Brandsma Mondial 37 Brandsma Mondial 37

Test: Brandsma Mondial 37

Ein etwas anderes Boot

Peter Lässig am 26.11.2019

Sie fällt optisch aus dem Rahmen, ist für die Küste zertifiziert und gilt mit vier Schlafplätzen als familientauglich

In erster Linie besticht die Optik, die einem Trawler ähnelt. Und wer an Trawler denkt, verbindet damit Fischerboot, Hochsee, ein weit vorn angesiedeltes Steuerhaus und dahinter ein weites, auslaufendes Deck für die Fanggeräte.

Diese Schiffe stehen in aller Regel dafür, dass sie Wind, Wetter und See trotzen, was sich vertrauensbildend auswirkt. Ein Hochsee-Fischerboot scheint aber weniger die Absicht von Brandsma zu sein, eher dessen Aussehen.

Fotostrecke: Brandsma Mondial 37

Nur mit dem Unterschied, dass sich bei der Mondial, was auch für weltweit steht, der weit vorn anfangende Kabinenaufbau bis nach achtern durchzieht und darauf das weite Deck angeordnet ist. Hier oben gibt es auf 18 m2 noch einen Außensteuerstand sowie reichlich Platz zum Sitzen und Liegen.

Außerdem besteht die Möglichkeit, ein Dingi unterzubringen – sofern ein Kran installiert ist.

Unser Testboot kommt mit zwei Kabinen und vier Kojen daher, verfügt über ein großes Bad mit Dusche samt WC und nicht zuletzt einen großen Salon sowie ein separates Steuerhaus mit Lounge für Beifahrer. Das Oberdeck ist zugleich Salondach und reicht auffallend über die breiten Seitendecks hinaus. 

Somit schützt es vor Regen und lässt auch die Sonne nicht direkt in den Salon scheinen. Achtern kann am Dach ein Bügel herausgezogen werden, um das Cockpit mit einem umlaufenden Verdeck wind- und wetterfest zu schließen.

Den Zugang zum Boot garantieren massive Schanzkleidtüren seitlich und achtern.

Das Boot verfügt über drei Fahrstände, den wettergeschützten Hauptfahrstand vorn im Deckshaus mit allen Instrumenten und Bedienteilen, einen leicht abgespeckten auf dem Oberdeck und einen weiteren auf dem Achterschiff (Extra), der nur Schaltung und Hilfsruder umfasst.

Darüber hinaus kann noch eine Fernbedienung hinzugekauft werden, die beides befehligt.

Einen Kompass gibt es nicht, dafür aber Touchscreens, auf denen alle wichtigen Informationen angezeigt werden. Um vom Hauptsteuerstand nach achtern etwas sehen zu können, ist ein Monitor mit Heckkamera zwingend erforderlich.
Aber auch vom Außensteuerstand ist das Heck nicht zu sehen, deshalb der dritte Steuerstand im Cockpit, der Anlegemanöver erleichtert.

Da sich zum Zeitpunkt des Tests der Motor weigert Vollgas anzunehmen und auch der Propeller noch nicht perfekt abgestimmt ist, greifen wir auf spätere Messdaten der Werft zurück, die so weit mit unseren übereinstimmen.

Lässt man Wind und Strömung außen vor, bestimmen Drehzahlen und Tempo die Reichweiten. Mit einer Tankfüllung kommt die Mondial 37 bei 800 U/min und 3,2 kn Fahrt theoretisch 1032 sm weit und bei Vollgas mit 2450 U/min und Tempo 8,3 kn schafft sie knapp 156 sm, plus 15 % Reserven jeweils. Das heißt, wer gegen die Strömung fährt und dem Motor alles abverlangt, sollte wissen, wo es Bunkerstationen gibt.

Ab etwa 1200 U/min und einem Tempo von 5 kn beginnt der Rumpf Wellen zu erzeugen, die mit zunehmender Fahrt an Intensität zunehmen. Eine Tankfüllung reicht dann für eine Wegstrecke von etwa 658 sm plus Reserve.

