Sealine F 380. Sealine F 380.
Bootstests

Sealine F 380

Peter Lässig am 14.09.2015

Made in Germany: Mit der ersten in Deutschland gebauten Sealine setzt die Hanse-Werft in Greifswald noch eins drauf. Wir haben die F 380 gefahren.

Die früher in Kidderminster in der  englischen Grafschaft Worcestershire ansässige Sealine-Werft ist nach wirtschaftlichen Problemen von Hanse Yachts übernommen worden. Das gesamte Equipment wurde von England nach Greifswald gefahren, um hier neue Sealine-Boote zu produzieren. Auf einem dieser Lkws fanden auch die Formen für Rumpf und Aufbauten der F 380 ihren Weg nach Deutschland. Das erste hier gebaute Exemplar des Bootes stand dieses Jahr dann auch in Düsseldorf auf der Messe.

Anlässlich des Tests der neuesten F 380 nahmen wir die Gelegenheit wahr, durch die Werft zu gehen – und was wir da gesehen haben, hat uns überzeugt. Aus Werftbesuchen in England wissen wir, dass es hinter den Kulissen schon gut aussieht, aber nun ist es noch besser: Die Kunststoffarbeiten auf und unter Deck sind von höchster Qualität, Schottwanddurchbrüche, wo Leitungen und Schläuche hindurchführen, sind, wie auch die Kunststoffschnittkanten, verrundet und versiegelt. Wo dies nicht der Fall ist, sind Letztere mit Kantenschutz versehen, den man allerdings besser befestigen muss, damit er nicht, wie im Testboot vorgefunden, abrutschen kann.

Fotostrecke: Sealine F 380

Bei den neu gebauten Formen blickt man auf gerade Linien und ebene Flächen. Bei der  Feinarbeit der Holzverarbeitung muss Hanse noch nachlegen, die technischen und elektrischen Installationen gefallen hingegen. Während die Greifswalder Werft den Rumpf der neuen Sealine unverändert übernahm, hat man den Aufbau, sprich die Flybridge, geändert, indem der Steuerstand weiter nach vorn gesetzt wurde. Dadurch haben sich die Platzverhältnisse oben beträchtlich verbessert, und so wird man trotz der vorgezogenen Position hinter dem Ruder vom Fahrtwind nicht belästigt. Unverändert ist das raffinierte Platzangebot in der F 380: Stauraum ist überall im Boot vorhanden.

Als einziges Magazin haben wir gleichzeitig das Vorserien- und das Serienboot gefahren. Der Unterschied bestand in erster Linie darin, dass statt der rein hydraulischen Steuerung, wie im Vorserienboot, die elektrische Steuerung von Volvo Penta eingebaut wurde. Das hat neben positiven und sichereren Reaktionen beim Steuern noch einen weiteren Vorteil: Für die "Kleinigkeit" von gut 16 000 Euro können ein Kabel sowie ein Joystick nachgerüstet werden. Dann muss nur noch die im Preis enthaltene Software aufgespielt werden, und man manövriert das Boot kinderleicht in jede noch so knifflige Liegestelle.Ohne Joystick wird mit den Schalt-
hebeln sowie dem Bugstrahlruder (Extra) handtiert.

Während bei der hydraulischen Steuerung die kleinsten Kurvendurchmesser in Gleitfahrt etwa drei Bootslängen betragen, bestimmen bei der elektrischen Drehzahlen und Geschwindigkeit die Radien. Heißt je schneller, desto größer, und wer enge Kurven fahren will, muss Fahrt rausnehmen. Die 180°-Wenden in voller Fahrt werden mit der hydraulischen Steuerung innerhalb von zwei Bootslängen großen Kurvendurchmessern in einem Rutsch absolviert, ohne dass der Rumpf einhakt; mit der elektrischen Steuerung findet man sich in einer wesentlich weiteren Kurve wieder. Fast gleich stark, aber ungefährlich bringt man die F 380 mit beiden Steuerungssystemen über die Längsachse zum Pendeln, wenn man auf dem Slalomkurs schnell genug kurbelt und mit der elektrischen Steuerung früh genug gegenlenkt, da bei ihr eine kleine Pause vom Betätigen des Ruders bis zu den Reaktionen der Z-Antriebe entsteht.

Ein perfektes Testwetter bietet uns im Greifswalder Bodden Sonne, Wind mit vier Beaufort Stärke und Wellen, die stellenweise bis zu einem Meter hoch sind. Das alles ist für das Testboot keine He-rausforderung und wird sicher und überwiegend trocken gemeistert. Bei Fahrten gegen Wind und Wellen schaffen wir es auch einmal, auf der Fly leicht geduscht zu werden, was aber als normal anzusehen ist, wenn man sich "bewusst nicht anpasst". Die Sicht auf der Fly ist ungestört, man kann auch das Heck an Backbord einsehen. Am Salonfahrstand bleibt die Sicht so lange erhalten, bis man Kurven fährt. Über Backbord verdeckt die einschwenkende Salondecke das Blickfeld, und Kurvenfahrten werden auf diese Weise zum Blindflug. Über Steuerbord muss man sich am Fahrstand etwas bücken.

Die langsamen Passagen fahren wir mit 6 kn oder 1000/min, bei denen eine Tankfüllung für einen theoretischen Aktionsradius von 334 sm plus 15 % Reserve reicht. Wirtschaftlich ist man in Gleitfahrt mit dem Testboot bei 3000/min oder mit einer Geschwindigkeit von 25 kn unterwegs. In dieser Situation reicht eine Tankfüllung für etwa 225 sm plus Reserve. Bei Vollgas messen wir maximal 34 kn, und der Tank ist nach knapp 200 sm bis zur Reserve geleert. Damit erfüllt das Testboot nur in langsamer Fahrt unsere Forderung von mindestens 270 sm Aktionsradius plus Reserve.

Der Wohnbereich unter Deck bietet zwei ordentlich gestaltete Kabinen mit vier Kojen plus zwei WC-Duschräumen, an denen es hinsichtlich der Platzverhältnisse nichts auszusetzen gibt. Auch die Pantry auf gleicher Ebene kann sich sehen lassen. Im Salon sitzt man an Steuerbord auf einer L-förmigen Bank hinter dem Fahrstand am Tisch und kann eine gegenüberliegende Sitzbank herbeiziehen. Das Platzangebot auf der Fly ist für diese Bootsgröße außerordentlich, und das Cockpit samt Cockpitsitzbänken kann sich durchaus sehen lassen.

Im Motorraum fehlen die Alarmsensoren an den Kraftstoffvorfiltern. Dafür zählen Hand- plus E-Lenzpumpen und Feuerlöschanlage zur Serie, wie auch Relaisgesteuerte Batteriehauptschalter und mechanische Ventile für den Dieselfluss. An der serienmäßigen Ausstattung ist wenig auszusetzen, es gibt aber noch Spielraum, sich sein Boot über die Zubehörliste  ganz individuell zu gestalten.

Fazit
Die Sealine F 380 bietet für ihre Größe reichlich Platz auf und unter Deck. Ein Boot mit guten und vor allem sicheren Fahreigenschaften, geeignet für Familie, Urlaub und Wassersport. Wenn man das eine oder andere Detail in den Griff bekommt, ist die F 380 ein ernst zu nehmender Mitbewerber. 

Peter Lässig am 14.09.2015