K 24 K 24
Bootstests

K 24

Erich Bogadtke am 04.06.2015

Unverfälschtes, puristisches Design, keine Frage. Aber eine Ausrüstung, die bei dem Neuheit aus Finnland leider mehr als nur einen Wunsch offen lässt

K 24

Test K 24

Und was macht ein passionierter Segler, der sich ein Motorboot zulegen will, aber auf dem Markt nix passendes findet? Carl Krause erinnert sich daran, dass er Leute kennt, die bei Nautor (baut Swan Segelyachten) jahrelang Boote zuerst auf den Bildschirm und dann aufs Wasser gebracht haben. Die wissen wie’s geht und garantieren erstklassige Verarbeitung. Und das gilt gleichermaßen für das Laminat aus Fiberglas und Polyester, das Teakdeck und das aus Eiche gefertigte Interieur der Schlupfkabine. 

K 24

Test K 24

Krause und sein Team kreierten den etwas anderen Daycruiser: schnörkellos im Design und gänzlich auf Funktion ausgerichtet in der Ausstattung. Wer mehr will, muss in Zubehör investieren. Die klare Linie findet sich auch im Namen wieder, der sich am "Erfinder" Krause und an der Bootslänge in Fuß orientiert.

Fotostrecke: K 24

Nüchtern betrachtet ist die K-24 ein Boot, mit dem man schnell und sicher von A nach B kommt, das Wasserskiläufern den Speed, Schwimmern und Tauchern Badeplattform und Leiter und Anglern ein geräumiges Cockpit bietet. Die V-Koje unter dem Vordeck ist für alle da. Bleibt die Frage, ob die "Null-Komfort-Politik" in der 140 000-Euro-Klasse die richtige Verkaufs-strategie ist. Leere Staukästen und Schränke sind nicht attraktiv, auch nicht wenn man sie gegen Aufpreis mit Kühlbox, Spüle, Kocher und Chemie-Klo füllen kann.

Ob in dem mit einem selbstverlöschenden Schaumstoff sauber ausgekleideten Motorraum ein Diesel- oder ein Benzinmotor steht, entscheidet der Käufer. Der 260 PS starke Benziner mit Z-Antrieb beschleunigt die vollgetankte K-24 mit dem perfekt abgestimmten Doppelpropeller auf 37,6 kn.

Das macht Spaß, kostet aber D-Zug-Zuschlag (1,76 l/sm). Wer weiter kommen und während der Fahrt mit seinem Beifahrer reden will, setzt sich ein Tempolimit von 25 kn. Die dabei gemessenen 82 dB/A und die Reichweite von 172 sm gehören im Testurteil unter die Überschrift Gut. Gleiches gilt für die Motorraumbe- und entlüftung, die das Thermometer am Arbeitsplatz des Achtzylinders nicht über 34 °C klettern lässt.

Was Rumpf und Doppelpropeller-Z-Antrieb können, zeigt sich im schnellen Kreisverkehr und im Rauhwasser. Die K-24 lässt sich auch mit Tempo 33 (kn) ohne Aufschaukeln, Einhaken und Propel-lerventilation in enge Kurven und Kreise steuern. Ein dickes Lob verdient die direkte und in jeder Situation leichtgängige Servo-Steuerung. Im Mittelpunkt der Kritik stehen das Hardtop und die Back-to-Back-Sitze für Fahrer und Beifahrer. Sie sind zwar gut gepolstert, aber nicht verstellbar, Sitzfläche und Rückenlehne sind (zu) kurz und das Leder zwar schön aber arschglatt. Ein Nachteil, den die Haltegriffe nicht kompensieren können.

Die Schwächen des Hardtop, geringe Sitzhöhe und ein zur Seite hin stark eingeschränktes Sichtfeld lassen sich mit dem als Alternative angebotenen Kabrioverdeck korrigieren. Dass die K-24 alles andere als ein Schönwetterboot ist, zeigt sich bei Windstärke 4 auf der Flensburger Förde. Sie läuft mit und gegen die Wellen weich, kursstabil und trocken. Hart zur Sache geht es lediglich im Volllastbereich und auf dem Schaukel-Kurs querab zur Welle.

