Azimut Atlantis 51 Azimut Atlantis 51

Test: Azimut Atlantis 51

Glanz und Gloria

Peter Lässig am 13.12.2019

Azimut stellt sich verstärkt auf Kundenwünsche ein, die Umsetzung übernehmen Designer, die es wirklich können

Es ist Anfang Mai und ich befinde mich in Viareggio auf dem Versilia Yachting Rendez-Vous, einer kleinen aber exklusiven Bootsausstellung, die jährlich in dem norditalienischen Küstenort stattfindet. Letzte Nacht hat es geregnet und der Teppichboden, auf dem wir zu unserem Testboot laufen, trieft vor Nässe. Die Sonne tut ihr Übriges, es ist unheimlich schwül. Am Liegeplatz angekommen, strahlt mich passend dazu der goldene Rumpf einer Azimut Atlantis 51 an.

Fotostrecke: Azimut Atlantis 51

Atlantis ist eigentlich die Sportabteilung von Azimut, doch gibt es da auch noch die S-Collection, die zwar ebenfalls auf einen sportlichen Charakter, gleichzeitig aber auch auf Eleganz setzt. Azimut-Atlantis legt nun mehr Wert darauf, Kundenwünsche umzusetzen, außerdem wurden neben dem hauseigenen Designbüro auch die Neo-Designer Marco Biaggi und Filippo Salvetti beauftragt. Das Ergebnis ist das neue Flaggschiff Atlantis 51.

Sie läuft auch unter der Bezeichnung Open, was auf das Hardtop mit Schiebedach und offenem Cockpit zurückzuführen ist. Eine Glastrennwand, die wie Schiebetüren zu öffnen sein wird, ist in der Planung. Unter Deck versprechen drei Kabinen, zwei Bäder und Pantry samt Dinette Wohnkomfort für sechs Personen.

Die Verarbeitung ist außen wie innen auf hohem Niveau. Die Sicherheit ist mit vorhandener Feuerlöschanlage, zwei Handlenzpumpen und Wasseralarmsensoren in den Kraftstoffvorfiltern erfüllt. Für besseren Halt wünscht man sich dagegen mehr Handläufe. Bemerkenswert: Das Boot kommt im Notfall mit einem Motor in Gleitfahrt, dann reicht eine Tankfüllung für immerhin 160 sm plus 15 % Reserve.

Betritt man die Atlantis 51 von achtern, führt der Weg über eine ausfahrbare Gangway zum Cockpit, vorbei an einer großen Hecksonnenliege. Über einen, für diese Bootsklasse breiten Gang erreicht man den Salon, der von einem Hardtop überdacht wird. Hier befindet sich die Sitzgruppe mit einem verstellbaren Tisch an Backbord und gegenüber angeordneter Couch, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat.

Hinter der Rückenlehne steckt ein großer Flachbildschirm, und die Sitzfläche besteht aus zwei Hockern, die sich mit einem Handgriff leicht zum Tisch hinziehen lassen und dort die Anzahl der Sitzplätze erhöhen. Frische Getränke holt sich der Skipper aus der Cockpitpantry, die direkt hinter dem Fahrstand liegt. Gegenüber kann man es sich auf einem kleinen Diwan gemütlich machen. Durch das Hardtop sitzt man geschützt vor Sonne, Wind und Regen, trotzdem gelangt reichlich Licht durch die großen Fenster hinein.

Den Weg in den Wohntrakt nach unten gewährleistet ein breiter Niedergang. Dort überrascht die über die gesamte Bootsbreite reichende Pantry samt Dinette. Von hier gelangt man nach vorn in die Bugkabine. Das Raumangebot ist verblüffend verschwenderisch mit viel Licht. Der Grund: Es handelt sich hier um die Eignerkabine, die selbstredend noch über ein großes Bad mit separater Duschkabine verfügt.

