Boston Whaler 250 Outrage Boston Whaler 250 Outrage

Test: Boston Whaler 250 Outrage

Petri Heil

Dieter Wanke am 27.02.2020

Boston Whaler 250 Outrage: Gute Fahreigenschaften und eine Topverarbeitung kennzeichnen den Anglertraum

Beim Anblick der Boston Whaler 250 Outrage dürften nicht nur passionierte Angler ins Schwärmen geraten. Der neue Centerkonsoler aus Edgewater, Florida spielt alleine durch seine Bauweise in einer eigenen Liga, denn alle Boote der Traditionsmarke sind aus zwei GFK-Schalen aufgebaut, deren Zwischenräume komplett ausgeschäumt werden.

Dieser Aufbau macht die Boote überaus robust, verwindungssteif und unsinkbar. Bei guter Pflege ist deshalb ein überdurchschnittlich langes Leben garantiert. Die aufwendige Konstruktion hat auch einen Nachteil, denn die Fertigungskosten sind höher, was sich im Kaufpreis niederschlägt. Der relativiert sich aber spätestens beim Wiederverkauf, denn auf dem Gebrauchtmarkt sind die Boote bei Kennern beliebt.

Fotostrecke: Boston Whaler 250 Outrage

Dabei ist die 250 Outrage nicht nur für Angler einen Blick wert. Da die Zentralkonsole auf beiden Seiten breite Durchgänge bietet, die von relativ hohen Bordwänden flankiert werden, ist für eine hohe Bewegungssicherheit an Bord gesorgt. Das dürfte auch Familien gefallen.  

Zahlreiche Sitzgelegenheiten gibt es außerdem. Fahrer und Beifahrer können auf der Sitzbank hinter der Konsole Platz nehmen, die über zwei einlaminierte Fußstützen verfügt. Durch das Hochklappen der vorderen Sitzflächen-Segmente wird daraus ein Stehsitz.

Die Unterkonstruktion ist ebenfalls zweischalig und mit Schaum gefüllt, sodass das integrierte Hälterbecken sowie alle anderen Stauräume isoliert sind. Wahlweise gibt es hier einen Kühlschrank. Man hat also mehrere Stauräume zur Verfügung, die mithilfe von Eis größere Getränkereserven kühl halten können. Oder eben den Fang. Für den sind eigentlich die beiden langen Fächer an Backbord und Steuerbord im Boden des selbstlenzenden Cockpits vorgesehen. Aus der Rückwand lässt sich bei Bedarf eine Polsterbank für zwei Personen ausklappen, die bei Nichtbenutzung die Verwendung der montierten Rutenhalter nicht beeinträchtigt. Nur Handläufe zum Festhalten suchen die Passagiere hier leider vergeblich.

Im Boden vor der Bank gestattet eine Serviceklappe den Zugang zu fast allen im Boot befindlichen Pumpen. Den Ausstieg auf die kleine Badeplattform sichert eine Tür an der Steuerbordseite. Viel Platz steht aber nicht zur Verfügung, insbesondere, wenn zwei Motoren montiert sind. Für Wasserratten sind eine Heckdusche und die Teleskop-Badeleiter vorhanden, die erst nach dem Hochklappen der Abdeckung zum Vorschein kommt. Angler können hier ihren Fang an Bord bringen. An der Innenseite der Bordwände im Cockpit befinden sich vier integrierte Befestigungsvorrichtungen für den sicheren Transport von Angelruten zu ihrem Einsatzort.

In der Konsole gibt es einen großen Stauraum, der durch die Tür an Steuerbord betreten werden kann. Der verfügt über eine Stehhöhe von 1,69 m und bietet in der Grundausstattung eine Pumptoilette sowie ein Luk zum Lüften. Optional sind eine Vakuumtoilette sowie eine Dusche zu haben. Außerdem sind hier die Zündschalter (am Steuerstand gibt es nur Start-Stopp-Knöpfe), drei Bordbatterien, die Batteriehauptschalter und die Sicherungen montiert.

