Beneteau Flyer 8 Spacedeck / Sundeck Beneteau Flyer 8 Spacedeck / Sundeck

Test: Beneteau Flyer 8 Sundeck / Spacedeck

Auf dem Luftkissen

Peter Lässig am 29.01.2020

Im Vergleich: Beneteau Flyer 8 Sundeck und Flyer 8 Spacedeck: Gleicher Air-Step2-Rumpf, identischer Motor, aber verschiedene Layouts

 

Nach der erfolgreichen Präsentation der Beneteau-Flyer-Modelle 5, 6 und 7, ist eine Flyer 8 nur die logische Konsequenz. Es gibt sie als Sun- und Spacedeck. Sun bedeutet Sonne und Space steht für Raum oder Platz. Als Antrieb kommt ein Außenbordmotor bis maximal 350 PS Leistung ans Heck. Wir fahren die Boote mit je einem V6 von Suzuki, die ihre 350 PS über gegenläufige Edelstahl-Doppelpropeller ins Wasser bringen. Wie alle Modelle zuvor, verfügt auch die Flyer 8 über die sogenannte "Airstep Technologie", mit der während der Fahrt gezielt Luft unter den Rumpf eingeleitet wird. 

Die Stufen erzeugt einen "Luftteppich", der den Widerstand verringern und somit den Verbrauch reduzieren soll. Darüber hinaus, so die Werft, diene das auch dem Fahrkomfort und der Sicherheit.

Beide Testkandidaten zeigen hinsichtlich der gesamten Verarbeitung keine großen Schwächen. In der Sundeck gefällt die doppelschalige Bauweise in der Kabine, dagegen stört dort die scharfe Kante im Eingangsbereich als Resultat der Verklebung. Da der Raum unter dem Fahrstand in der Spacedeck weniger dem Aufenthalt dient, verzeiht man darin den Blick auf das gestrichene Laminat.

Beiden Booten gilt aber auch Kritik, was die technischen Installationen, den Montageort der Kraftstoffvorfilter und die nicht vorhandenen Wasseralarmsensoren betreffen. Lob hingegen gebührt den mit Kantenschutz versehenen Schottwanddurchbrüchen sowie den elektrischen Installationen. Hinsichtlich der Sicherheit zählen selbstlenzende Cockpits nach außenbords und elektrische sowie manuelle Handlenzpumpen zum Standard. Hauptschalter und Sicherungen sind gut zugänglich montiert.

Fotostrecke: Beneteau Flyer 8 Spacedeck

Beide Boote sind im Heck- und Cockpitbereich identisch und verfügen über einen baugleichen Fahrstand. Dank der Kunststoff-Schiebetüren gelangt man in der Sundeck in eine Kabine und im Schwesterboot in einen großen Stauraum. Während die Spacedeck eher als Tagesboot gedacht ist, können auf der Sundeck dank wandelbarer V-Sitzbank auch mal zwei Personen unter Deck übernachten oder am Einstecktisch dinieren.

Die Sundeck verfügt über einen separaten Raum, der im Testboot mit einem WC ausgestattet ist. Im Schwesterboot steht das Klo unter dem Fahrstand frei im Raum. In der Sundeck ist am Niedergang ein Möbelstück mit Spüle und Kühlschrank installiert, in der Spacedeck nur mit Kühlschrank. Aufgrund der Bauweisen muss man bei beiden Booten unter Deck bei den Stehhöhen Kompromisse eingehen.

Die Spacedeck ist wie bei einem Bowrider vorne offen und bietet im Bug Platz zum Sitzen und Dinieren, sofern ein Tisch eingesteckt ist. Oder zum Sonnen, wenn der Tisch abgesenkt und mit Einlegepolster bedeckt ist. Cockpit und Bug liegen auf einer Ebene, und der Weg nach vorn führt seitlich am Fahrstand vorbei.

Auf der Sundeck gelangt man über Stufen seitlich vom Fahrstand nach vorn zur Sonnenliege. Bei beiden Versionen bieten die stabilen Rohrrahmen um die Windschutzscheibe sowie das Bimini-Gestänge und eine Handlauf-Reling Halt. Ein großer Ankerkasten in der Bugspitze zählt jeweils zum Standard, Bugbeschlag oder Winsch nicht.

