Buster XL Pro Buster XL Pro

Test: Buster XL Pro

Leichtmetall

Peter Lässig am 20.12.2018

Modernste Herstellung und hochfeste Materialien erfüllen die Ansprüche von Freizeitsportlern und Profis

Die finnische Werft Buster baut Aluminiumboote für Außenbordmotoren und ist in Europa der Marktführer. Dank Marine-Aluminium gelten die Boote als äußerst robust, versprechen neben hoher Festigkeit minimales Gewicht und höchste Resistenz gegen Salzwasser.

Fotostrecke: Buster XL Pro

Die Modellpalette umfasst etwa zwanzig Boote von vier bis knapp zehn Meter Länge, mit und ohne Kabine. Das kleinste Modell verträgt ab zwei und das größte bis zweimal 350 PS.

Bis auf das komplett offene Mini werden alle Modelle mit offenem Bug als Bowrider für Freizeitkapitäne, mit oder ohne Sitzgelegenheiten vorn, als Mehrzweck- oder Arbeitsboote angeboten.

Oder wie es jemand in der Werft einmal sagte: Buster-Boote sind nicht für die gedacht, auf deren Wunschliste Luxus an erster Stelle steht, sondern ein robustes Werkzeug für die gesamte Saison.

Das Testboot gibt es in der Version XL und XL Pro. Ein Unterscheidungsmerkmal ist die Bugreling, die bei der XL aus zwei Handläufen plus separatem Bugkorb besteht und bei der Pro als Handlaufreling kombiniert ist. Als Tochtergesellschaft von Yamaha Europa erübrigt sich auch die Frage, welcher Motor in erster Linie am Heck als Antrieb fungiert.

Wir fahren die Pro nicht mit der kleinsten (70 PS), sondern mit der maximal möglichen Leistung, einem 130-PS-starken Yamaha-Viertakt-Motor. Und diese Kombination ist auch für Trailerkapitäne interessant, die nicht so viel auf den Haken nehmen dürfen. Es genügt ein Anhänger, der bis 1000 kg zuladen darf.

Zwischen der Steganlage lassen wir den Motor mit 1000 U/min drehen und tuckern mit 3 kn Fahrt dahin. Um vom Rumpf erzeugte Wellen auf akzeptabler Höhe zu halten, begrenzen wir die Drehzahlen auf 1500 U/min (5 kn).

Herrscht dabei kein allzu starker Seitenwind und wechselt niemand im Boot den Platz, geht es auch gerade voran. In Rückwärtsfahrt braucht es die eine oder andere Kurskorrektur, und beim Umsteuern dauert es 5–10 Sekunden, bis der Bug herumschwenkt. Drehkreise durchmessen bei den Tempi sowohl mit vorwärts als auch rückwärts eingelegtem Gang etwa zwei Bootslängen.

Mit ganz beigetrimmtem Motor beginnt das Testboot ab etwa 2600 U/min oder 7,5 kn zu gleiten, und das heißt für kleinste Gleitfahrt dann 3000 U/min oder 9 kn Fahrt. Während der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt mit beigetrimmtem Motor ohne jede Sichtbehinderung verläuft, ist letztere mit optimal getrimmtem Motor kurz unterbrochen.

Die Höchstgeschwindigkeit messen wir mit knapp 37,5 kn, während der Motor etwa 200 U/min unterhalb der Höchstdrehzahl bleibt. Den Sprint von 0–60 km/h absolviert das Testgespann in 10,7 Sekunden. Nach Auswertung unserer Messergebnisse ist man mit dem Testboot in schneller Gleitfahrt mit Tempo 18 kn oder 3500 U/min am wirtschaftlichsten unterwegs.

Dann reicht eine Tankfüllung für einen theoretischen Aktionsradius von 119 sm plus 15 % Reserve, was wir mit "Gut" werten. In langsamer Fahrt kommt man etwa 122 sm weit und bei Vollgas 70 sm, plus Reserven jeweils. Der Schalldruck übersteigt ab 4500 U/min die Grenze von 85 dB/A.

Buster verzichtet am Rumpf komplett auf Gleitstufen, ist sozusagen von Bug bis Heck unten glatt. Dadurch fehlt auch etwas das aufrichtende Moment in Gleitfahrt, was das Boot, je nach Gewicht des Skippers, mehr oder weniger nach Steuerbord krängen lässt. Das kann wie im Testboot mit den hydraulischen Trimmklappen leicht ausgeglichen werden.

Ansonsten helfen Trimmklappen, auch bei unterschiedlicher Beladung des Bootes oder starkem Seitenwind mit aufgebautem Verdeck die Trimmlage zu optimieren. Nicht vorhandene Gleitstufen können sich auch nicht "festkrallen", wenn das Boot extrem gefahren wird, wie bei schnell gefahrenen 180°-Wenden oder abruptem Kurswechsel.

Kurzum, während aller mit Höchstgeschwindigkeit gefahrenen Extremmanövern gibt es keine Beanstandungen. Das Boot reagiert sicher und bleibt dabei trocken. Unser Testrevier ist der Main bei Schweinfurt und bedeutet für Rauwasser oder Wellen mit dem auskommen, was die Berufsschifffahrt hergibt.

Und damit hat unser Testboot keine Probleme. Skipper und Co sitzen sicher und bequem in gut dimensionierten sowie verstellbaren Schalensitzen hinter einer ordentlichen Windschutzscheibe. Den Zugang nach vorn verschließt eine Tür, Zugluft gibt es daher nicht. Der Fahrstand ist mit Kompass (Extra) und serienmäßig mit dem von Buster selbst entwickeltem Q-Touchscreen-Monitor bestückt. Zwei Scheibenwischer verschaffen Sicht bei Regen. Gesteuert wird hydraulisch.

Die Werft sagt, die XL Pro sei unsinkbar und in erster Linie für Sportfischer gedacht, weshalb es vorn auch keine Sitze oder serienmäßige Cockpitlenzung außenbords gibt. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass es nur eine elektrische, und keine manuelle, Bilgenpumpe gibt.

Stauraum bieten beide Konsolen, die Heckbank, Staukästen neben der Motorwanne und die Trittstufe im Bug, die auch als Ankerkasten dient. Die technischen und elektrischen Installationen können sich sehen lassen. Ein Vorfilter ohne Wasseralarm, aber mit Schauglas und eine Batteriebox samt Batterie, Sicherungen und Hauptschalter befinden sich gut zugänglich unter der Heckbank.

Dank Trittstufen und passendem Halt kann rundum in das Boot eingestiegen werden. Nur vier Belegklampen und in Deutschland nicht überall zugelassene Navigationslampen werten wir ab. Gleiches gilt für Kompass, Verdeck und Plane, die nicht zur Serie zählen.

Peter Lässig am 20.12.2018