötige Sicherheit geben. Auch an Deck geht es mit rutschfesten Bodenstrukturen, breiten Seitendecks und solider Reling sicher zu. Absolut vorbildlich sind die Lenzanlage mit drei elektrischen Pumpen und einer manuellen sowie die Feuerlöscheinrichtung mit Löschanlage im Motorraum und drei Handlöschern.

Gibt es einmal Ärger mit der Lenkung: auch kein Problem! Eine Notpinne und den Zugang zur Ruderanlage mit Vierkantkopf (für die Pinne) findet man unter der Eignerkoje. Das normale Ruder sitzt an einem übersichtlich angeordneten Fahrstand im Cockpit. Dazu gehören die uneingeschränkt ablesbaren Instrumente, griffgünstige Wippschalter und leichtgängige Doppel-Einhebelschaltung (elektronisch von Volvo Penta). Als Sitz dient eine gut gepolsterte Doppelsitzbank, deren Lehne sich nach vorn klappen lässt und die Bank damit zum Cockpitsofa wandelt. Von dort oben hat der Fahrer einen einwandfreien Rundumblick, was auf Grund der großen Folienfenster auch bei aufgebautem Verdeck gilt.

Solch eine gute Sicht ist bei Anlegemanövern genauso wichtig, wie die Wendigkeit eines Bootes, die unsere Test-Broom auf Grund des Bugstrahlruders (Extra) und der Doppelmotorenanlage auch perfekt beherrscht.
Drehen beide Motoren 1250 U/min (7 kn), schiebt sich der Rumpf ohne große Wellenbildung kursstabil durchs Wasser. Darüber hinaus hebt sich der Bug bis etwa 3000 U/min – der kleinen Gleitfahrt (18 kn) – immer weiter an.

Wer diese Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt beschleunigen will, muss die Trimmklappen einsetzten und begrenzt das Buganheben ab etwa 2500 U/min und hat selbstverständlich bessere Sicht als ohne den Einsatz der Klappen. Bei Vollgas empfiehlt es sich, die Klappen wieder hochzufahren, damit die Broom dann "leichtfüßiger" läuft.

Geht es um die Wirtschaftlichkeit und Marschgeschwindigkeit, kristallisiert sich 3250 U/min mit 22,5 kn und einem Verbrauch von 4,17 l/sm als gute Drehzahl heraus. Bei Vollgas mit 24,5 kn verbrauchen die beiden D4 mit 4,24 l/sm jedoch nur unwesentlich mehr. Die von uns geforderten 270 sm für schnelle Motoryachten erreichen wir aber bei beiden Drehzahlen (209 sm mit 3250 U/min und 206 sm mit 3400 U/min) bei weitem nicht. Erst in Verdrängerfahrt  mit etwa 8 kn liegt die Fahrstrecke mit einer Tankladung plus 15 % Reserve über 500 sm.

Schnelle Kreisel lassen sich mit Radien von etwa drei Bootslängen weich drehen. Der Propeller bleibt immer kraftschlüssig, was zusammen mit der leichtgängigen Lenkung das Herausfahren aus dem Kreisverkehr zum Kinderspiel macht. Geht es auf die Slalompiste, schaukelt die Broom kontrolliert und sicher hin und her.

Wer den Motorraum inspizieren will, sprich Ölstand und Seewasserfilter kontrollieren möchte, muss den Teppichboden im Salon anheben und die darunter liegenden Luken öffnen. Müssen größere Arbeiten ausgeführt werden, lassen sich noch weitere Bodenplatten anheben, um an alle Motorecken zu gelangen. Besonders positiv fallen die Feuerlöschanlage, eine bemerkenswerte Schallisolierung und die Wasserkästen an den seitlichen Ansaugöffnungen, die die beiden Diesel bestens mit frischer Luft versorgen, auf.

Hätten die beiden Spritfilter noch einen elektrischen Alarm, wäre die Kraftstoffanlage auch perfekt. Leitungen und Schläuche verlegt die Werft fest und sauber in Kabelkanälen und Schellen. Ebenfalls Lob bekommen die manuellen Notschalter, mit denen man die Relais der normalen Hauptschaltereinheit bei Bedarf überbrücken kann.

Schaut man die Innenseiten von Motorraum und Hohlräumen genau an, findet der Betrachter sauber gestrichene Oberflächen und die Ausschnitte sind sorgfältig entgratet und versiegelt. Gleiches Lob verdienen Polsterer und Möbelbauer. Die Klampen und Reling sind solide.

Fazit: Die Broom 370 ist ein sauber verarbeitetes Boot mit guten Fahreigenschaften und einer kompletten Sicherheitsausrüstung. Ihr Design hat sich im Innenraum grundlegend modernisiert, was uns positiv anspricht.  

Datenblatt: Broom

Werft: Broom
Typbezeichnung: Broom
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 11,46 m
Breite (m): 3,78 m
Verdrängung (kg): 8,00 t
Preis: 434.899,00 €
Raif Marquard am 31.01.2015