Und auch die beiden weiteren Kabinen hinter Pantry und Dinette haben Zugang zu einem Tagesbad und sind mit überaus edlen und fein verarbeiteten Materialien ausgestattet. Die Kabine an Steuerbord bietet zwei Einzelkojen, die zu einer großen Queensize-Liege zusammengeschoben werden können. Die dritte Kabine gegenüber ist mit zwei Etagenkojen ausgestattet, von wo aus man am Fußende auf einen Flachbildschirm blickt.

Insgesamt kann das Raumangebot unter Deck der Atlantis 51 als opulent bezeichnet werden und markiert damit in der Bootsklasse einen Spitzenplatz. Absolut gelungene Designer-Zusammenarbeit, Chapeau!

Der Motorraumzugang hingegen ist ein Design-Opfer zugunsten der großen Tender-Garage, denn er befindet sich an Deck im Cockpitboden. Der Einstieg fällt so schmal aus, dass man nur mit Mühe hinunter zu den Motoren gelangt. Ist man erst mal unten, geht es zwar eng zu, aber es reicht für tägliche Kontrolle und Service.

Zwei Volvo Penta-Diesel mit IPS-Antrieben sorgen für den Vortrieb. IPS heißt auch immer, dass ein Joystick vorhanden ist, mit dem das Boot in langsamer Fahrt überall hingefahren und manövriert werden kann. Das erleichtert vor allem die An- und Ablegemanöver. IPS bedeutet aber auch, dass während der Fahrt nichts Spektakuläres passiert, wenn man Extremmanöver provoziert.

Kurvendurchmesser sind abhängig von Drehzahlen und Geschwindigkeit – wer enge Kurven fahren will, muss Gas wegnehmen. Außerdem hebt sich der Bug während der Fahrt nach oben, was mitunter die Sicht beeinträchtigt. Auf dem Testboot verhindert das aber eine feine Trimmautomatik, die für den richtigen Trimmwinkel und beste Voraussicht sorgt.

Die Trimmautomatik beeinflusst aber auch Tempo und Verbrauch, weshalb ich erst einmal mit und dann noch einmal ohne messe. Der Unterschied macht sich ab 1600 U/min, dem Gleitbeginn des Bootes, bemerkbar und ist absolut marginal. Während die Werft 27 kn als Marschfahrt postuliert, stelle ich fest, dass 1800 U/min oder 14 kn Fahrt als verbrauchsoptimierte Fahrt herangezogen werden kann.

Und da misst der Unterschied zwischen Fahren mit und ohne Autotrimm 16 sm in der Reichweite, die sich auf 216 zu 200 sm plus 15 % Reserve beziffert. Unsere Anforderungen sind damit nicht erfüllt.

Mangels Rauwasser bleibt dieses Kapitel unbeantwortet. Zumindest hinterlässt die Atlantis 51 beim Durchfahren eigener Wellen guten Eindruck. Kurvenfahrten über Backbord verhilft ein offenes Schiebedach zu besserer Seitensicht, geschlossen wird es zum Blindflug, was aber bei Booten mit tiefem V-Rumpf und Hardtop als fast normal gilt. Es kommt jedoch kein unsicheres Gefühl auf, die Fahreigenschaften können als sicher und familienfreundlich bezeichnet werden.

Die Ausstattung des Fahrstands lässt keine Wünsche offen, Elektronik dominiert, ein Analogkompass ist vorhanden und die Bestuhlung fällt bequem aus.

Nur das Drucktastenpaneel unter dem Steuerrad für Zündung und Start soll einen anderen Platz bekommen, da man die Tasten unbeabsichtigt mit dem Knie betätigen kann – was auch während des Tests passiert ist. 


FAZIT

Die Atlantis 51 hat Klasse. Abgesehen vom Motorraumzugang ist sie ein sehr gelungenes Boot mit reichlich Platz an und unter Deck. Sichere Fahreigenschaften runden das Bild ab. Tankstellen sollten im Voraus gespeichert sein, wenn man längere Strecken fährt.

Diesen Test lesen Sie in der Januar-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Peter Lässig am 13.12.2019