Sea Ray 210 SSE Sea Ray 210 SSE

Sea Ray 210 SSE Cuddy Cabin im Test

Sea Ray 210 SSE

Ralf Marquard am 07.07.2015

Sea Rays neue 210 SSE ist eine Cuddy Cabin, die schon mit der kleinsten Motorisierung richtig Spaß macht. Wir haben die Amerikanerin getestet.

Fotostrecke: Sea Ray 210

Sea Ray 210

Test Sea Ray 210

Mit ihren 21 Fuß und 1700 kg ist die Sea Ray 210 SSE ein typisches Trailerboot der gehobenen Klasse. 2,5 Tonnen müssen Trailer und Zugfahrzeug dann bewältigen können. Wer das passende Trailergespann parat hat, kann mit dem Boot Binnenreviere und küstennahe Gewässer (CE-Kategorie C) ansteuern.

Wenn die Erkundungstour mit der 210 SSE etwas länger dauern soll, ist das auch kein Problem, denn die Kabine bietet mindestens zwei Personen eine passable Übernachtungsmöglichkeit. Eine großzügige  Sitzhöhe darf man allerdings nicht erwarten, denn mit 0,76 m stößt das 1,80 m große Crew-Mitglied schon schnell mal ans Kabinendach.

Zum Schlafen oder um das Porta-Potti unter dem Mittelpolster zu benutzen, reicht die Sitzhöhe aber allemal.  Unter den Seitenpolstern findet man Staufächer; kleine Ablagen und Schrank bieten weiteren Platz fürs "Allerlei". Von der "Kuschelkabine" führt der Weg über eine arretierbare Schiebetür ins Cockpit, wo alles da ist, um Fahrt und Sonne zu genießen: angefangen mit den beiden Schalensitzen von Fahrer und Beifahrer, die sich nach achtern drehen lassen und so die Sitzecke erweitern, über den Kunststofftisch mit Getränkehaltermulden, bis zur gut gepolsterten Heckbank.

Bei den anschließenden Sonnenliegen fehlt uns etwas zum Festhalten, beispielsweise ein Handlauf als Begrenzung. Wer schwimmen möchte, krabbelt auf die integrierte Badeplattform. Dort erleichtert eine solide Klappbadeleiter zum Ziehen plus Haltegriff den Ein- und Ausstieg. Sie liegt unter einer Klappe; man muss aber umständlich weit auf die Plattform greifen, um diese zu öffnen. Eine Heckdusche bietet die Werft nicht an, hier muss der Händler ans Werk gehen und sich etwas einfallen lassen.

Für Wasserskiläufer ist eine serienmäßige Zugöse vorhanden. Die Skier passen unter die Hecksitzbank, wo es spezielle Halterungen dafür gibt. Für das restliche Equipment bieten sich Staumöglichkeiten unter dem Cockpitboden und in der Wegerung. – Damit das Skilaufen auch richtig Spaß macht, braucht man eine gute Beschleunigung. Diese erzeugt bei unserem Testboot ein 4,3-MerCruiser-Benziner.

Er bringt die Sea Ray innerhalb drei Sekunden in die Gleitphase. Dabei hebt sich der Bug mit Antrieb "down" nur mäßig an, und die Sicht bleibt stets erhalten. Mit Fahr-Trimm kommt die Sea Ray ebenfalls problemlos ins Gleiten, die Sicht wird nur kurzzeitig gestört. In Gleitfahrt überzeugen die flache Heckwelle und gute Kursstabilität. Schnelle Wenden, die auch Wasserskiläufern und Wakeboardern Freude machen, sind perfekt zu fahren.

Der Rumpf legt sich nicht übermäßig auf die Seite und zieht, mit Antrieb ganz an den Spiegel getrimmt, ohne Mucken eng seine Kurve. Wer die Sache noch verschärfen möchte, dreht einen 360-Grad-Kreisel und wird von den Fliehkräften ordentlich gefordert. Was nicht bedeutet, dass der Rumpf einhakt oder schaukelt; es geht einfach "eng rum".

