Absolute Navetta 48 Absolute Navetta 48

Test: Absolute Navetta 48

Lust auf Abenteuer

Peter Lässig am 28.01.2020

Auch die bislang kleinste Navetta bleibt der Linie treu: sie lockt mit den Qualitäten eines Trawlers und überzeugt mit dem Luxus einer Yacht

Sie ist die "kleinste" Navetta der italienischen Werft Absolute, die bislang auf Kiel gelegt wurde. Alle Modelle verfügen über das Erscheinungsbild eines Trawlers, denn sie erinnern an Langstrecken- oder Expeditionsfahrzeuge. Nur, den Begriff "Trawler" wird man auf der Werft-Website vergeblich suchen. "Wo Tradition Technologie trifft" heißt es dort.

Damit stehen die Türen zu beiden Seiten offen: Zu Überliefertem und Modernem, was insbesondere die Navetta 48 auch deutlich zum Ausdruck bringt. Zu ihr passen die Attribute unaufdringlich modern und zeitlos gediegen.

Fotostrecke: Absolute Navetta 48

Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Booten liegt in der Bauart. Zwar bilden auch bei Absolute Negativformen die Grundlage, doch während dann bei anderen Werften die Rumpfschale Stück für Stück ausgebaut wird, hat Absolute ein "Integrated Structural System" entwickelt. Hierbei werden alle Einbauteile (Böden, Wände und Schotts) mit computergesteuerten Fräsen und Sägen so vorgefertigt, dass man sie einfach nur noch zusammenstecken und später im Rumpf festlaminieren muss.

Anschließend wird das Deck samt Aufbau aufgesetzt und mit dem Rumpf fest verbunden. Erst dann werden alle später sichtbaren Oberflächen sowie die gesamte Technik eingebaut. Das Ergebnis sind überaus stabile Boote mit hohem Qualitätsniveau, in denen später auf dem Wasser sicher nichts mehr quietscht oder knarzt.

Ein weiteres Resultat dieser Bauweise spürt und sieht man, wenn man das Boot betritt, denn die Navetta 48 vermittelt ein großzügiges Raumgefühl und Platzangebot, wie man es sonst nur von größeren Yachten kennt. Space and light, Raum und Licht ist das Design-Konzept der Werft. Sicht- und fühlbar wird das nicht nur im Salon, der rundum zwischen scheinbar fragilen Stützen mit Glasfronten bestückt ist.

Es macht sich insbesondere bemerkbar, wenn man die Stufen zum Salon hinuntergeht und eine der drei Kabinen betritt. Den Zugang ermöglichen breite Schiebetüren, die unsichtbar zwischen den Wänden verschwinden.

Wie Absolute hier fast verschwenderisch Platz und Raum offeriert, wird mir erst ein paar Tage später bewusst, als ich ein 64-Fuß-Boot teste und mich dort durch halb so breite Kabinenzugänge quetschen muss. In der Navetta 48 schläft der Eigner in der Bugkabine, die den Vergleich mit einer Minisuite nicht zu scheuen braucht, und verfügt dort über ein eigenes Bad mit Vollausstattung.

Wo man sonst die Eignerkabine vorfindet, ist der Raum mittschiffs zwei Kabinen mit vier Schlafplätzenfür Gäste vorbehalten, die sich das Tagesbad teilen. Nicht zu vergessen: die Crewkabine mit Nasszelle im Heck, die sofern nicht als solche bestellt, dann als großer Stauraum fungiert.

Und on top entspannen Gäste dank reichlich Sitz- und Liegegelegenheiten auf der Flybridge und genießen einen kalten Drink von der Bar. Was die gesamte Verarbeitung, sowie die technischen und elektrischen Installationen angeht, bewegt sich Absolut auf höchstem Niveau und markiert damit mehr als nur einen Spitzenplatz.

Nur so viel, der Motorraum in der Navetta 48 ist einer der besten, die ich bislang betreten habe. Und, dass nicht nur unter Deck alle Sinne mit hochwertigen Materialien und feinster Verarbeitung verwöhnt werden, ist eine weitere Stärke von Absolute.

Beim Antrieb greift Absolute auf IPS600 und zwei 435-PS-Diesel von Volvo Penta zurück. Sie ermöglichen nicht nur sicheres und entspanntes Fahren, sondern  dank Joystick auch problemloses Manövrieren in langsamer Fahrt. Für IPS typisch fallen alle Manöver in Gleitfahrt moderat aus, da die Kurvenradien von Drehzahlen und Geschwindigkeit abhängen und somit Extremmanöver nicht stattfinden Kurvendurchmesser betragen in Marschfahrt knapp neun und in langsamer Fahrt eine Bootslänge. Drehzahlen und Tempo bestimmen auch die Reichweiten.

In langsamer Verdrängerfahrt (3 bis 6 kn) ermöglicht eine Tankfüllung Strecken von 1200 bis 1800 sm und in schneller Gleit- oder Marschfahrt (25 kn) von etwa 275 sm, plus 15 % Reserven jeweils, was unseren Anforderungen genügt. Bei Vollgas kommt sie noch etwa 250 sm plus Reserve weit.

Mangels Rauwasser und Wellen bleibt dieses Testkapitel unausgefüllt. Zumindest hat die Navetta 48 bei den Wellen anderer Yachten und den eigenen keine Schwächen gezeigt und angedeutet, dass sie mehr kann. Hin und wieder haben wir beim Eintauchen des Bugs in größere Heckwellen einen Hauch von Sprühwasser vernommen, was aber die Werft durch Modifikation der Trimmklappen in den Griff bekommen will.

Für An- und Ablegemanöver empfiehlt sich der Fahrstand im Salon, da hier der Skipper rund um das Boot alles gut einsehen kann. Auf der Flybridge ist der Fahrstand mittig angeordnet, die Sicht beim Anlegen ist daher etwas eingeschränkt. Beide Fahrstände sind mit Touchscreen-Monitoren ausgestattet, auf denen fast alles abgebildet wird, was mit Navigation, Boot oder Motoren zu tun hat.

Eine wirksame Schalldämmung sorgt für angenehme Akustik. Bei Vollgas zeigt unser Schalldruckpegelmesser im geschlossenen Salon 74 und im Cockpit 84 dB/A. Wie andere Werften stattet auch Absolute ihre Boote fahrfertig aus und ermöglicht mittels Zubehörliste den Wohn- und Fahrkomfort zu individualisieren.

Noch ein Detail, das für Absolute spricht: Die Navigationsbeleuchtung ist BSH-attestiert. Und, dass die Boote nicht nur den Geschmack der Kunden treffen, zeigt der Werdegang und die von Anfang an in regelmäßiger Reihenfolge stattfindenden Nominierungen zum Powerboat Award und zahlreichen Auszeichnungen.

Den Test lesen Sie in der Februar-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Peter Lässig am 28.01.2020