Nimbus 365 Coupé Nimbus 365 Coupé

Fahrbericht: Nimbus 365 Coupé

Frischzellenkur

Ralf Marquard am 30.09.2018

Die Neuauflage glänzt mit vielen sinnvollen Verbesserungen wie mehr Stauraum und reichlichen Belüftungsmöglichkeiten

Für Boote gilt das Gleiche wie in der Autobranche: Erfolgsmodelle dürfen die Hersteller meist nicht zu stark verändern; andererseits erwarten die Kunden natürlich regelmäßige Neuerungen. Bei der Neuauflage der Nimbus 365 Coupé hat die Werft das folgendermaßen gelöst:

Das typische Coupé-Aussehen bleibt durch das aktuelle „Side Walk Design“, das bereits die Coupé 305 und 405 tragen, erhalten. Geändert wurden die Schiebedächer (dop­pelte Ausführung), die zusammen mit den größeren Seitenscheiben mehr Tageslicht in den Salon bringen

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Weitere Pluspunkte: mehr Stauraum in der Pantry und in den Kabinen, solidere Scheuerleiste, verlänger­tes Hardtop und vergrößerte Lüftungskanäle in den D-Säulen und am Achterschiff (für den Motorraum). Die überarbeitete Seitentür und der neu geformte Bugkorb bieten mehr Funktionalität und Sicherheit.

Was gibt es zum Thema Leben an Bord zu sagen? Die Nimbus verfügt über vier plus zwei Kojen. Das heißt im Einzelnen: eine klassische Doppelkoje (1,70 x 2,03 m) in der Bugkabine, eine Zweierkoje (1,40 x 2,27 m) in der Unterflurkabine und eine Salonsitzecke, die zu einer Koje mit den Abmessungen 1,12 x 2,09 m umgebaut werden kann. Die Festigkeit der Polster ist gut, in den Kabinen sind sie unterlüftet.

Die beiden „Schlafzimmer" bieten reichlich Stauraum und Stehhöhen zwischen 1,81 m und 1,83 m, wobei die Höhe direkt über der Koje in der Mittelkabine gut 1 m beträgt. Für die gesamte Besatzung steht eine passend aufgeteilte Nass­zelle zur Ver­fügung, die jeweils über eine Tür vom Flur und der Eignerkabine aus zugänglich ist.

Kleines Manko: Hinter der Toilette hängt ein Schränkchen, das die Rückenfreiheit einschränkt

Gekocht wird im Salon. Hier steht ein gut aufgeteilter Pantryblock, der auf unserem Testboot mit elektrischen Kochfel­dern und einem Backofen-Mikrowelle-Kombigerät ausgerüstet war (Standard­ausstattung: Gaskocher und Backofen). Den Kühl­schrank hat der Konstrukteur in einem Schränkchen unter dem gut gepolsterten Fahrersitz untergebracht.

Im Sitzen hat der Skipper gute Sicht nach vorn und zu den Seiten, achtern liegen bauartbedingt teilweise die Ecksäulen im Blickfeld. Wer sich hinstellen möchte, muss das Sonnenschiebedach öffnen und ein Brett im Fußraum herunterklappen. Auf dieser Stufe stehend, blickt man durch die Luke über das Kajütdach hinweg, und der Wind bläst einem um die Nase.

Das Ruder kann der Skipper stehend wie auch sitzend uneingeschränkt bedienen, die doppelte Einhebelschaltung arbeitet leicht und exakt. Sie steuert zwei Volvo-Penta-Diesel mit je 300 PS an – die von Nimbus empfohlene Maximalmotorisierung. Einmotorige Varianten sind ebenfalls erhältlich, was den Preis beispielsweise mit dem für das Boot meistverkauften Volvo Penta D6-435 um 26 000 Euro verringert. Für unsere Doppelmotorisierung spricht natürlich der Leistungsvorteil, und wenn ein Motor ausfällt, lässt sich mit der zweiten Maschine noch der rettende Hafen anlaufen.

Mit einem Motor haben wir als Marschfahrt gut 7 kn bei 1600 U/min angepeilt, als Reichweite errechnen sich dann etwa 400 sm plus 15 % Reserve

Das gleiche Tempo erzielt man mit beiden Motoren, wenn diese um 1000 U/min drehen; dann liegt der Verbrauch bei 0,87 l/sm und die  theoretische Reichweite bei 685 sm. Wer dagegen schnell Strecke machen möchte, kann die Motoren zwischen 2300 und 3000 U/min drehen lassen, denn der Verbrauch liegt in diesem Drehzahlband nur um Nuancen auseinander; das wiederum bedeutet, dass zwischen gut 17 und 26 kn knapp 3 l/sm durch die Einspritz­düsen injiziert werden und eine zur Bootskategorie passende Reichweite von 200 sm möglich ist. Strecken wie die von Neustadt in Holstein nach Bornholm lassen sich damit ohne Bedenken planen.

Das Kabbelwasser bei etwa 3 Windstärken auf der Ostsee plus die Hecksee der Küstenwache durchfährt die Nimbus mit etwa 25 kn kursstabil und trocken. In schnell gefahrenen Kurven legt sich der Rumpf nicht übermäßig auf die Seite und zieht, ohne zu mucken, seine recht großen Kreise. Um diese noch etwas zu verkleinern, nimmt man den Gashebel des innen liegenden Motors zurück. Zurück in der Ancora Marina, legen wir dank der beiden Motoren und des Bug- sowie Heckstrahlruders (Extra) zielgenau an.

Auch vom Sei­tendeck aus lässt sich das problemlos erledigen, indem man den installierten "Yacht Controller" per Fernbedienung ansteuert

Die beiden Motoren sind sowohl über eine Klappe im Cockpitboden als auch durch zusätzliche Öffnungen in den Backs­kisten erreichbar. Die Betriebs­sicherheit gewährleisten Dieselfilter, die jedoch nicht mit einem Alarm ausgerüstet sind. Verpresste Spritleitungsanschlüsse sind ebenso ein Hinweis auf ordentlich ausgeführte Installationen wie die sauber befestigten und gebündelten Leitungen.

Zur Sicherheitsausrüstung gehören die Feuerlöschanlage im Motorraum sowie eine elek­trische und eine manuelle Lenzpumpe. Bewegungssicherheit geben rutschfeste Bodenstrukturen mit Stabdeck und eine Vielzahl an Griffen und Handläufen.

Dieser Test erschien in BOOTE-Ausgabe 10/2017

Titel 10/2017

Titel 10/2017

Ralf Marquard am 30.09.2018