Breite Durchgänge neben der Konsole führen zum Bug. Die Rahmenkonstruktion mit zahlreichen Haltemöglichkeiten an dem optionalen T-Top mit fünf weiteren Rutenhaltern samt stabilen Handläufen an der Innenseite der hohen Bordwände, sichern den Weg gut ab. Höhere Relingversionen werden als Zubehör angeboten. Bei Bedarf können zwei in den Bordwänden montierte Klappsitze bestellt werden. Vorn an der Konsole befindet sich ein weiterer Polstersitz mit Armlehnen, wo man die Fahrt bequem genießen oder die Angeln in den beiden Rutenhaltern im Bug überwachen kann. Auf den Stauräumen im Bug gibt es serienmäßig keine Polsterung.

Wer das Boot nicht nur zum Angeln nutzen möchte, kann hier die Rückenlehne, die Sitzpolster, das Einlegeteil, das eine Sonnenliege entstehen lässt, und den Tisch bestellen. An der Ankerinstallation im Zubehör mit der elektrischen Ankerwinde samt Fernbedienung führt kein Weg vorbei.

In der Grundversion ist die 250 Outrage mit einem Mercury Verado F350 XXL ausgestattet.

Im Testboot arbeiten noch zwei Verado F200, die inzwischen durch die neuen V6-Modelle F200 CXL ersetzt wurden. In der leistungsstärksten Version sind zwei 225er montiert. Mit den beiden 200er Verados liegt nach fünf Sekunden die Gleitfahrt an.

Nach 21 Sekunden ist die Spitzengeschwindigkeit von 40 kn erreicht. Den effizientesten Betriebszustand ermitteln wir bei 4000 Touren, wobei eine zügige Reisegeschwindigkeit von 23,6 kn anliegt und stündlich 54 Liter aus dem gut dimensionierten 651-Liter-Tank entnommen werden. Unter Berücksichtigung einer 15-prozentigen Reserve reicht das, um ordentliche Distanzen von 233 sm überbrücken zu können.

Die neue Motorengeneration dürfte erfahrungsgemäß bei den Beschleunigungs- und Verbrauchswerten etwas im Vorteil sein.

Beim Fahrverhalten gab es nichts zu bemängeln. Da wir an mehreren Testtagen an der französischen Mittelmeerküste auch etwas Seegang vorfanden, konnte das Verhalten in der Welle geprüft werden. Durch das weiche Eintauchen des Rumpfes erfreut die Boston Whaler mit hohem Fahrkomfort, der selbst bei flotten Reisegeschwindigkeiten aufrecht erhalten bleibt.

Enge Kurven ließen sich bei 4000 Umdrehungen mit leichtem Drehzahlabfall um 500 Touren mit einem Durchmesser von 2,5 Bootslängen absolvieren. Bei der Langsamfahrt waren tadelloser Geradeauslauf und makellose Manövriereigenschaften zu notieren. Ohne Mängel ist auch die Verarbeitung des Anglertraums.

Jede Schraube sitzt exakt da, wo sie soll und alle Beschläge sind so dimensioniert, dass sie selbst nach einem langen Leben noch voll funktionsfähig sein sollten. Dieses hohe Qualitätsniveau samt der aufwendigen Konstruktion schlagen sich natürlich im Preis nieder. Der liegt in der Grundausrüstung mit einem Mercury Verado F350 bei stattlichen 163 620 €.

FAZIT

Wie alle Boote von Boston Whaler spielt die 250 Qutrage in der obersten Liga. Das bezieht sich sowohl auf die Konstruktion als auch das Qualitätsniveau sowie die Fahreigenschaften und drückt sich natürlich im gehobenen Preisniveau aus. Dafür bekommt der Käufer aber ein exzellentes Boot mit hoher Lebenserwartung. 

Diesen Artikel finden Sie in der März-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich. 

Dieter Wanke am 27.02.2020