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Bootstests

Galia 700 Sundeck

Peter Lässig am 01.06.2013

Tausendsassa: Die Galia 700 Sundeck ist eine Sportboot für jeden Zweck. Unser Tester Peter Lässig fuhr den GFK-Gleiter auf der Ostsee vor Danzig.

Galia 700

Galia 700

Fotostrecke: Galia 700 Sundeck

Wer bei der polnischen Werft Galia ein Sportboot für Außenbordmotoren kaufen möchte, verliert ob des Angebotes schon mal den Überblick. Man kann unter 23 Modellen von vier bis acht Metern Länge wählen. Unser Testboot nennt sich "Sundeck" wegen der Liegewiese auf dem Vordeck und der darunter angeordneten Kabine. Hier können sich zwei Personen auf der zur V-Koje wandelbaren Sitzbank "ausbreiten". Am Eingang befindet sich ein kleiner Stauschrank und gegenüber, unter einem Faltdeckel, eine Seetoilette (Extra). Die Räumlichkeit in der Kabine ist, wie auch der Stauraum darin, akzeptabel. Was missfällt, ist die Stoßgefahr an der eckigen Kante um den Kabineneingang.

Galia gibt für die 700 Sundeck ein Leergewicht von 1800 kg an; rechnet man Motor, Batterien, etwas Zubehör, wie Bimini, Anker plus Kette und Sprit, hinzu, kommen schnell 2500 kg zusammen. Das  heißt, der Zugwagen sollte wenigstens 3 t auf den Haken nehmen können.

Polen hat im Bootsbau inzwischen einen guten Ruf. Unser Testboot bildet da keine Ausnahme, schließlich ist Galia die "Kleinbootabteilung" von Galeon. Außen glänzt hochwertiges Gelcoat, und unter Deck ist alles glatt und gestrichen. Die Schnittkanten präsentieren sich verrundet und versiegelt. Die Elektrik ist sauber und ordentlich verlegt, und was sonst noch montiert ist, macht einen professionellen Eindruck.

Unter der großen Cockpitbodenklappe befinden sich neben einem Stauraum der Tank mit Absperrhahn und ein Kraftstoffvorfilter ohne Wasseralarm. Die gut gehalterten Batterien samt Sicherungen und alles Übrige stecken unter der herausnehmbaren Wanne der Cockpitbank. Die drei Hauptschalter hat die Werft gut zugänglich in der Kabine eingebaut. Die Außenpolster werden serienmäßig mit einem Kunstlederbezug geliefert, unser Testboot ist mit dem aufpreispflichtigen und robusteren Silver-Tex ausgestattet. Extra kosten auch die beiden Schalensitze mit klappbaren Sitzflächen für Fahrer und Co.

Gut ist die Sitzposition; der Skipper hat alles im Griff und Blick. Der Beifahrer vor der Kabinentür sitzt jedoch haltlos.Die Werft erlaubt maximal 300 PS am Spiegel, wir fahren mit einem 250 PS starken Yamaha, der am Heck klaglos seine Arbeit verrichtet. Nicht mehr als 1 ¼ Bootslängen durchmessende Kreise und fast direktes Umsteuerverhalten mit rückwärts eingekuppeltem Getriebe heißt wendiges Manövrieren im Hafen.

Die langsamen Passagen fahren wir mit maximal 1500/min (6 kn), um die vom Boot erzeugten Wellen erträglich zu halten. Bei dieser Fahrt nehmen Personen, die im Boot den Platz wechseln, nur geringen Einfluss auf Kurs und Krängung. Die Vertrimmung in der Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt ist gering, was die gute Voraussicht begünstigt. Ab etwa 3500/min beginnt der Gleitbereich, der um 4000/min (21 kn) in gute Gleitfahrt übergeht und zugleich die wirtschaftliche Fahrt markiert. Mit optimalem Trimm dreht der Motor bei Vollgas, was der Hersteller maximal erlaubt (6000/min), während wir eine Höchstgeschwindigkeit von 36 kn messen.

In den immer enger verlaufenden Kurven neigt sich das Boot bei schneller Fahrt zum Kurvenmittelpunkt und bremst sich bis auf untere Gleitgeschwindigkeit von allein ab. Ein ventilierender Propeller beendet die 180°-Wenden, wo das Boot in voller Fahrt innerhalb von zwei Bootslängen durchmessenden Kurven ohne Schaukeln oder Einhaken mit haltbaren Fliehkräften um die Ecke rutscht. Es geht auch ohne Luftschnappen, dann darf der Radius jedoch nicht mehr als etwa vier Bootslängen betragen. Auf der Slalomstrecke bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln; beim Verreißen des Ruders folgt es sicher dem eingeschlagenen Kurs.

Das raue Wasser der Danziger Bucht bereitet der Galia keine Mühe; dass dieses beim "Ritt gegen Wind und über Wellen" auch mal über die etwas zu dunkel getönte Plexiglas-Windschutzscheibe spritzt, ist normal."Von allen Seiten offen" bedeutet, fast überall einsteigen zu können. Vorn geht es über die Polster der Liegewiese und an Backbord entweder über den Aufgang zum Vordeck oder die Sitzbank. Vis-à-vis verhindert die Cockpitpantry seitliches Einsteigen, da nimmt man besser den "offiziellen Eingang" am Heck.

Das Cockpit lenzt außenbords. Nur eine elektrische Bilgen-, aber keine manuelle Lenzpumpe ist mangelhaft. Eine Zug-öse vorn und eine achtern an Backbord, vier Belegklampen, Ankerkasten in der Bugspitze mit Beschlag und eine Klapp-Teleskop-Badeleiter an Steuerbord unter einem Deckel sind serienmäßig, wie auch die europäisch zulässige Navigationsbeleuchtung. Dass Kompass und Lot nicht zum Standard zählen, ist unakzeptabel für ein Boot, das für küstennahe Gewässer zertifiziert ist. Begehbare Flächen sind mit Antislipstrukturen versehen, Haltegriffe jedoch nur sparsam verteilt. Gut ist der Scheiben-Griff-Rahmen,

Stauräume sind im Boot in akzeptabler Anzahl vorhanden. Das aufpeispflichtige Biminiverdeck findet man praktischerweise unter der Liegewiese vorn; es kann leicht aufgeklappt werden. Allerdings sollte das nicht während der Fahrt sein, so die Werft, da es wegen seiner Größe zu stark flattert und Schaden nehmen könnte.Fazit: Die Galia 700 Sundeck ist hauptsächlich ein Boot für schönes Wetter. Es eignet sich auch für einen längeren Trip, und mit dem 250er-Yamaha kann man es wegen seiner guten Fahreigenschaften durchaus Anfängern in die Hand geben.

Datenblatt: Galia 700 Sundeck

Werft: Galia Boats
Typbezeichnung: Galia 700 Sundeck
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 6,94 m
Breite (m): 2,55 m
Verdrängung (kg): 1,80 t
Preis: 51.650,00 €
Peter Lässig am 01.06.2013