Espevaer 28 Espevaer 28
Bootstests

Espevaer 28

Ralf Marquard am 13.10.2014

Die Espevaer 28 ist ein gemütliches Stahlboot fürs Wasserwandern zu zweit, das wir auf den Gewässern rund um Grou auf Herz und Nieren geprüft haben.

Espevaer 28

Espevaer 28

Fotostrecke: Espevaer 28

Espevaer gehört nicht zu den bekanntesten Namen, wenn es um niederländischen Stahlbootbau geht. Gefertigt und verkauft wird sie in der Region Friesland. – Wir fuhren unser Testboot auf den Gewässern rund um Grou, wo auch der Händler Wassersport Goos seinen Firmensitz hat. Klaas Goos "kümmert sich" mit drei anderen Bootsfachleuten um Espevaer; neben "unserer" 28 bieten sie 

noch eine Espevaer 32 und zwei Sloepen an. Unser Testboot hat eine klassische Aufteilung für zwei, die gemütlich reisen möchten. Dazu gehören eine Sitz-LiegeKombination im Bug, Nasszelle, Pantry Fahrstand mit Sitzecke und eine Plicht. Mit der CE-Kategorie C ist das Boot für Kanäle, Flüsse Seen und küstennahe Gewässer geeignet. – Seine Verarbeitung (Schweißnähte, Lackierung oder Einbauten) überzeugt auf ganzer Linie. 

Fahren und Manövrieren

Dass solch ein solides Stahlboot mit einem Diesel ausgerüstet ist, versteht sich fast von selbst. Standardmäßig sitzt ein 39-PS-Yanmar im Motorraum, wir fuhren jedoch mit dem 54 PS starken und 5500 Euro teureren 4JH4E, der die 28 mit maximal 7,5 kn durchs Wasser pflügen lässt. Da dieser Wert über der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit liegt, wirft die Espevaer eine kräftige Welle, die bei einem Tempo um 2000/min (knapp 6 kn) deutlich flacher wird. In dieser Situation reicht der Standard-Tankinhalt (160 l) für mehr als die von uns geforderten 200 sm plus 15 % Reserve. Unser Testboot war sogar mit der doppelten Spritmenge ausgerüstet und wird damit zum absoluten Dauerläufer.

Dabei kommt auch keine Hektik am Fahrstand auf, denn der Rumpf läuft spurtreu  geradeaus. Wenn sich zwei Personen von der einen zur anderen Seite begeben, macht er einen kleinen Schlenker in Richtung Gewichtsverlagerung. Nach einer Kurve zeigt sich die Ruderlagenanzeige auf unserem Testboot besonders nützlich. Mit ihr lässt sich ruck, zuck der Geradeauskurs wiederfinden. In schnellen Kurven legt sich die Espevaer nur wenig auf die Kurvenaußenseite, zieht fast aufrecht ihre Runden und schwingt dabei locker in die eigene Welle ein. Besonders leichtgängig zeigt sich die Steuerung. Beim langsamen Manövrieren verhält sich die 28 mit großen Wendekreisen rückwärts eingekuppelt und trägem Umsteuerverhalten typisch für ein Boot mit Wellenantrieb. –Rauwasser gab es nicht, daher für diesen Punkt auch kein Urteil.

Die Lautstärke ist bei Marschfahrt zwar vom Pegel gut, doch macht sich besonders kurz unterhalb von 2000/min ein schwingendes Geräusch aus dem Auspuff bemerkbar, das auf Dauer stört. Das gilt sowohl im Cockpit als auch am Fahrstand. An Letzterem stellt sich der Skipper am besten hin, um uneingeschränkte Handlungsmöglichkeiten zu haben; denn wer sich auf den frei stehenden Hocker begibt, stößt schnell mit den Knien ans Steuerrad. Die Einhebelschaltung und das Bugstrahlruder bedient man von allen Fahrpositionen aus problemlos.

Was stört, sind die breiten Dachstreben, die den Gardinen zusätzlich Raum geben und damit die Sicht nach vorn behindern. Zwei ausreichend große Scheibenwischer sorgen bei Regenfahrt für den nötigen Durchblick. Auf die Instrumente hat der Fahrer einen fast spiegelfreien Blick. Kritik bekommen die Navigationsinstrumente, da nicht im Standardumfang enthalten. Die elektrischen Verbraucher bedient man über ein Schalter-Sicherungspaneel an der Fahrstandseite beim Durchgang nach vorn.

