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Bootstests

Tendenz zur Perfektion

Peter Lässig am 30.06.2008

Diese Werft ist in Italien die wohl Beste. Perfektion ist in allem Tun der Antrieb. So auch bei der Cranchi CSL 28: eine feine Italienerin, jedoch mit kleinen Ecken und Kanten versehen.

Cranchi zählt nicht nur in Italien zu den Großen. Die Wurzeln reichen bis in das neunzehnte Jahrhundert, und als Werft machte Cranchi 1932 erstmalig von sich reden. Feinste Boote aus Holz fanden schnell ihre Kundschaft und seit 1970 solche aus Kunststoff. Heute gehört die Werft zu den modernsten auf dem Kontinent, und die Produktion ist bis ins Detail durchrationalisiert. Die Kunden können unter 18 Modellen, vom 28 Fuß langen Daycruiser bis hin zur 50-Fuß-Flybridge-Yacht, das Passende für sich aussuchen. Wir fahren eine CSL 28, einen 9,10 m langen Daycruiser mit zwei V6-Volvo-Penta-Motoren.

Mit „CSL“ meint die Werft „Cranchi Sports Line“. Cranchi hängt die Qualitätsmesslatte sehr hoch und spricht von 100 % Perfektion, die man erreichen will. Auf den ersten Blick scheint das gelungen.In der Optik leistet sich das Testboot keine Schwächen. Da glänzt das Gelcoat außen und der Schutzanstrich auf der Innenschale. Die Holzarbeiten vermitteln, dass die Werftarbeiter etwas von ihrem Fach verstehen. Das Boot lässt insbesondere das Herz eines jeden Technikers höherschlagen, wenn er in den nahezu perfekt gestalteten Motorraum schaut. Lässt man allerdings den Blick schweifen, schaut man allenthalben auf nicht verrundete und unversiegelte Schnittkanten im Kunststoff. Und wer in die Grifflöcher der Stauraum-Holzdeckel greift, fühlt scharfkantige Ecken. Überhaupt nicht akzeptabel ist eine unverdeckte Lüsterklemme in der Cockpitpantry. Hier sind 230 V im wahrsten Sinne des Wortes „zum Greifen nah“.

Fahren und Manövrieren: Ein Getriebe vorwärts und das andere rückwärts eingekuppelt drehen die CSL 28 auf dem Teller. Ansonsten beträgt der Kurvendurchmesser des Testbootes in langsamer Voraus- oder Rückwärtsfahrt zwei Bootslängen, wenn beide Schalthebel auf gleichen Positionen stehen. 1500/min gilt als Grenze bei Rückwärtsfahrt, um nicht den Heckeingang an Backbord zu überspülen. Den Geradeauslauf des Testbootes bestimmen synchron laufende Motoren.

Datenblatt CSL 28
Werft: Cantieri di Sarnico
CE-Kategorie: B
Verdrängung:  
Typ: Verdränger
Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge: 9,1 m
Breite: 2,83 m
Testmotor: 2 Volvo Penta 4,3 GXI-Motoren
Preis: 109.375 €
Peter Lässig am 30.06.2008