Wichtig ist die richtige Trimmposition des Z-Antriebes. Sie sorgt dafür, dass die Propeller nicht nach Luft schnappen und der zügige Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt nicht zum Blindflug wird. Dass Doppelpropeller-Z-Antriebe für Kursstabilität auch in Verdrängerfahrt stehen, und sich beim Manövrieren im Hafen positiv bemerkbar machen, ist eine Binsenweisheit, aber nichtsdestotrotz Realität.

Die K-24 überzeugt mit kleinen Wendekreisen und schnellem Umsteuern. Das macht den Job als Fahrer, der hinter einer leicht getönten Windschutzscheibe aus Sicherheitsglas sitzt, leichter. Gern gesehene Helfer sind zudem die exakte Einhebelschaltung, der große Scheibenwischer, Kompass, Kartenplotter und das Kontrollsystem des Motorenherstellers.

Dass die Techniker ihr Handwerk verstehen zeigt, sich in den fachmännisch ausgeführten Installationen. Der Motorraum ist gut zugänglich, der Niro-Tank und die Batterien solide gehaltert und Batteriehauptschalter, Sicherungsautomaten und Kraftstofffilter  bequem zu erreichen. Ein Schwachpunkt sind die zum Teil scharfkantigen Kabel- und Leitungsdurchführungen in den Schottwänden.

In Sachen Sicherheit überzeugen  Fahreigenschaften, Cockpitseitenhöhe, Teakdeck, Badeplattform mit Leiter und Automatik- und Handfeuerlöscher. Das selbstlenzende, aber achtern offene Cockpit, das Vordeck ohne Handläufe, die Lenzeinrichtungen (Handpumpe fehlt) und der fehlende Kraftstoffabsperrhahn können den BOOTE-Standard nicht erfüllen.

Dem Cockpit, das jede Menge Stauraum bietet, fehlt in der Standardversion die Komfortausstattung, Hardtop mit Faltdach, das zweiteilige Verdeck, das den Fahrstand zum Ruderhaus macht, und die Sitzbank über dem Motorkasten reichen nicht aus. Magerkost ist auch in der Schlupfkabine angesagt. Die nicht unter-lüfteten Polster der V-Koje bieten gerademal ausreichenden Komfort. Gut gemacht sind die Einbauten aus Eiche und die sauber ausgestrichenen Stauräume im Boden und unter den Polstern.

Bleibt die Kritik an der knappen (90 cm) Sitzhöhe.
Festgemacht wird an fünf soliden Belegklampen. Auf eine Scheuerleiste, die ihren Namen verdient, verzichten die finnischen Bootsbauer, spendieren jedoch vier Fender-ösen und einen selbstlenzenden Ankerkasten. Schick und Stand der Technik sind die LED-Positionslichter, die zudem die vorgeschriebene Zulassung des BSH haben.

FAZIT

Wer auf seinen Tagesausflügen auf den Komfort, den Toilette, Dusche, Spüle, Kocher und Kühlbox bieten, verzichten will oder kann, findet in der K-24 ein erstklassig verarbeitetes Boot mit hervorragenden Fahreigenschaften. Die fehlenden Handläufe, Absperrhahn und Handlenzpumpe kann die Werft mühelos nachrüsten. Wenn sie will.

Werft                                       K 24Boats/Finnland
Typ                                          K-24
CE-Kategorie                        C = küstennahe Gewässer
Rumpf und Deck                  GFK/Sandwich
Länge über alles                  7,68 m
Breite                                      2,48 m
Verdrängung                         2100 kg
Tiefgang                                 0,80 m
Durchfahrtshöhe                  1,65 m
Kraftstofftank                          270 l
Kojen                                      2
Cockpitgröße                         3,10 m x 1,75 m
Freibord                                  1,00 m
Seitenhöhe Cockpit innen  0,60 m
Testbeladung                        3 Personen, 1/1 Tank,
Testgewicht                           2600 kg
Mögl. Motorisierung            1 Benzin- oder Dieselmotor
                                                162 kW – 190 kW (220 – 260 PS)
Testmotorisierung                1 x MerCruiser 5,0 MPI, 190 kW (260 PS)
Preis Testboot                       138 000 €

Vertrieb                                   Flensburger Yacht-Service,
                                                 Am Industriehafen  4, 24937 Flensburg.
                                                 www.fys.de 

Datenblatt: K24

Werft: K 24 Boats
Typbezeichnung: K24
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 7,68 m
Breite (m): 2,48 m
Verdrängung (kg): 2,10 t
Preis: 138.000,00 €
Erich Bogadtke am 04.06.2015