Nicht ganz so heftig geht’s zur Sache, wenn der Antrieb auf "Fahrposition" steht: Hier beendet der Luft schnappende Propeller die Kreiselfahrt. Slalomkurse absolvierten wir genauso sicher wie das Verreißen der absolut leichtgängigen Steuerung. Man merkt aber schon den Speed von über 40 kn, dem Mensch und Maschine ausgesetzt sind. Wer wirtschaftlich gleiten möchte, lässt den Motor 3000/min drehen und kommt mit knapp 22 kn respektable 137 sm plus 15 % Reserve weit.

Langsam geht natürlich auch, hier bekommt man es mit dem gleitertypischen Gieren zu tun, was man – wenn überhaupt – nur mit ganz geringen Lenkkorrekturen ausgleicht. Ansprechende Wendekreise und direktes Umsteuerverhalten (Rückwärtsfahrt) lassen exakte und sichere Hafenmanöver zu, die man am besten auf der hochgeklappten Sitzfläche hockend fährt.

Sea Ray 210

Test Sea Ray 210

So hat der Fahrer einen guten Überblick und alle Bedienelemente sicher im Griff. In schneller Fahrt bläst der Fahrtwind ordentlich ins Gesicht, wer das nicht mag, muss die Sitzfläche wieder herunterklappen und sich draufsetzen. Dann weist die Windschutzscheibe Wind und Spritzwasser gut ab; ein Scheibenwischer (Extra) sorgt für den klaren Blick. 

Gute Sicht in allen Fahrsituationen hat der Steuermann auch auf die Instrumente. Bei den Kippschaltern fällt besonders der Startknopf auf, mit dem man den Motor startet und stoppt. Letzteren findet man unter der Sonnenliege, die sich über eine kleine Griffmulde anheben lässt. Der Servicetechniker hat gut Platz, um Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen.

Die Installationen sind sauber und fest ausgeführt; bei der Tankanlage fallen fernschaltbarer Absperrhahn und die doppelte Verschellung der Spritschläuche positiv auf. Die Benzinreinigung übernimmt eine motoreigene Filterpatrone. Auf der Haben-Seite stehen außerdem die Feuerlöschanlage und der in die Bilge geführte Blower.

Elektrotechnisch rüstet Sea Ray die 210 SSE mit einer fest verzurrten und leistungsstarken Exide-Batterie aus; Hauptschalter und Stecksicherungen liegen verborgen, aber trotzdem gut erreichbar unter dem Fahrstand (zugänglich über die Kabine). Bei der Lenzanlage verlässt sich die Werft auf selbstlenzendes Cockpit und elektrische Bilgenpumpe. Handlenzpumpe: Fehlanzeige. 

Weiteres Zubehör ist die Navigationsbeleuchtung mit BSH-Zulassung (690 Euro) die nicht, wie die serienmäßige Beleuchtung, nur auf wenigen Revieren zugelassen ist, sondern in ganz Deutschland. Außerdem sollte man sich das sogenannte Luxuspaket für 2410 Euro gönnen, das wichtige Elemente wie Persenning, CD-Radio, Cockpittisch, Docking Lights und Scheibenwischer beinhaltet. Die Scheuerleiste passt zum Boot wie auch sechs Klampen, deren Befestigungspunkte einen genauso guten Eindruck hinterlassen wie die gesamte Verarbeitung. 

Fazit 
Wer Spaß an Entdeckungs- und Badetouren sowie Wasserski hat und auch mal die eine oder andere Nacht ohne großen Luxus an Bord verbringen möchte, für den ist die Sea Ray 210 SSE ein interessantes Angebot.

Datenblatt: Sea Ray 210

Werft: Sea Ray
Typbezeichnung: Sea Ray 210
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 6,48 m
Breite (m): 2,55 m
Verdrängung (kg): 1,69 t
Preis: 53.780,00 €
Ralf Marquard am 07.07.2015