Jeanneau MF 755 Jeanneau Merry Fisher 755
Bootstests

Jeanneau Merry Fisher 755

Ralf Marquard am 09.07.2014

Mit der Merry Fisher 755 stellt Jeanneau ein kompaktes Kajütboot für Ausflüge aller Art vor – egal, ob es nun tatsächlich zum Angeln geht oder nicht.

Jeanneau Merry Fisher 755

Test Jeanneau Merry Fisher 755

Die Merry-Fisher-Reihe wurde ursprünglich fürs Angeln konzipiert und besitzt mit Angelrutenhalter und Staukästen die entsprechende Ausrüstung. Je größer die Boote jedoch werden, desto mehr Annehmlichkeiten, wie Dinette, Pantry, Toilette und Sonnenliege, sind möglich. Ein Umstand, der unser Testboot 755 zum Reise- und Urlaubsboot für zwei macht. Die wandelbare Dinette bietet außerdem noch zwei Kindern den nötigen Platz (oder erwachsenen Gästen eine Notkoje).

Jeanneau Merry Fisher 755

Test Jeanneau Merry Fisher 755

Die Einbauten zeigten sich, bis auf eine hängende Pantry-Tür, passgenau. Einen glänzenden Eindruck hinterlässt das Gelcoat, die Innenseiten sind (wie häufig) nur an den sichtbaren Stellen gestrichen, hinter den Kulissen sieht man teilweise das rohe Laminat. Anschnitte werden maschinell geschnitten, aber nicht versiegelt, Gleiches gilt großteils für die Einlegebretter. Einsehbare Beschläge und Scharniere befestigten die Techniker passend mit Durchgangsschrauben.

Fotostrecke: Jeanneau Merry Fisher 755

Als Fahrgebiet empfiehlt die Werft Binnenreviere und küstennahe Gewässer. Für den sicheren Transport ist ein Trailer mit 3000 kg Gesamtgewicht erforderlich, Schlepper sollte ein großer SUV oder Ähnliches sein. Außerdem wird bei 2,78 m Breite eine Sondergenehmigung benötigt.

Fahren und Manövrieren

Für die Motorisierung ist eine Vielzahl von Außenbordern möglich, maximal erlaubt sind 200 PS. Wir fahren unseren Test mit einem Yamaha F 150 inklusive Power-Trimm. Letzterer sollte auf "down" stehen, um möglichst schnell von Verdränger- in Gleitfahrt zu kommen. Gute Fahrt macht man ab etwa 4000/min (knapp 20 kn), was gleichzeitig die wirtschaftlichste Dreh-zahl kennzeichnet, denn mit 1,31 l/sm verbraucht der Yamaha in Gleitfahrt am wenigsten. Daraus errechnet sich mit einer Tankfüllung von 285 l abzüglich 15 %
Reserve eine stattliche Reichweite von 185 sm. Bei Vollgas (5600/min) erreichten wir eine Höchstgeschwindigkeit von über 30,5 kn und verbrauchten 1,77 l/sm, was wiederum eine Reichweite von 137 sm ergibt. Dickes Lob: Die Geräusche am Fahrstand lagen dabei deutlich unter 85 dB/A.

Enge Kurven und Kreisel bestimmt ein Luft schnappender Propeller. Nach etwa einer knappen Runde im Kreisel dreht er hoch, und man muss Gas wegnehmen und neu anfahren. In getrimmter Situation zieht er natürlich noch schneller Luft als in Stellung "down". Die normale, schnelle Wende auf dem Main bei Schweinfurt ist jedoch auch mit Fahrtrimm möglich. Auf Slalomkurse und Verreißen der Lenkung reagiert der Rumpf gutmütig. Von Sportbooten und Binnenschiffen erzeugte Wellen überspringt die Merry Fisher leicht-füßig und trocken. Wendig und direkt reagiert sie beim Manövrieren mit langsamen Geschwindigkeiten. Einfaches Geradeausfahren stellt auch kein Problem dar; bis auf geringes Gieren – was nur selten zu korrigieren ist – klappt die Sache.

Der Skipper lenkt das Boot von einem Sportsitz (leichte Ausführung) mit festen Polstern an einem gut erreichbaren Fisherman-Steuerrad mit Holzkranz. Seine Füße stehen dabei auf einem Kunststoffbrett, das man sich etwas tiefer wünscht; es hat so jedoch den Vorteil, dass der Fußraum großzügiger ausfällt, wenn man im Stehen fährt. Eine gute Idee ist der Mechanismus, um den gesamten Sitz nach vorn zu klappen – so lässt sich an der dahinter angeordneten Pantry mehr Platz zum Hantieren schaffen. Ähnlich der Beifahrersitz: Hier kann man die Lehne umstecken, um zwischen Esstischplatz oder Beifahrersitz zu wandeln.

