Bayliner VR5 Bayliner VR5

Test: Bayliner VR5 Cuddy

Drei, zwei, eins

Peter Lässig am 14.06.2019

Die Plattformbauweise von Bayliners VR5 vereinfach die Modellvariationen. Anders ausgedrückt: Der Kunde hat die Wahl

Fotostrecke: Bayliner VR5 Cuddy

Man muss das Rad nicht immer gleich neu erfinden. Das denken sich auch Automobil- und  zunehmend Bootsbauer, die bei der Entwicklung neuer Modelle auf das sogenannte Plattformprinzip setzen. Dabei werden auf eine technische Basis, beim Boot also auf den Rumpf, verschiedene Modelle aufgebaut. Bayliner verwendet dieses Prinzip bei der VR5, die es nicht nur wie in unserem Test als Daycruiser, sondern mit gleichem Rumpf und anderem Aufbau auch als Bowrider (siehe auch Boote 3/2016) gibt.

Als Besonderheit kann man jeweils noch zwischen Einbau- oder Außenbordmotor wählen. Der Außenbordmotor hängt an einer Vorrichtung, die am Heck hinter der Badeplattform angebracht ist – auch Bracket genannt.

Der Vorteil: Die Plattform bleibt erhalten, und der Platz für den Einbaumotor dient dann als Stauraum. Wir fahren das Boot mit einem V6-Benzin-MerCruiser mit Katalysator, ein 170-PS-Diesel ist Option. Hinsichtlich der gesamten Verarbeitung hinterlässt unser Testboot durchweg einen guten Eindruck. Wer das Boot über Land transportieren will, braucht ein Zugfahrzeug, das mindestens 2200 kg auf den Haken nehmen darf.

Fahren und Manövrieren

Vollkreise durchmessen mit kleiner Drehzahl (700 U/min) sowohl mit vorwärts, als auch rückwärts eingelegtem Gang maximal eineinhalb Bootslängen, was das Manövrieren auf engem Raum vereinfacht. In Rückwärtsfahrt lässt sich die VR5 ebenfalls gut navigieren. In langsamer Vorausfahrt (4 kn) machen sich Gewichtsverlagerungen im Boot auf Kurs und Krängung bemerkbar. Vom Boot erzeugte Wellen bleiben bis Tempo 6 kn oder 1500 U/min auf akzeptabler Höhe. 

Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt ist mit kurzer Sichtbehinderung verbunden. Ohne Verzögerung beschleunigt der 200-PS-V6 unser Testboot bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von knapp über 40 kn. Dass dabei der Motor 50 U/min mehr dreht als der Hersteller erlaubt, liegt am niedrigen Beladungszustand und zeugt von einem passenden Propeller.

Mit 14,1 Sekunden messen wir die Beschleunigung von null auf 40 kn und mit Tempo 16 kn die kleinste Gleitfahrt.


Nach Auswertung unserer Messwerte zeigt sich, dass man mit dem Testboot bei einer Geschwindigkeit von 22 kn und 3000 U/min in schneller Gleitfahrt am wirtschaftlichsten unterwegs ist. Dann reicht eine Tankfüllung für einen theoretischen Aktionsradius von 101 sm plus 15 % Reserve.

Soll erfüllt, Note Gut.

Bei Vollgas sollte man sich nach rund 70 sm nach einer Bunkerstation umschauen, und in langsamer Fahrt kann man sich noch ungefähr 9 sm mehr Zeit lassen, bevor es an die Reserven geht.


Bei den mit Höchstgeschwindigkeit gefahrenen Extremmanövern messen wir die Kurvendurchmesser über Backbord kleiner als die über Steuerbord. Und während die über Backbord gefahrene 180°-Wende in einem Rutsch ohne Schaukeln oder Einhaken des Rumpfes abläuft, ist das gleiche Manöver über Steuerbord mit ein paar extra Schaukelbewegungen verbunden.

Die dabei entstehenden Fliehkräfte sind aber noch im grünen Bereich, wie auch unser Messgerät bestätigt. Bei der Fahrt auf der imaginären Slalombahn bringen wir das Testboot gefahrlos über die Längsachse zum Pendeln, und beim Verreißen des Ruders folgt es klaglos dem eingeschlagenen Kurs.