Fotostrecke: Beneteau Flyer 8 Sundeck

Auf Wunsch lässt sich auf dem Bugkorb ein Brett und dazu eine Klapp-Teleskopleiter anbringen, was das Ein- und Aussteigen erleichtert. Sechs Doppel-T-Belegklampen und Zugösen vorn sowie achtern helfen beim Belegen am Steg oder Verzurren auf dem Trailer.

Die Boote betritt man vorwiegend von achtern über eine der beiden Badeplattformen, wobei die an Backbord unter einem Deckel jeweils eine Klapp-Teleskopbadeleiter beinhalten.

Kritik: Der Deckel erschwert die Handhabung der Leiter vom Wasser aus.

Lob: Ein Haltegriff hilft beim Auf- oder Abstieg. Über beiden Motorwannen befindet sich ein großer Edelstahlbügel, der beim Betreten des Bootes Halt bietet und zudem als Zugvorrichtung für Wasserski- oder Wakeboardfahrer dient. Er ist so weit achtern montiert, dass man vor dem Motor bequem das Boot queren kann, wenn man die Steuerbordplattform als Einstieg wählt oder dort den Bodenstaukasten benutzen möchte.

Im Cockpit gibt es je eine durchgehende Hecksitzbank und zwei in den Cockpitseitenwänden untergebrachte Klappsitze. Zur Komplettierung der Runde um den Einstecktisch lassen sich noch die Sitzmöbel von Fahrer und Co am Fahrstand drehen. Sowohl bei der Sun- als auch bei der Spacedeck ziert Teak (Aufpreis) alle begehbaren Flächen im Außenbereich.

Für Sonnenanbeter lässt sich die Rückenlehne der Hecksitzbänke leicht zur Liege nach achtern umlegen, zum Aufrichten klappt man sie einfach wieder hoch und lässt die Arretierung einrasten.

In der Mitte des Cockpits eröffnet eine große Bodenluke den Zugang zur Technik. Hier befinden sich Batterien, Fäkalientank, diverse Pumpen, der Stauplatz der Tischplatte, Kraftstoffhahn und Kraftstoffvorfilter. Mehr Stauraum bieten die beiden Boden-Seitenluken plus Hecksitzbank. Gegen Aufpreis sind fest montierte Stoffbedachungen erhältlich, die vor Sonne und Regen schützen.

Die gut verstellbaren Schalensitze geben auch einen ordentlichen Seitenhalt. Für erhöhtes Sitzen oder Fahren im Stehen, klappt man den vorderen Teil der Sitzfläche zurück. Auf beiden Booten gibt es Kunststoff-Windschutzscheiben, die ihre Aufgabe gut erfüllen. Dass es keine Scheibenwischer gibt, ist der Bauart geschuldet.

Auf der Sundeck ist im Armaturenbrett ein Touchscreen von Garmin verbaut, der Navigations- und Motordaten anzeigt. Weitere Informationen liefert ein separates Display von Suzuki. Auf der Spacedeck-Version ist das Ganze in einem einzigen Monitor von Suzuki zusammengefasst, der sich während des Tests beharrlich weigert, klare Anzeigen zu liefern.

Beim ersten Blick vermisst man einen Kompass. Der ist aber vom Skipper schlecht einsehbar links vom Armaturenbrett über dem Eingang montiert.

 

Fahren und Manövrieren

In langsamer Fahrt reagieren die Space- sowie Sundeck auf Rudereinschläge mit direktem Kurswechsel. Bei Vorausfahrt ist der Geradeauslauf mit leichtem Gieren verbunden,  zurück reagiert das Boot ohne Versatz. Drehkreise durchmessen bis zwei Bootslängen. An- oder Ablegemanöver stellen mit den Testkandidaten kein Problem dar. Das optionale Bugstrahlruder wird lediglich bei störendem Seitenwind oder seitlicher Strömung benötigt.

Mit bester Voraussicht gehen die Testboote von Verdränger- in Gleitfahrt über und beschleunigen zügig bis zur Höchstgeschwindigkeit. Von 0 bis 60 km/h messen wir bei der Spacedeck 8,8 und bei der Sundeck 8,3 Sekunden.

