Linssen Classic Sturdy 42 AC Linssen Classic Sturdy 42 AC
Bootstests

Linssen Classic Sturdy 42 AC

Ralf Marquard am 25.05.2014

Linssen Classic Sturdy 42 AC: „Traditionell, modern, robust und verlässlich“ sind die passenden Attribute für das nächste Modell aus Maasbracht.

Linssen Classic Sturdy 42 AC

Die neue Linssen Classic Sturdy 42 AC.

Fotostrecke: Linssen TNCS 42

Sie ist zwar nicht die "Erste im Bunde", gehört aber zu einer frisch aufgelegten Linie von Linssen. Mit der neuen „Classic Sturdy" sind Boote nach Plänen der "Ur-Linssen", "St.-Jozef-Vletten" und "Grand Sturdy" neu aufgelegt worden. Herausgekommen sind technisch moderne Boote mit klassischen Linien wie unser Testboot TNCS 42 AC (Royal Edition). Das "AC" steht für Aft Cabin (Achterkabine).Eine Sedan-Version – mit Fahrstand im Salon und nur einer Nasszelle, vier Schlafplätzen im Bugbereich und tief liegendem Cockpit – steht ebenfalls zur Verfügung.

Unsere AC hat achtern eine Kabine (Eigner) mit Doppelbett und eigenen Nasszellen. An Steuerbord bringt Linssen den Duschraum mit Sitzbank und guter Lüftung unter; Letzteres gilt ebenfalls für den Toilettenraum (backbords) in dem elektrisches Pump-WC und Waschtisch stehen. Im Vorschiff ist die Anordnung genau anders herum, die Ausstattung jedoch fast identisch. Einziger Unterschied: Der WC-Raum ist auch von der Dinette aus zugänglich und dient damit gleichzeitig als Tagestoilette. Bug- und Heckkabine sind großzügig geschnitten und mit Doppelkojen, Lattenrosten sowie reichlich Stauraum ausgestattet; Stufen an den Seiten erleichtern das Ein- und Aussteigen aus den Kojen.

Dinette bauen, die vor der Bugkabine angeordnet ist. Gegenüber steht die U-förmige Pantry mit 3-Flammen-Gaskocher, 110-l-Kühlschrank (Gefrierfach integriert), einem Spülbecken mit einer Größe wie im Haushalt, gut aufgeteilten Staumöglichkeiten und einer schönen Arbeitsfläche zum Zubereiten der Speisen und Getränke an Bord. Frischluft garantieren Bullauge und das genau über der Pantry befindliche Frontfenster.

Eine Etage höher schließt sich der Salon mit gemütlicher L-Sitzbank, Sessel, großem Tisch und Sideboard mit Fernseher (herausfahrbar) an. Und wiederum eine Treppe weiter oben steht man im Cockpit unter einem Kabrioverdeck, das den gesamten Raum zu einem weiteren vor Wind und Regen geschützten "Wohnzimmer" wandelt.

An schönen Tagen nimmt man Seitenteile und Dach ab und genießt die Sonne auf der U-Sitzbank, die in der Mitte einen Zugang zur Badeplattform bietet. Den Abstieg zur Teakdeck-Plattform erleichtert einen  dreistufige Treppe, den ins Wasser eine große Niroleiter, die man vom nassen Element aus einfacher bedienen kann als von der Plattform aus.

Der Weg an Bord führt über die eben beschriebene Heckpartie sowie die Seitendecks, die mit Klapptüren in der Reling aufwarten. Gute Idee: Die Türen öffnet man nach unten, und sie lassen sich dadurch gleichzeitig als Aufstiegsleitern nutzen. Den Bug betritt man durch einen Zugang mit Sicherungskette. Um sich unbeschwert an Bord zu bewegen, gibt es passende Reling und Handläufe sowie rutschfeste Bodenstrukturen. 

Gefahren wird das Boot vom Cockpit aus. Hier steht ein Pilotensitz (in alle Richtungen verstellbar) mit Armlehnen vor dem sauber gegliederten Armaturenbrett. Um Steuerrad (verstellbar) und Schaltung zu bedienen, muss sich der Skipper ein wenig nach vorn beugen. Bei aufgebautem Verdeck schaut der 1,80 große Fahrer gegen das an die Windschutzscheibe geknöpfte undurchsichtige Verdeckoberteil. Sitzend blickt er dagegen ungetrübt durch diese klappbare Scheibe im stabilen Rahmen. Nach achtern und seitlich erlauben große Folienfenster einen guten Rundumblick. Drei Scheibenwischer mit Waschanlagen kommen bei Regen und Spritzwasser zum Einsatz.
Beides trat auf unserer Testfahrt jedoch nicht ein. Die Binnenschiffe auf der Maas erzeugten nur kleine Wellen, und Petrus zeigte sich an diesem Tag ebenfalls ausgesprochen gnädig.  

