Palm Beach PB 50 Fly Palm Beach PB 50 Fly

Fahrbericht: Palm Beach PB 50 Fly

Edler Retrokreuzer

Dieter Wanke am 30.01.2020

Die Palm Beach PB 50 Fly ist eine Luxusyacht mit klassischen Linien auf exzellentem Qualitätsniveau.

Die 1995 von Mark Richards im australischen Palm Beach gegründete gleichnamige Edelwerft dürften hierzulande nur wenige Enthusiasten kennen. Ziel des bekannten Seglers, der mehrfach die Sydney-Hobart-Regatta und auch eine Admirals-Cup-Wettfahrt für Australien gewann, war der Bau von möglichst perfekten Fahrtenyachten höchster Qualität.

Im April 2014 verkaufte Richards sein Unternehmen an Grand Banks, eine Marke mit gleichen Ansprüchen, und wurde CEO der neuen Werftengruppe. Gebaut wird weiterhin im australischen Werk in Berkeley Vale, rund 100 Kilometer nördlich von Sydney, allerdings führte die geringe Kapazität von nur fünf Yachten im Jahr dazu, dass nun zusätzlich im komplett überholten Werk von Grand Banks in Malaysia gefertigt wird, wo man immerhin 30 Einheiten im Jahr bauen kann.

Händler gibt es nicht, sondern nur ein kleines Netz direkter Repräsentanten. Für deutsche Kunden sind Albert Gerritsma und Gert van Barneveld von MariTeam Yachting im niederländischen Leeuwarden die Ansprechpartner.

Palm Beach hat aktuell sieben Modelle zwischen 42 und 65 Fuß im Programm. Die gefahrene PB 50 Fly der 2. Generation wird seit 2017 angeboten. Bei der Werfterneuerung wurde das Modell in erheblichem Maß an die verbesserten Produktionsmethoden angepasst.

Unsere Testkandidatin ist die dritte so gebaute Yacht ihres Typs. Gefertigt wird in Handarbeit, nun aber bei allen GFK-Teilen ausschließlich im Vakuumverfahren. Die beiden Glasgewebeschalen des Kompositrumpfes werden bei dem Prozess durch einen dazwischen platzierten geschlossenzelligen Schaum verbunden.

Fotostrecke: Palm Beach PB 50 Fly

Beim Deck und den Aufbauten kommen nur Kohlefasern zum Einsatz, um Gewicht zu sparen. Polyesterharz sucht man in der neuen Produktion vergeblich. Es wird ausschließlich mit Vinylesterharz laminiert. Das basiert auf Epoxidmolekülen und ist kaum anfällig für Osmose. Auch beim hölzernen Innenausbau gibt es eine Besonderheit.

Der Kern der Möblierung besteht ebenfalls aus GFK, auf das dann beidseitig Holztafeln auflaminiert werden. Sichtbar ist das nicht, es verhindert allerdings dauerhaft auch bei Feuchtigkeit jeden Verzug und das Arbeiten der Hölzer. Knarzen oder Knacken der Innenausstattung wird damit verhindert.

Konzipiert ist die PB 50 Fly für ein erfahrenes Eignerpaar, das den aufwendigen Aufbau der Yacht sowie den Komfort an Bord schätzt und bezahlen will, denn rund zwei Millionen Euro sind kein Schnäppchenpreis.

Entsprechend ist das Konzept, denn neben der Eignerkabine im Bug gibt es nur noch eine kleine Kabine für Gäste. Das ist nicht viel für eine 50-Fuß-Yacht. Zumal der Raum eher für eine Person ausgelegt ist. Zwar lässt sich die zweite Koje leicht aus der Einzelkoje herausziehen, dann ist aber alles mit der 2 m langen und 1,46 m breiten Liegefläche gefüllt.

Das sehr geräumige Bad mit abgetrennter Duschkabine muss sich die Crew teilen. Die Sorgfalt und Präzision, mit der die Werft arbeitet, ist bei genauerem Betrachten schnell auszumachen. Solide Scharniere halten alle Türen und Klappen spielfrei in Position. Nichts klemmt oder wackelt.

Alle Türen haben auch im offenen Zustand eine Arretierung und alle Klappen sind mit einem weichen Kunststoffpuffer versehen, der ein hartes Anschlagen an andere Teile verhindert. Gleiches gilt für den Salon mit seiner Sitzecke und Einbauküche oder für das Cockpit. Praktisch ist ein Fenster nach hinten in der Pantry, das nach oben geklappt werden kann und dann im Cockpit einen offenen Barbereich entstehen lässt.

Die überaus umfangreiche Serienausstattung mit Kühlschrank und Gefrierschrank, Mikrowelle, Generator, Klimaanlage, Anker samt Kette und fernbedienbarer Winde, komplettem Teakboden, auch auf der Badeplattform, Persenning für die Sitzmöbel und vielen anderen Features lässt kaum Wünsche offen.

Außer dem Steuerstand im Salon gibt es einen weiteren Kommandostand auf der Flybridge, der durch eine Sitzgruppe mit Tisch ergänzt wird. Statt der Serienmotorisierung im Testboot mit zwei Volvo Penta IPS 600 können optional D6 mit Wellenantrieben eingebaut werden. Auch Motoren anderer Hersteller sind wählbar.

Da es sich bei dem Rumpf um einen sogenannten warped semi-displacement mit steiler V-Form im Bug und flacher Aufkimmung von nur sechs Grad im Heck handelt, gibt es keinen Übergang in eine Gleitphase. Beim Beschleunigen bleibt die Nase unten und nach 19 s ist die Spitzengeschwindigkeit von 30 kn erreicht.

Das Eintauchen in Wellen geht überaus weich und komfortabel vonstatten. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 20 kn liegen 2570 Umdrehungen an, wobei stündlich 73 l Diesel aus dem 1700-l-Tank fließen. Die damit erzielbare Reichweite von fast 400 sm mit 15 % Reserve kann sich sehen lassen. Wer sich mit 8 kn bei leisen 64 dB(A) mit 1200 Touren begnügt, kommt stündlich mit 7,9 l aus und kann fast 1500 sm überbrücken. Das reicht von Athen bis Gibraltar ohne Tankstopp, was dank CE-Kategorie A mit entsprechender Hochseetauglichkeit sogar praktisch realisiert werden kann.

Makellos zeigte sich die Yacht auch beim Fahrverhalten. Langsame Vollkreise gelangen mit 1,5 Bootslängen Durchmesser und schnelles Umsteuern war auch kein Thema, wobei hier wohl jeder auf den Joystick des IPS-Systems setzt.

Am Geradeauslauf gab es in beide Richtungen nichts auszusetzen. IPS-typisch dann auch die etwas größeren Kurvenradien bei höheren Geschwindigkeiten, die bei fünf Bootslängen Durchmesser lagen. Die Luxusyacht ist klar für Tourenfahrten mit kleiner Crew bei höchstem Komfort ausgelegt und erfüllt auch sicherheitstechnisch alle Anforderungen.

FAZIT

Die Palm Beach PB 50 Fly gehört zu den Spitzenprodukten im Yachtbau. Die haben allerdings alle einen stattlichen Preis. Dafür bekommt der Eigner dann eine Yacht mit vollständiger Ausstattung auf höchstem Qualitätsniveau bei makellosen Fahreigenschaften mit voller Hochsee- und Langstreckentauglichkeit. 

 

Diesen Artikel finden Sie in der Februar-Ausgabe 2019 von BOOTE.

Dieter Wanke am 30.01.2020
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