ABIM-Classic 124 ABIM-Classic 124

Test: ABIM-Classic 124

Aus Erfahrung gut

Ralf Marquard am 29.05.2019

Das reiselustige Familienunternehmen baut nicht nur Boote, sondern besitzt auch noch eine eigene Fahrschule

Was gibt es Schöneres, als mit dem Boot zu reisen. Natürlich nichts! So sieht es auch das Ehepaar Dinie und Peter Oord, die Gründer der ABIM-Werft. Damit jede Reise auch zum Genuss und nicht zum Stressfaktor wird, haben die beiden 2002 eine Fahrschule eröffnet, um ihren Kunden  (Neueinsteiger und auch langjährige Bootsfahrer) den richtigen Umgang mit einer Motoryacht beizubringen.

Der Fahrunterricht war auch lehrreich für Familie Oord, denn die Schüler haben ihnen natürlich ihre Probleme und Wünsche geschildert. Was liegt da näher, als mit diesen Erkenntnissen selbst Boote zu bauen.  So entstand die ABIM-Classic-Baureihe, das sind Stahl-Verdränger zwischen 11,40 und 15,40 m Länge. Aber nicht nur ihre Schüler und Kunden tragen zu ihrem Erfahrungsschatz bei, auch die vielen Ausflüge mit der eigenen ABIM geben immer wieder neue Impulse.

Peter Oord dazu: "Das Wichtigste ist der Fahrstand oben auf dem Achterdeck, denn die Reisenden wollen auch sehen, was hinter dem Deich liegt und stattfindet. Wir sind vor ein paar Jahren über den Mittellandkanal nach Berlin gereist, das war eine sehr interessante Fahrt, obwohl viele den Mittellandkanal ja langweilig finden."

Ein weiterer Punkt ist die geringe Durchfahrtshöhe: Mit klappbaren Scheibenrahmen und Mast liegen die ABIM-Classic-Boote bei 2,45 m. Unser Testrevier war das Fahrwasser um Ossenzijl. Bei einer Wassertiefe zwischen etwa 1,50 und 2,20 m bekommt man zwar mit einem Tiefgang von einem Meter bei der Test-ABIM 124 keine Grundberührungsprobleme, doch bei der Höchstgeschwindigkeit bremst die geringe Tiefe das Boot schon ungewollt ab.

Dass Vollgas auch bei einer größeren Wassertiefe aufgrund des Verbrauchs von 21,3 l/h nur wenig Sinn macht, liegt in der Natur der Sache. Die normalen Reisegeschwindigkeiten betragen etwa 5,5 kn bis 7,0 kn, daraus errechnen sich Reichweiten (mit dem 600-l-Dieseltank) von 810 sm bis knapp 500 sm plus die obligatorischen 15 % Reserve. Werte, die für eine Fahrtenyacht durchaus angemessen sind.

An unserem Testtag hatten wir eine Windstärke von etwa 4 bis 5 Bft. Dass sich diese besonders bei Böen auf die Kursstabilität auswirkt, ist mit dem hohen Cabrioverdeck nicht verwunderlich. Daher mussten wir ab und zu den Kurs leicht korrigieren. Wichtig dabei: das Boot einpendeln lassen und nur wenig gegenlenken. Wer eine schnelle, enge Kurve fährt, erlebt keine unangenehmen Überraschungen, denn das Boot legt sich nur wenig auf die Kurvenaußenseite und es rutscht dabei nichts vom Tisch. Weiteres Plus: Die Lenkung lässt sich leichtgängig bedienen und arbeitet exakt.

Um beim "Einparken" auf der sicheren Seite zu liegen, installiert die Werft auf unserer Exclusive-Version Bug- und  Heckstrahlruder serienmäßig.

Diese bedient man an einem Fahrstand auf dem Achterdeck. Für die Fahrt im Stehen ist das Steuerrad eine Nummer zu tief installiert, sitzend hat man dagegen alles voll im Griff. Und hierfür hat Peter Oord wieder einen praktischen Tipp: "Wir verwenden als Fahrersitz gern einen freistehenden Rudermannstuhl, den man im 90-Grad-Winkel zum Lenkrad stellt. So kann man das Ruder locker mit einer Hand bedienen. Größter Vorteil: Bei dieser Sitzposition hat man nicht nur nach vorn eine gute Übersicht, sondern auch nach achtern.

Das ist auf Kanälen mit viel Berufsverkehr sehr wichtig, denn so kann dich kein großer Pott plötzlich überraschen." Und zur guten Kommunikation mit der Crew auf der Sitzecke achtern, trägt die Sitzpostion ebenfalls bei. Damit die Sicht immer gut bleibt, gibt es große Folienfenster im Cabrioverdeck und für schlechtes Wetter einen Heizungsluftauslass im Cockpit sowie drei Scheibenwischer an der geteilten Windschutzscheibe.

Über einen Niedergang geht es in den Unterdecksbereich, der mit Salon (ausgerüstet mit Sofa, Dinette und Pantry), Gästekabine (Vorschiff), Eignerkabine (Achterschiff), Duschkabine und Toilettenraum aufwartet. Im Salonboden befindet sich ein Luk (mit Gasdämpfern), um an den Motor zu gelangen. Dort unten überzeugen saubere Installationen sowie die Tank- und Elektroanlage.

Bei der Sicherheitsausrüstung fehlt uns eine Handlenzpumpe (zwei elektrische sind Standard), auch die Feuerlöschanlage im Motorraum kostet extra, doch zwei Handlöscher spendiert ABIM serienmäßig, was dem BOOTE-Standard genügt. Bewegungssicherheit geben breite Seitendecks, eine solide Reling mit zwei Einstiegen (Schiebestangen mit Sicherung) und eine breite Treppe, die zur Badeplattform mit langer Leiter führt.

Um den Rumpf bei kleinen Remplern zu schützen, installiert die Werft eine dicke Wieling. Zum Festmachen bietet unsere Exclusive-Ausführung zehn Poller und vier Klampen. Außerdem ist diese Version absolut vollständig und reisefertig ausgerüstet. Allerdings kostet sie fast 70 000 Euro mehr als die Standardausführung. 

FAZIT

Die ABIM-Classic 124 ist ein gelungener Stahlverdränger, mit dem zwei Personen komfortabel reisen. Sie können dabei zwei Gäste prima in der Bugkabine mitnehmen. Ihre geringe Durchfahrtshöhe macht sie besonders für Binnenreviere interessant, die CE-Kategorie B weist sie selbstverständlich auch für Seegebiete aus.

Dieser Test erschien in Boote 03/2018

BOOTE Titel 3/2018

Außerdem im Test: Psea 40, Bayliner VR5 Cuddy, Sea Ray SDX 250 und Jeanneau Prestige 460 Fly, Reviere: Eriekanal (USA), Friaul-Julisch (Venetien), Skagerrak (Nordsee) 

Ralf Marquard am 29.05.2019