Mit 45,3 kn liegt die Sundeck bei der Höchstgeschwindigkeit kaum messbar vor der Spacedeck. Und das, obwohl die Sundeck laut Werft 80 kg mehr auf die Waage bringen soll und auf den Motoren gleiche Propellersätze montiert sind. Auf der Sundeck dreht der V6 außerdem maximal 6200 U/min und auf der Spacedeck ganze 150 U/min weniger. Unterschiede zeigen sich auch nach Auswertung der Messdaten bei wirtschaftlicher Gleitfahrt.

Auf der Spacedeck ist man zwischen 3500 und 4000 U/min und Tempo 20 bis 25 kn am wirtschaftlichsten unterwegs. Auf der Sundeck sind es 4000 U/min und 26 kn Fahrt. Die Sundeck kommt mit einer Tankfüllung theoretisch 188 sm weit und die Spacedeck 171–172 sm einen Tick weniger, plus 15 % Reserven jeweils.

Somit sind unsere Anforderungen bei beiden erfüllt. Unterschiedliche Messwerte auch beim Schalldruck: Auf der Sundeck messe ich bei Marschfahrt oder 4000 U/min 85 dB/A und auf der Spacedeck erscheint dieser Wert erst bei 4500 U/min. Zu laut sind beide bei Vollgas.

Pluspunkte sammeln die Rümpfe während der schnell gefahrenen Extremmanöver. Die Flyer haben alles gutmütig über sich ergehen lassen, ohne negative Einwirkung auf die Insassen.

Während der immer enger verlaufenden Kurven neigen sich die Boote dem V-Rumpf gehorchend zum Kurvenmittelpunkt und bremsen sich allmählich bis zur niedrigsten Gleitgeschwindigkeit und engsten Stelle von etwa zwei Bootslängen Durchmesser ab. Sind die Motoren ganz beigetrimmt, bleiben die Edelstahlpropeller kraftschlüssig und schieben die Boote dann ohne Mühe wieder aus der Kurve.

Mit getrimmten Motoren schnappen die Propeller früh nach Luft und ventilieren. Das bedeutet neu anfahren. Während der 180°-Wenden (Ruder auf Volleinschlag) enden die Manöver in eher engen Kurven mit dem Ergebnis, dass in letzter Konsequenz das Bootsheck ohne Einhaken oder Schaukeln wegrutscht.

Bleibt der Motor ganz beigetrimmt, greifen die Propeller erst im Kurvenscheitelpunkt ins Leere und optimal getrimmt beginnen die gegenläufigen Edelstahlpropeller schon beim Einlenken zu ventilieren. Wer das Ruder schnell genug von einer Seite zur anderen dreht, bringt die Flyer 8 ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln.

Punktlandung bei dem Thema Rauwasser. Beide Boote bewältigen auf dem Mittelmeer vor Porto Ginesta auch Kreuzwellen ohne allzu große Komforteinbußen. Der Werftaussage, dass der Flyer-Rumpf dank neuester Air-Step2-Technologie sicher fährt, ist nichts hinzuzufügen.

Kritik gilt ausschließlich der hydraulischen Steuerungsanlagen, insbesondere bei schnellen Lenkbewegungen und beim Heraussteuern aus Kurven erfordert es sehr viel Kraft in den Armen.

Hinsichtlich der Ausstattung kann der Käufer sich sein Boot selbst gestalten. So kosten zum Beispiel Kompass, Echolot, attestierte Navigationslampen, Toiletten oder Abdeckplanen Aufpreis. 

FAZIT

Beide Beneteau Flyer 8 werden fast jedem Anspruch gerecht. Sie eignen sich als Tagesboot oder für längere Ausflüge. Wer sie Trailern möchte, braucht ein Zugfahrzeug, das 3 Tonnen auf den Haken nehmen darf. Die V6-Suzuki-Motoren bringen dank der Doppelpropeller und 350 Ps alles mit, um jede Art von Wassersport zu betreiben, oder aber einfach nur gemütlich unterwegs zu sein. Hinsichtlich der Fahreigenschaften gibt es an den Flyer 8 nichts auszusetzen.

 

Diesen Test lesen Sie in der Februar-Ausgabe 2019 von BOOTE.

Peter Lässig am 29.01.2020
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