Zum Festhalten gibt es einen breiten Griff über dem Ablagefach des Sozius. In der Seitenwand-Mulde verschraubt der Techniker Yamahas Einhebelschaltung, die sich ausreichend leichtgängig betätigen lässt; auf die Multifunktionsinstrumente und den Kompass ist der Blick, bis auf mäßige Spiegelungen, uneingeschränkt, bei der Sicherheitsglasscheibe stören teilweise vom weißen Fahrstand hervorgerufene Reflexionen. Auf unserem Testboot sorgen zwei (nur Fahrerseite ist Standard) Scheibenwischer mit Waschanlage für "Klarheit" bei Regen.

Motor, Tank, Elektrik

Kleine Arbeiten am Außenborder erledigt man von den beiden seitlichen Plattformen, für größere nimmt man die Merry Fisher aus dem Wasser. – Vom Motor zum Bordurchlass liegen Leitungen und Züge in einem Schutzrohr, im einsehbaren Innenraum halten Schellen und Kabelbin-der die "Strippen". Die Tankanlage zeichnet sich durch zwei Schellen an den Schlauchanschlüssen, gesicherten und ge-kennzeichneten Einfüllstutzen, sicher verbolztem Tank, Benzinhahn und Feuerlöschöffnung in den Tankraum aus.

Ein Spritfilter mit Schauglas ist ebenfalls vorbildlich. Jedoch hat er einen so ungünstigen Einbauort, dass man zum Entwässern oder Wechseln zuerst ein Brett entfernen muss.  Fest und sicher stehen die beiden 110-Ah-Batterien (1 x Extra) in stabilen Kunststoffkästen mit jeweils zwei Halteriemen und Belüftung. Geschaltet werden sie über zwei Knebelgriffe im Staukasten unter dem Cockpit. Die Sicherungen findet man gut zugänglich im Pantryschrank.

Sicherheit

In diesem Punkt überzeugt die Lenzanlage mit elektrischen Pumpen und Handlenzpumpe. Der Feuerlöscher ist für ein Außenborderboot ein passender Schutz. Wer aufs Vordeck möchte, nimmt das Seitendeck steuerbords (breiter als backbords); festhalten kann man sich an Handläufen am Kajütdach und der stabilen Reling.  Aus dem Wasser krabbelt man über eine lange Badeleiter mit Haltegriff; das Halteklettband der Leiter lässt sich jedoch vom Wasser aus nur schwerlich lösen.

Wohnen und Ausrüstung

Wer die Cockpitausstattung in Standardversion ordert, bekommt  einen spartanischen Open-Air-Bereich, denn die Polster der Sitzbänke kosten extra. Wer den passenden Tisch und die Umbaumöglichkeit zur Sonnenliege möchte, zahlt nochmals drauf. Gleiches gilt für das Bugsonnenpolster und die Heckdusche. Staumöglichkeiten stehen an Deck genauso reichlich zur Verfügung wie in Bugkabine und Salon. Für Letzteren bekommt man gegen Aufpreis ein Schiebeluk, das den Fahrerplatz und die wandelbare Sitzecke zum "Platz an der Sonne" macht.

Um einfache Gerichte zu kochen, gibt es einen 1-Flammen-Gaskocher. Auch ein Spülbecken und tiefer Stauraum im Pantryblock sind vorhanden. Der 42-l-Kühlschrank (inkl. Zusatzbatterien) mit Eisfach unter der gut gepolsterten Sitzecke kostet gut 1500 €. Um auch nachts die Toilettentür öffnen zu können, schrägt Jeanneau das Einlegebrett der bequemen Doppelkoje am Fußraum ab. Gelüftet wird die Toilette über ein Bullauge. Körperpflege am in die Form integrierten Becken erledigt man am besten auf der Toilette (Standard Chemie, gegen Aufpreis Pump-WC) sitzend.

Das Zubehör befindet sich teilweise in praktischen Ausrüstungspaketen. Einzeloptionen sind Landanschluss, Kabrioverdeck, Anker-Festmacherpaket. An die Leine gelegt wird das Boot an vier Klampen – der "Vielschleuser" vermisst allerdings die praktische Mittelklampe.  

Datenblatt: Jeanneau Merry Fisher 755

Werft: Jeanneau
Typbezeichnung: Jeanneau Merry Fisher 755
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 7,40 m
Breite (m): 2,78 m
Verdrängung (kg): 1,97 t
Preis: 49.806,00 €
Ralf Marquard am 09.07.2014