Motor, Tank, Elektrik

"Klappe auf" heißt es, um an den Motor zu gelangen, der kompakt eingebettet unter dem Cockpitboden steht. Keilriemenwechsel und Impellertausch sind aufgrund der Nähe zur Schottwand nur umständlich möglich; an den Rest kommt man passabel ran. Besonders einfach: das Reinigen des Wassersfilters in der Backskiste. Die Leitungen sind im Motorraum ordentlich auf Kabelbühnen angestrapst und unter dem Fahrstand fachmännisch zugentlastet. Vorbildlich: die Installation einer Filterpatrone mit Schauglas und Ablasshahn sowie der standardmäßige Absperrhahn und die Schlauchbefestigung mit zwei Schraubschellen. Bordnetz  und Starterbatterie stehen sicher im Stahlrahmen mit stabilen Haltegurten plus Bugstrahlruder-Akku. Die Hauptschalter sitzen griffgünstig ebenfalls in der Backskiste.

Sicherheit

Es gibt nicht nur eine Notpinne, um bei Problemen mit der Steuerung weiter agieren zu können, sondern auch Einhebelschaltung und Bugstrahlruder-Bedienpaneel, die das Cockpit zum zweiten Fahrstand machen. Stehende Skipper haben einen guten Blick nach vorn, müssen die Pinnen jedoch zum Bedienen zwischen die Beine klemmen. Wer beim Fahren sitzen will, muss zur Seite rutschen, um an der Kabine vorbeizuschauen.

Der sichere Weg ins Cockpit führt von vorn über die Seitendecks mit Abrutschkante, Reling, Handmulden in den Dachüberständen und Handläufen auf dem Kabinendach auf die Backskisten. In der Heckreling ist ein Zugang ausgeschnitten, über den man am Heck angeschweißte Badeleiterstufen erreicht. Eine weitere Stufe, die passablen Aus- und Einstieg aus dem Wasser garantiert, sitzt unter Wasser direkt am Ruder. Zur Sicherheitsausrüstung gehören Handlenz- und elektrische Pumpe und das nach außenbords lenzende Cockpit. Der Feuerlöscher genügt unserem BOOTE-Standard.

Wohnen und Ausrüstung

Auf den Cockpit-Sitzbänken gab es keine  Polsterauflagen (Eignerwunsch); der Tisch ist ein frei stehendes Exemplar. Ins Fahrerhaus mit längs zur Fahrtrichtung eingebauter Beifahrerbank gelangt man über eine doppelte Flügeltür; unter der Bank befindet sich ein riesiger Stauraum. Eine Etage tiefer sind Pantry, Sitzecke und die Nasszelle eingebaut. Letztere lässt sich nur vom Führerhaus betreten, da die WC-Tür nach vorn schlägt, an der Pantry "hängen bleibt" und den Durchgang versperrt. Ausgerüstet ist die Nasszelle mit Pump-WC (elektrisch), Niro-Waschbecken und genügend Stauraum. Es fehlt der Räumlichkeit Stehhöhe und – eine Dusche.

Die Pantry ist praktisch ausgerüstet und lässt sich passabel nutzen. Serviert wird das Essen auf einem Holztisch mit Abrutschkante an der Sitzecke im Bug. Zum "Hinlümmeln" bieten sich die Plätze ganz vorn an, da dort die Sitztiefe am größten ist. Die Polster haben eine gute Festigkeit, mit drei Mittelpostern entsteht eine gemütliche Doppelkoje (ohne Unterlüftung). – Von außen macht die Espevaer 28 einen "schiffigen Eindruck", was nicht zuletzt am serienmäßigen Mast liegt. Poller zum Festmachen und die dicke Wieling tun ein Übriges. Fürs Ankern gibt es einen "Bruce" mit Bughalterung.  

DIE WERFT SAGT...

Espevaer-Boote werden von einem erfahrenen Team entwickelt und lassen sich auf die Bedürfnisse des Kunden anpassen. Die 28 ist für Binnen- und Küstenbereiche geeignet und bietet ein attraktives Interieur sowie hervorragende Fahreigenschaften.

WIR SAGEN...

Bei den Fahreigenschaften und dem Einsatzgebiet stimmen wir der Werft zu. Das Interieur unseres Testbootes war sehr klassisch ausgeführt. Einige Detaillösungen, wie der Nasszelleneingang, haben uns nicht überzeugt. Die Sicherheitsausrüstung und die Verarbeitung des Testbootes bekommen aber auf jeden Fall ein Lob.

Datenblatt: Espevaer 28

Werft: Espevaer Jachtbouw
Typbezeichnung: Espevaer 28
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Stahl
Länge (m): 8,40 m
Breite (m): 3,10 m
Verdrängung (kg): 6,40 t
Preis: 125.000,00 €
Ralf Marquard am 13.10.2014