Im Normalfall fährt man nicht schneller als die theoretische Rumpfgeschwindigkeit, die bei dem Testboot um 7 kn Fahrt beträgt. Der Grund ist der geringe Geschwindigkeitszuwachs, während der Verbrauch enorm in die Höhe schnellt.
Wir fahren daher alle Manöver bei 1800 U/min mit 7 kn.

Wendig: Das Testboot reagiert direkt auf jeden Kurswechsel und in langsamer, als auch in schneller Fahrt durchmessen die Vollkreise nicht mehr als zwei Bootslängen. Erst nach dem Anlegen bemerkten wir, dass während der schnellen Kurvenfahrten aufgrund der moderaten Krängung nach außen Wasser über die Speigatten eingedrungen ist.

Seitendecks und Cockpit präsentieren sich feucht.

Wie bei Einzelwellenanlagen und in dem Fall rechtsdrehendem Propeller üblich, gibt es eine gute und weniger gute Seite beim An- und Ablegen. Dank optionalem Bug- und Heckstrahlruder braucht man sich daher auch bei Seitenwind, störender Querströmung oder bei längeren Rückwärtsfahrten wenig Gedanken zu machen. Normalerweise genügt der Kiel für einen guten Geradeauslauf.

Brandsma hat der Mondial 37 aber mittschiffs zusätzlich noch je einen Leitkiel, wie sie es nennen, auf jeder Rumpfseite spendiert. Sie sollen den Kurs voraus unterstützen. Da aber die Leitkiele etwas achtern angebracht sind, macht sich der vorherrschende Seitenwind von gemittelt 5 Bft aufgrund des Kabinenaufbaus insbesondere vorn bemerkbar.

Das verlangt nach Kurskorrekturen am Ruder oder man überlässt die Arbeit dem Autopiloten. Dass man so weit vorn am Salonfahrstand sitzt, ändert insgesamt das Fahrgefühl. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn bei Kurvenfahrten das Heck des Bootes scheinbar um einen herum schwoit.

Unter dem Salonboden gelangt man durch drei Bodenluken gut an die Technik von Motor, Wellenanlage und anderen Aggregaten. Wir sehen hoch eingebaute Wasserfilter für Motor und Generator und daneben einen gut handhabbaren Kraftstoffvorfilter, der lobenswert über einen Alarmsensor für Wasser verfügt.

Ein Kraftstoffhahn verhindert ungewollten Dieselfluss beim Filterwechsel. Neben einer elektrischen Bilgenpumpe kann im Notfall auch per Hand gelenzt werden.

Dank wirksamer Schallisolierung zeigt der Schalldruckmesser am Fahrstand nicht mehr als 74 dB/A an, was dort eine normale Unterhaltung zwischen dem Skipper und seinen Beifahrern möglich macht.

Während der Bau des Kaskos, Lackierung und Möbelbau von Subunternehmern durchgeführt werden, zeichnet Brandsma für alles, was mit Technik und Elektrik zu tun hat, verantwortlich.

Das Ergebnis ist ein sehenswertes und interessantes Boot. Bis auf den Stahlkörper, dem in den Oberflächen etwas Feintuning gut tun würde, können sich Möbel- und Innenausbau wie auch die technischen und elektrischen Installationen sehen lassen.

Brandsma bietet das Boot in der Standardversion mit passendem Zubehör fahrfertig an. Mit mehr Komfort bestellt man die Modelle Europa Linie oder Exclusive Linie.

Fazit

Mit der Mondial 37 fällt man auf, ganz klar. Das Fahrgefühl ist gewöhnungsbedürftig, dennoch ist sie ein wendiges Boot. Vier Schlafplätze und viel Platz unter sowie an Deck machen die Mondial 37 zum idealen Urlaubsboot für vier oder mehr Tagesgäste.

Den Test der Brandsma Mondial 37 lesen Sie in der Dezember-Ausgabe 2018 von BOOTE. Oder Sie laden sich das PDF zum Test weiter unten herunter. 

Peter Lässig am 26.11.2019