Cobalt R3 Cobalt R3

Cobalt R3: Bootstest

Cobalt R3: Bowrider made in America

Sebastian Gollasch am 08.12.2015

Mit der R3 präsentiert die US-Bootsschmiede das bislang kleinste Modell der R-Serie. Eleganz ist garantiert. Für die Power sorgen ausschließlich V8er-Benziner

Die Cobalt-Werft aus dem US-Bundesstaat Kansas bietet insgesamt 25 unterschiedliche Modelle in rund sechs Kategorien vom Zugboot bis hin zum Kajütboot an. Unser Testboot, die R3, findet man in der Rubrik Bowrider (BR) als Einstiegsvariante. Zertifiziert wurde die Cobalt für eine Crew von bis zu zehn Personen, entsprechend hoch ist die Zuladung mit 816 kg bemessen. Das Eigengewicht (trocken) des Bowriders gibt die Werft mit 2018 kg an. Somit braucht man für den Überlandtransport einen 3000-kg-Trailer mit entsprechendem Zugfahrzeug sowie eine Sondergenehmigung für die 2,59 m Breite. Auf dem Wasser kann man mit der R3 auf küstennahen Gewässern (CE-Kategorie C)unterwegs sein.

Beim Rumpf und im Cockpit beherrschen klare Linien und modernes Design die Formgebung. Der Fahrstand ist übersichtlich mit hauseigenen Instrumenten und Bedienpaneelen bestückt. Durch den dunklen Instrumententräger halten sich die Spiegelungen in der aus Sicherheitsglas gefertigten Windschutzscheibe, die ohne Tönung auskommt, auf einem geringen und damit nicht störenden Level. Bei den Polstern der zahlreichen Sitz- und Liegemöglichkeiten im Bug und Heck zeigt sich die Erfahrung der Bootsbauer: Weder zu hart noch zu weich ist der Schaumstoff, außerdem besitzen die "Möbel" eine angenehme Sitzhöhe und -tiefe. Mit Hilfe von Polstereinsätzen (Sonderausstattung) lässt sich aus dem Bug eine geschlossene Polsterfläche zum Liegen und Sonnenbaden herrichten. Die Polsterarbeiten sind durchgehend gut gemacht, alle Ziernähte sind gerade und geben dem Boot einen wertigen Eindruck. Stauraum gibt es an Bord der R3 reichlich. Im Bug kann man die Rückenlehnen der Liegeplätze hochklappen. Gehaltert werden die "Deckel" beim Stauen durch je einen Gasdruckdämpfer. Weitere Möglichkeiten zur Ausrüstungsunterbringung gibt es unter der Hecksitzbank und dem Cockpitboden. Eine Eiskühlbox für Getränke und Lebensmittel befindet sich unter der Beifahrersitzbank.


Als Motorisierung stehen ausschließlich V8-Benziner der Hersteller Mercury und Volvo Penta als Einzelinstallation auf der Liste. Der Skipper hat die Wahl zwischen 300-PS- und 430-PS-Motoren. Unser Testboot besitzt den 300 PS starken Mercury 350 MAG mit einem Bravo Three Z-Antrieb. Die Kombination aus Motor, Antrieb und Propeller bringt die R3 gut zwischen 1600 U/min und 2800 U/min von Verdränger- in Gleitfahrt. Dabei wird die Voraussicht, sofern der Skipper den Antrieb vorher ganz an den Spiegel getrimmt hat, nur kurzzeitig vom  ansteigenden Bug verdeckt. Oberhalb von 3000 U/min, was gleichzeitig der wirtschaftlichsten Fahrt entspricht, bringt man die Cobalt mittels des Power-Trimms in die optimale Trimmlage, wodurch der Rumpf sanfter, sparsamer und leiser über das Wasser gleitet. Bei der Reichweite stehen 126 sm im wirtschaftlichen Bereich (3000 U/min mit 23 kn) auf dem Zettel, bis es an die 15 % Reserve geht. Damit erreicht der 189 l fassende Kraftstofftank in Verbindung mit dem 350 MAG hinsichtlich der Reichweite nur ein befriedigend auf der BOOTE-Wertungsliste. Bei der von uns erreichten Höchstgeschwindigkeit um die 43 kn schrumpft die One-Way-Stecke auf 75 sm, bevor es ans Auftanken geht.

Für den Rauwassertest der R3 standen uns nur die Wellen der Berufsschifffahrt auf dem Main, Höhe Schweinfurt, zur Verfügung. Der Rumpf überfährt bei schneller Gleitfahrt die Wellen weich und ohne viel Spritzwasser zu erzeugen, so bleibt die Crew trocken. Bei schnell gefahrenen Kurven und Wenden gehört der Antrieb ganz an den Spiegel (down) getrimmt, damit die Propeller des Bravo-Three-Antriebs nicht anfangen zu ventilieren. In dieser Einstellung dreht die R3 sicher und mit mittleren Fliehkräften die immer enger werdenden Kreise, bis der Skipper die Lenkung wieder "aufmacht" und der Rumpf in die Geradeausfahrt wechselt. Dem Slalomkurs, oder auch beim Verreißen des Steuers, folgt die Cobalt dem Lenkbefehl weich und ohne zu haken oder nachzuschaukeln.

Der Bowrider beherrscht auch die kleinen Geschwindigkeiten: In langsamer Verdrängerfahrt (Hafengeschwindigkeit) neigt der Rumpf zum leichten Gieren, ein Eingreifen des Skippers ist in den meisten Fällen jedoch nicht notwendig. Bei den Manövriereigenschaften überzeugt die R3 mit vorwärts eingelegter Schaltung durch Kreise mit 1 ½ Bootslängen im Durchmesser. Rückwärts verkleinern sich die Wendekreise auf eine Bootslänge zu beiden Seiten. 

Hinsichtlich der Verarbeitung des Gelcoats konnten wir keine Fehler finden. Im Motorraum, sowie im restlichen Boot, sind alle Installationen ordentlich ausgeführt. Ein selbstlenzender Ankerkasten, Kompass und Echolot gehören ebenso zur serienmäßigen Ausstattung wie eine Musikanlage mit iPod-/USB-/MP3-Schnittstelle und eine Heckdusche. Im Grundpreis nicht enthalten sind neben jeder Menge "Goodies" (LED-Innen-, Unterwasserbeleuchtung und elektrischer Motordeckel) auch jegliche Art der Abdeckmöglichkeit, so muss man für Hafen-, Bug- und Cockpitpersenning nochmals Geld in die Hand nehmen. 

Fazit
Die Cobalt R3 ist ein modernes Sportboot. Bei der handwerklichen Ausführung gibt es kaum etwas zu beanstanden. Wer häufig Wasserskiläufer zieht, oder größere Crews mit an Bord nimmt, sollte einen stärkeren Motor wählen. Die Fahreigenschaften der R3 sind positiv.

Datenblatt: Cobalt R3

Werft: Cobalt/USA
Typbezeichnung: Cobalt R3
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 7,26 m
Breite (m): 2,59 m
Verdrängung (kg): 2,02 t
Preis: 97.860,00 €
Sebastian Gollasch am 08.12.2015