Atlantic Marine 720 DC Atlantic Marine 720 DC

Test: Atlantic Marine 720 DC

Auf Zack

Ralf Marquard am 01.06.2019

Sie hat alles, was ein ausgewachsener Day-Cruiser braucht. Den Antrieb übernimmt Mercurys Veradotechnik

Mit unserem Testboot der Atlantic  Marine 720 DC werden die meisten Skipper sicherlich keine monatelangen Reisen unternehmen, doch für den Kurztrip und die Wochenendtour ist sie schon geeignet. Denn in der Kabine mit Doppelkoje hat die Fahrgemeinschaft eine riesige Liegefläche, auf der neben zwei Erwachsenen auch noch ein Kind Platz findet.

Nutzt man die Bank als Sitzfläche, sieht es mit einer Kopffreiheit von 0,71 m für Erwachsene nicht so großzügig aus.

Atlantic Marine 720 DC

Neben dem Kabineneingang – bei dem man eine tiefen Schritt machen muss, um einzusteigen – steht eine Chemietoilette (knapp 200 Euro extra). Bei Nichtgebrauch wird sie unter den Cockpitboden geschoben. Ein Marineklo mit Fäkalientank ist gegen Aufpreis ebenfalls erhältlich.

Geht es um das Freiluftvergnügen, heißt natürlich der erste Platz "Cockpit". Hier steht eine L-Sitzbank, die man mit Einlegeböden (Extra) zu einer Liege wandelt. Diese Böden gehören zwar nicht zu den Leichtgewichten, bieten im Umkehrschluss jedoch eine gute Stabilität.

Zukünftige Modelle sollen laut Importeur gleiche Robustheit besitzen, jedoch eine Nummer leichter ausfallen.

Werden die Böden nicht gebraucht, lagern sie trocken und fest (Halter und Gurte) in einem Staukasten unter dem Cockitboden. Um die Fläche noch zu vergrößern, lässt sich die Lehne der Beifahrerbank nach vorn klappen.

Weiterer Kniff bei dieser Bank: Komplett mit Sitzfläche nach vorn geklappt, findet man darunter ein kleines Spülbecken und einen 1-Flammenkocher (beides Extra). Das reicht zum Frühstück machen oder Snacks zubereiten. Der elektrische Kühlschrank – um Lebensmittel frisch zu halten und Getränke zu kühlen – steht mit knapp 1761 Euro auf der Zubehörliste.

Extra zahlt man ebenfalls für die Sonnenpolster auf dem Bug und für das Luk, das man sich allein schon für eine bessere Durchlüftung in der Kabine wünscht.Wer sich eine Runde abkühlen möchte, klettert über die geteilte Badeplattform mit Leiter bequem in und aus dem Wasser. Nach dem Bad sorgt eine Heckdusche für salz- und schlammfreie Haut.

Atlantic Marine 720 DC

Fahren und Manövrieren

Für ein entspanntes Fahren platziert sich der Skipper auf einen verschiebbaren  Sitz mit dünnen und nicht besonders harten Polstern. Diese Einschätzung gilt für die gesamten Polster auf dem Boot. Hier wünscht man sich einfach eine Nummer härteren Schaumstoff.

Um den Fahrersitz mit in die Cockpit-Sitzgelegenheit zu integrieren, lässt sich seine Lehne ebenfalls umklappen. 

Zurück zum Fahrbetrieb: Stehende Fahrer schieben den Sitz ganz nach achtern und haben dann passenden Abstand zwischen Lenkrad und Sitzfläche.

Alle Bedienelemente sind gut zu erreichen, Lenkrad und Schaltung bekommen weitere Pluspunkte für Ihre Leichtgängigkeit und Exaktheit. Minuspunkte gibt es für den nicht serienmäßigen Kompass und fehlenden Scheibenwischer, an der sonst überzeugenden Windschutzscheibe.

Ein Sonderzubehör an unserem Testboot ist die automatische Trimmeinheit von Mente Marine, die die Trimmklappen regelt. Sie hält das Boot in einem vordefinierten Trimmwinkel und gleicht selbstständig Seitenlage aus.

Im Vollgasbereich wird die optimale Bootslage mit dem Powertrimm (etwa ½ auf der Anzeige) austariert. So getrimmt, erreichten wir immerhin 44,8 kn, was mit vier Personen Beladung und vollem Tank schon ein stolzer Wert ist.

Streckenläufer drosseln die Drehzahl auf 4500 und kommen – wie auch bei 4000 U/min – mit einer Tankladung minus 15 % Reserve 116 sm weit, was für diese Bootskategorie völlig ausreichend ist. Im Grunde ist der gesamte Geschwindigkeitsbereich aber zwischen 22 kn und 37 kn Marschfahrt tauglich.

Geht es mit der Atlantic in die schnelle Karussellfahrt, dreht der Rumpf mit getrimmtem Außenborder ohne zu mucken seine Runden, bis der Propeller Luft zieht. Dann heißt die Devise kurz Gas wegnehmen und schon geht es wieder los. Ohne Trimm geht es enger rum, und das Boot schaukelt in die eigene Welle ein.

Slalomkurse sind mit und ohne Trimm genauso  sicher fahrbar, wie das Manöver "Verreißen des Ruders". Auf langsamen Kursen sollte man unter 6 kn bleiben, damit die Heckwelle keine uferbedrohende Höhe annimmt. Ein leichtes, gleitertypisches Gieren gehört genauso dazu, wie der geringe Einfluss auf Gewichtsverlagerungen.

Hafenmanöver sind zielsicher und ohne hektisches Kurbeln am Ruder gut möglich.


Ausrüstung

Geht es um das Thema "Sicherheit" fehlt uns in der Standardausführung die Handlenzpumpe, die auch bei Stromausfall funktioniert. Um auf das Vordeck zu gelangen, führt der Weg über den Mitteldurchstieg in der Windschutzscheibe (abgerundete Ecken), den man über rutschfeste, breite Stufen erreicht.

Zum Festmachen spendiert die Werft vier passend große Klampen. Die Mittelklampe, die besonders beim Einhandschleusen von Vorteil ist, steht auf der Zubehörliste. Gleiches gilt für jegliche Art von Abdeckplanen und Cabrioverdeckteilen.

Bei den Installationen haben uns die Spritanlage mit dem fest verschraubten Tank, der Absperrhahn und der Benzinfilter – und hier insbesondere der elektrische Wasser-Alarmgeber – überzeugt. Leitungen und Schläuche sind fachmännisch gebündelt und befestigt.

Die gesamte Verarbeitung zeigt ein hohes Niveau. Das sind   beispielsweise versiegelte Kunststoffkanten und ein sauberer Schutzanstrich.

FAZIT

Die Atlantic 720 DC ist ein Daycruiser, der einiges zu bieten hat, allerdings muss man für den kompletten Komfort wie auf unsererm Testboot noch fast 17 500 Euro Aufpreis zahlen. Das Boot ist gut verarbeitet und macht mit Mercurys 250-PS-Verado Spaß und eine sportliche Figur. 

Diesen Artikel finden Sie in der April-Ausgabe 2018.

Ralf Marquard am 01.06.2019