Als Höchstgeschwindigkeit erreichten wir an ruhiger Stelle und bei einer Wassertiefe von etwa 4,50 m gut 8,5 kn. Klar ist, dass man in dieser Fahrstellung nicht besonders wirtschaftlich fährt. In Zahlen ausgedrückt: 3,31 l/sm Verbrauch, was mit dem Spritvorrat von 820 l abzüglich 15 % Reserve eine Reichweite um die 200 sm ergibt. Zügelt man die Geschwindigkeit nur um 2 kn, sind locker Reichweiten über 500 sm drin. Bei 4 kn  reicht der Kraftstoff sogar über 1200 sm weit.

Egal wie schnell man unterwegs ist, die Linssen läuft gut geradeaus und muss kaum korrigiert werden. Nach einer Kurve lässt sich dank der Ruderlagenanzeige die Mitte schnell wieder finden. Wer es sich ganz einfach machen möchte, der schaltet auf unserem Testboot den Autopiloten ein und muss nur alles überwachen. Damit das auch zum Genuss wird, treibt die Werft viel Aufwand, um "die Sprache des Motors" möglichst geräuschlos zu halten – was mit maximalen 75 dB/A am Fahrstand auch gut gelungen ist.

Enge Kurven quittiert der Rumpf mit einer Schräglage zur Kurvenaußenseite und sanftem Einschaukeln in die eigene Welle. Beim Einlenken in den Kreiselverkehr muss man am Steuerrad kraftvoll zupacken; das  Herauslenken ist spürbar leichter.

Langsame Manöver fährt man mit dem Bugstrahlruder und Wendekreisen von etwa 1 ½ Bootslängen vorwärts eingekuppelt problemlos. In Rückwärtsfahrt tut sich die TNCS 42 in Richtung Backbord schwer, was sich mit dem Bugstrahlruder jedoch problemlos wieder ausbügeln lässt.

Des "Herzstück des Bootes" steht auf soliden Fundamenten in Motorraum, bei dem der Einstieg über Luken im Salonboden und eine dreistufige Leiter erfolgt. Dort unten ist alles übersichtlich und fest verlegt, und man kommt bei Servicearbeiten gut zurecht.

Lob erhält ebenfalls die Tankanlage, zu der ein solide verschraubter Tank, fernschaltbarer Absperrhahn und zwei Dieselfilter (1 x mit Ablasshahn, 1 x mit E-Alarm) gehören. Bei den elektrischen Installationen gewährleisten gut erreichbare Sicherungen und Hauptschalter (Leistungsschalter und Relais) die Betriebssicherheit.

Beim "Notfallthema" Lenzen verlässt sich Linssen ausschließlich auf elektrische Pumpen – aus unserer Sicht ist das nicht ausreichend; als vorbildlich muss man hingegen die Feuerlöschanlage im Motorraum bezeichnen.
Bei Remplern schützt eine Wieling das Boot vor Kratzern und Beulen. Um am Steg und beim Schleusen den Rumpf "abzupolstern",  bietet sich als Fender-Befestigungspunkt die Reling an. Man macht das Schiff an stabilen Klampen fest, die einen gleich guten Eindruck hinterlassen wie die gesamte Verarbeitung.

Fazit: Die TNCS 42 ist ein typisches "Mitglied der Linssen-Familie", das fraglos einen hohen Qualitätsstandard garantiert. Durch die beiden Nasszellen und getrennten Kabinen eignet die Yacht sich auch für längere Fahrten mit vier Personen hervorragend. Die Single-Motorisierung ist passend; wer jedoch etwas mehr Power bei Wind haben will und die Sicherheit eines zweiten Motors nicht missen möchte, der ist mit einer Doppelanlage gut beraten.

Datenblatt: Linssen TNCS 42 AC

Werft: Linssen Yachts B.V.
Typbezeichnung: Linssen TNCS 42 AC
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: -----
Länge (m): 13,25 m
Breite (m): 4,35 m
Verdrängung (kg): 17,50 t
Preis: 383.600,00 €
Ralf Marquard am 25.05.2014