Parker 660 Weekend Parker 660 Weekend
Bootstests

Parker 660 Weekend

Sebastian Gollasch am 02.02.2014

Parker 660 Weekend: Das robuste Mehrzweckboot aus Polen schickt sich an, den deutschen Markt zu erobern. Gefahren wird von drinnen oder draußen.

Parker 660 Weekend

Parker 660 Weeekend

Fotostrecke: Parker 660 Weekend

Gewerblich genutzte Boote werden hart rangenommen und müssen viel aushalten, entsprechend sind die Rumpfformen den Anforderungen ­angepasst. Die Firma Parker Poland baut bereits seit den 70er-Jahren Boote für den kommerziellen Einsatz. Als Kunden gibt die Werft Behörden, wie Polizei, Feuerwehr, Grenzschutz, Marine und Nachrichtendienst, an. Für den Einstieg in die Freizeitschifffahrt fertigt man in der polnischen Werft mittlerweile vier Modelle in zwei unterschiedlichen Längen.

Unser 6,60 m langes Testboot besitzt zwei Fahrstände, Pantryblock, separaten WC-Raum und vier Kojen. Letztere sind in eine Bug- und Salondoppelkoje aufgeteilt. Ausgelegt ist die Parker für Hobbyangler und Wassersportler, die mit Freunden oder der Familie Zeit auf dem Wasser verbringen möchten.

Als Fahrgebiet gibt die Werft zwei CE-Kategorien an: erstens "C" für küstennahe Gewässer; zweitens kann das Boot außerhalb von Küstengewässern unterwegs sein, was "B" entspricht. Unterschiede bestehen in der erlaubten Personenzahl beziehungsweise Zuladung. So dürfen auf Gewässern der Kategorie B maximal 6 Crew oder 880 kg an Bord sein. Fährt man auf küstennahen Gewässern, darf eine Person oder 70 kg mehr zugeladen werden.

Am Heck unseres Testbootes sorgt der neue Mercury F150 EFI für Vortrieb. Mit seinen 150 PS ist das Boot an der oberen erlaubten Leistungsgrenze angekommen. Wir konnten als Höchstgeschwindigkeit genau 32 kn einloggen. Montiert war ein Dreiblatt-Mirage-Plus-15-P-Propeller. Beim Ablesen der Instrumente drehte der Motor bei dieser Geschwindigkeit 5050/min – angesichts des Volllast-Drehzahlbereiches von 5000–5800/min und des geringen Testgewichts von zwei Personen und etwa 100 l Kraftstoff ein zu geringer Wert. Entsprechend sollte ein Propeller mit geringerer Steigung gewählt werden.

Der Kraftstoffverbrauch liegt bei Höchstgeschwindigkeit bei 1,59 l/sm. Entsprechend ist der 140-l-Kraftstoff-Einbautank der Parker rechnerisch nach 75 sm bis auf eine Reserve von 15 % leergefahren. Der Geräuschpegel zeigt, am Fahrstand bei Vollgas gemessen, akzeptable 85 dB/A. Leiser und weiter geht es in wirtschaftlicher Gleitfahrt mit 21,3 kn und 3500/min, wobei leichte Vibrationen im Boot zu spüren sind. Durch die Kraftstoffleitung laufen dann 1,08 l/sm Benzin, und die Reichweite beträgt 110 sm. Mit 79 dB/A liegt die Geräuschentwicklung im komfortablen Bereich.

 Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt findet zwischen 2000/min und 3200/min statt; dabei gehört der Power-Trimm natürlich ganz auf "down". So bleibt die Voraussicht uneingeschränkt, mithilfe der Trimmklappen kann man sie noch verbessern und die Zeit für den Übergang verkürzen. Als kleinste Gleitfahrt ermittelten wir 3000/min, eine gute und stabile Fahrt stellt sich ab 3400/min ein. – In Sachen Kursstabilität gibt es nichts zu kritisieren, ein Wippen durch Übertrimmen konnten wir ebenso wenig feststellen.

Wellen anderer Sportboote überfährt der Rumpf weich und leitet das Spritzwasser weit zur Seite. Bei schnellerer Gleitfahrt wird die Parker im Bug nervös: Versucht man höher zu trimmen, schnappt der Propeller sofort Luft, ein Indiz dafür, dass Anbauhöhe und Anströmung des Motors und Propellers nicht optimal ist. Schnelle Manöver, wie immer enger werdende Kreise, absolviert das Boot über Steuerbord mit höheren Seitenkräften und kleineren Kreisen wie über Backbord. Auf dem Slalomkurs gleitet es weich von einer zur anderen Seite und kippt dabei über die Längsachse, ohne nachzuschaukeln.

Manövriert man mit vor- oder rückwärts eingelegtem Gang in kleinen Häfen oder Buchten, zeigt die Parker durchgehend gute Eigenschaften. Die Wendekreise betragen vorwärts über Backbord 1 ½ Bootslängen. Mit 1 ¼ Bootslängen sind die Steuerbordkreise etwas enger. Bei Rückwärtsfahrt dreht sich der Rumpf über Steuerbord in einem Kreisdurchmesser von 1 ¼ Bootslängen und über Backbord aus 1 Bootslänge.

Das Umsteuern von Back- nach Steuerbord dauert zwischen 4  und 5 sec. Schneller (2 sec), geht es von Steuer- nach Backbord. Um Wassereintritt bei schneller Rückwärtsfahrt braucht man sich an Bord der Parker nicht zu sorgen. Noch bevor das Nass die Kabeldurchführung erreicht, zieht der Propeller Luft.

Als Hafengeschwindigkeit haben wir 5,2 kn (1000/min) ermittelt. Wellenbildung und Sog werden bei dieser Geschwindigkeit gering gehalten. Gewichtsverlagerungen an Bord nehmen nur wenig Einfluss auf die Kursstabilität, aber mäßig auf die Krängung.

An der GFK-Verarbeitung haben wir nichts auszusetzen. Gleiches gilt für die Installation des Edelstahl-Kraftstofftanks, der gut verbolzt unter dem Salonboden eingebaut wird. Positiv ist der separate Kraftstofffilter und Absperrhahn.

Die Polster im Salon sind straff und bieten auch auf längeren Fahrten guten Sitzkomfort. Praktisch: Die Rückenlehne der Beifahrerbank kann gedreht werden, wodurch man dann zu viert am Salontisch sitzen kann.
Fazit: Die Parker 660 Weekend ist gut verarbeitet und bietet viel Stauraum. Durch Pantryblock und WC-Raum ist das Boot trotz 6,60 m Länge für größere Strecken tauglich. Nicht überzeugen konnte die Motorabstimmung.

ALLE MESS- UND TESTERGEBNISSE DER PARKER 660 WEEKEND FINDEN SIE IN BOOTE-AUSGABE 11/2013.

Sebastian Gollasch am 02.02.2014
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