Boarncruiser  Elegance 1670 Boarncruiser  Elegance 1670

Premieren & Projekte

Appartement zur See

Alexander Worms am 06.12.2019

Boarncruiser präsentiert mit der Elegance 1670 den Einstieg in die Oberklasse. Auf zwei Ebenen zeigt sich Schiffbau auf hohem Niveau, bei dem auch das Design gefällt

Als Henk Hokwerda vor einigen Jahren begann, das Ruder der Werft in Jirnsum an die nächste Generation, mit Namen seiner Tochter Wies, zu übergeben, hat er sich zum Abschluss noch was ganz Spezielles überlegt. Das Ganze heißt Elegance-Reihe und ist eine Erfolgsgeschichte.

Der mit fünf Jahrzehnten im Stahlbau durchaus erfahrene Grand Senior des friesischen Stahlbaus hat moderne, gefällige Linien zu Papier gebracht, die zudem bestens skalierbar sind. Mittlerweile reicht die Palette von 11 bis 18 Meter, verteilt auf nicht weniger als acht Modelle. Einige davon sind auch mit Flybridge zu bekommen.

Henk Hokwerda selbst nennt derzeit eine 1250 sein Eigen, auf der er seinen (Un-)Ruhestand genießt. Denn er liebt es nach wie vor, mit den Eignern über die Boote zu reden und den ein oder anderen Test zu begleiten. So ist er auch mit von der Partie, als BOOTE vor Vlieland an Bord der 1670 geht. Deren Rumpf ist rheinfreundliche 14,99 Meter lang, mit angeflanschter Badeplattform werden es dann aber knapp 17 Meter.

Die Werft lud zuletzt auch deswegen auf die Insel im Norden der Niederlande ein, weil ein solches Schiff, immerhin mit zwei Maschinen, Rundspant und Magnus-Master-Stabilisatoren ausgestattet, auf die See gehört. Und da geht die Reise auch hin. Außerhalb der Landabdeckung steht eine ordentliche Welle im Fahrwasser. Doch ein Knopfdruck und dank der drehenden Magnus Rohre vom Zulieferer DMS liegt das Schiff sofort wie ein Brett im Wasser. An Deck bleibt alles trocken, der hohe Klippersteven sorgt für weit seitlich hinwegfliegendes Spritzwasser.

Fotostrecke: Boarncruiser Elegance 1670

Die beiden Volvo D4-180 Diesel verrichten ihren Dienst sehr unaufdringlich. Bei 1500 Umdrehungen in der Minute dringen gerade einmal 55 Dezibel ans Ohr der Mitfahrer im Salon, das ist ein Spitzenwert. Bei dieser Tourenzahl stehen knapp 13 km/h auf dem Plotter.

So könnte man problemlos weiterfahren bis Island. 2267 Kilometer sind mit einer Tankfüllung von 2000 Litern abzüglich 15 Prozent Reserve möglich.

Liegen die Hebel auf dem Tisch, werden bei 19 km/h gerade mal 500 Kilometer mit einem Tankinhalt geschafft, das macht offensichtlich keinen Sinn. Tanks, Filter (Racor umschaltbar) und Motoren sind komplett voneinander unabhängig nutzbar.

Das schafft Redundanz für extra Sicherheit.

In diesem Kapitel machen wir Kreuzchen bei einer automatischen Feuerlöschanlage und den 44 Zentimeter breiten Gangbords, die von einem hohen Süll samt Reling (0,95 m) umgeben sind. Die Fahreigenschaften lassen sich ansonsten als verdrängertypisch gutmütig bezeichnen und geben keinen Anlass zur Kritik. Die kann der Betrachter nur an zwei Stellen anbringen:

Die großen Backskisten auf dem Vordeck sind sehr praktisch, allerdings fehlen Gasdruckdämpfer am Deckel. Die Werft rüstet nach. Ebenso nachrüsten will man Gitter, die die in der Achterpiek frei liegenden Ruderquadranten vor umherfliegendem Staugut schützen. Zu schnell wäre so unnötig die Ruderanlage blockiert.

Ansonsten gefällt das Schiff auch im Inneren. Ob frei stehende Rolf Benz Möbel auf einem Seeschiff gut aufgehoben sind, ist letztlich auch eine Frage des vom Eigner angestrebten Fahrgebietes. Gut aussehen tun sie allemal. Ebenso gut gelungen ist die Aufteilung mit der Pantry neben dem Fahrstand.

So sind sich Steuermann und Smutje bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten an Bord nahe. Zudem gewinnt der Salon auf dem Oberdeck so an Raum. Er erstreckt sich von der Badeplattform über fast zwei Drittel der Schiffslänge und ist vollkommen offen.

In der Etage darunter ist am Ende einer eleganten Treppe ein Flur von dem zwei Gästekabinen, eine große im Bug und eine mit Etagenbetten, abgehen. Das Sahnestück des Schiffes befindet sich jedoch achtern: die Eignerkabine, nein das Eignerreich:

große freie Flächen, ein zentrales Riesenbett mit Badezimmer en Suite und begehbarem Kleiderschrank. Der ist geschickt zwischen Bett und Maschinenraum platziert und nimmt zusätzlichen Schall auf. So bleibt es auch in der Eignerkammer immer sehr leise, wenn die Maschinen dahinter arbeiten.

Dass auf solch einem Schiff ein Generator und die Zentralheizung samt warmem Fußboden im Untergeschoss dazugehören, ist seit Längerem klar. Ebenso wie die Isolation mit Schaum über der Wasserlinie und die Dreifachverglasung. Besonders bei Boarnstream ist ein Feature namens Live Design. Dabei entwirft der Kunde zusammen mit der Werft und einem Architekten das Schiff am Bildschirm.

Das Ergebnis der Planung wird in Echtzeit visualisiert. So entsteht das eigene Wunschschiff direkt vor den Augen in 3D. Danach heißt es noch gut ein Jahr warten und schon kann man loslegen mit der Elegance 1670.

Diesen Artikel finden Sie in der Januar-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!

Alexander Worms am 06.12.2019