Auch die immer enger verlaufenden Kurven durchfährt die VR5 ohne viel Aufhebens. Lediglich über Backbord, da die Kurve enger gefahren wird, jault unser MerCruiser an der engsten Stelle mal kurz auf, weil der Aluminium-Propeller kurz ins Leere greift, ohne aber vollends den Halt zu verlieren. Wellen oder raues Wasser: Fehlanzeige. Einzig die Berufsschifffahrt produziert ein paar Wellen, die aber keine große Aufgabe an den Rumpf der Bayliner stellen. 

Insgesamt vermittelt die VR5 Cuddy ein positives Gefühl während der gesamten Testsequenzen und verdient für ihre Fahreigenschaften die Note "Gut".

Bayliner VR5 Cuddy


Einzig der Fahrersitz ist eher für schlanke Hintern konstruiert worden. Bei kräftigeren Personen drücken die Seitenwangen der Sitzschale unangenehm. Darüber hinaus ist die Rückenlehne recht kurz und zu weit nach achtern geneigt. Der Sitz lässt sich außerdem nicht weit genug nach vorn schieben, um die Lenkung locker zu erreichen. Der Beifahrer sitzt währenddessen vorn auf der wandelbaren Cockpit-L-Sitzbank ohne große Komforteinbußen.


Allerdings macht einem auch der Lautstärkepegel zu schaffen. Bei 4000 U/min zeigt unser Schalldruckpegelmesser schon 85 dB/A an – mit zunehmender Tendenz.

Der Arbeitsplatz des Skippers erscheint aufgeräumt, neben den Analoginstrumenten ist noch Platz für Elektronik. Echolot und Scheibenwischer kosten extra, beim Kompass ist nicht erkenntlich, ob er dabei ist oder nicht. Was stört, sind die Reflexionen in der Windschutzscheibe.


Technik und Sicherheit

Möchte man den Motorraumdeckel anheben, muss man die Polster der Hecksitzbank wegnehmen und den Deckel vom Heckdurchgang an Steuerbord herunterklappen. Dann blickt man auf einen Motor, an den man von allen Seiten gut herankommt, wie auch an den hinteren Teil vom Kraftstofftank.

An Backbord sind Wassertank, Batterie und Hauptsicherungen untergebracht. Die restlichen Sicherungen befinden sich weniger gut zugänglich unter dem Armaturenbrett, der Batteriehauptschalter im Staufach der Backbordsitzbank.

Minus: Ein Kraftstoffhahn fehlt und beim Spritreinigen muss man sich auf den Motorenhersteller verlassen.

Außerdem fehlt eine Handlenzpumpe. Dafür gibt es einen automatischen Feuerlöscher im Motorraum, sauber verlegte Technik und geschützte Schottwanddurchbrüche sowie ein selbstlenzendes Cockpit außenbords.


Tag und Nacht

Der erste Weg ins Boot führt über den Eingang am Heck, der zweite über’s Vordeck, klappbare Windschutzscheibe und Stufen in der Kabinen-Schiebetür.


"Daycruiser" bedeutet, der Schwerpunkt liegt beim Tag. Das Cockpit soll jedenfalls gemäß CE mit Einstecktisch, drehbarem Skipperstuhl und wandelbarer L-Sitzbank Platz für bis zu acht Personen zum Sitzen bieten. In der Kabine kann man zu zweit nächtigen, wenn zuvor Einlegebretter und -polster die V-Sitzbank zur Liege wandeln.

Eine moderate Standardausrüstung bietet gestalterischen Freiraum für viele Extras, die in Paketen gebündelt sind. Uns fehlen die in Deutschland zugelassenen Navigationslampen, eine Abdeckplane und ein Verdeck, was wir abwerten.

Zwar gibt es sechs Belegklampen, doch die beiden am Bug sind vom Steg aus nur schwer zu belegen.

Das Stauraumangebot ist ausreichend groß, außerdem verfügt das Boot über Zugösen vorn und achtern sowie einen Wasserskihaken über der Plattform. Den serienmäßigen Ankerkasten vorn kann man gegen Aufpreis mit Elektrowinde, Kette und was dazugehört ausstatten.

An das nach vorn abfallende Vordeck muss man sich gewöhnen und bewegt sich dort wegen der niedrigen Reling besser nur gebückt. Dafür bietet es genug Platz zum Sonnen.

FAZIT

Die VR5 Cuddy ist ideal für den kurzen Urlaub mit Trailer, kleine Spritztouren und auch für Wassersportler, wenn sie die Extraliste berücksichtigen. Die Verarbeitung kann sich sehen lassen.  

Diesen Test lesen Sie in der März-Ausgabe 2018 von BOOTE.

Peter Lässig am 14.06.2019