DaVinci 35 E DaVinci 35 E

Test: DaVinci 35 E

Die schnelle Art zu Reisen

Ralf Marquard am 06.04.2020

Im klassischen Commuter-Stil lässt die Neuheit aus dem Niederlanden zwei Personen auf Entdeckungstour gehen – und auch auf längere Törns

Schaut man sich die Produktpalette von DaVinci an, so fallen unverkennbar die klassischen Retro-Linien auf. Die Modellvariationen beginnen bei der holländischen Werft kurz unter 30 Fuß und gehen hoch bis zum Flaggschiff 38 Classic. Wir fuhren mit dem zweitgrößten Modell, der DaVinci 35 E.

Rumpf und Deck fertigt die Werft aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Dass die Bootsbauer hierbei gute Arbeit leisten, zeigt unser Testboot: Dazu gehören sauber ausgestrichene Innenseiten, hochglänzende Gelcoat-Oberflächen und sorgfältig entgratete und versiegelte Kanten. In gleicher Qualität erledigen die Polsterer und Möbelbauer ihre Arbeit.

Fotostrecke: DaVinci 35 E

Wer an die Motoren möchte, hebt die Heckbank hoch. Bevor das jedoch möglich ist, muss man die Seitenpolster der Rückbank abnehmen und das Verdeckgestänge achtern vorklappen. Offen gehalten wird die Motorraumabdeckung von zwei Gasdruckdämpfern. Darunter findet der Servicetechniker auf unserem Testboot zwei 170-PS-Volvo-Penta-Diesel und ordentlich Platz zum Hantieren.

Leitungen und Schläuche sind fest und übersichtlich in Schellen gestrapst oder in Leerrohr verlegt. Bis auf wenige Spritschlauch-Anschlüsse, die nur mit einer Schraubschelle gesichert waren, machen Diesel- und Elektroanlage einen fachmännischen Eindruck. Auf Wunsch des Eigners sitzt im Motorraum ein besonderes Heckstrahlruder. Soll heißen, eine Jetpumpe saugt Wasser an, das dann über ein Rohrsystem zu den Strahlruder-Auslässen gedrückt wird.

Zusammen mit dem herkömmlichen Bugstrahlruder lässt sich die DaVinci damit zielgenau an Steg und Spundwand dirigieren. Weiteren Anteil an der guten Manövrierbarkeit hat die Doppelmotorisierung, die das Testboot mit entgegengesetzt eingekuppelten Getrieben auf dem Fleck drehen lässt. Schiebt man beide Hebel leicht nach vorn, kuppeln die Getriebe sanft ein, und das Boot fährt mit etwa 4 kn wie an der Schnur gezogen geradeaus. Diese gute Kursstabilität können selbst Wellen von der Seite kaum beeinflussen. Schiebt man die Hebel noch weiter nach vorn, sollte man bei Kanalfahrt um 1250 U/min Schluss machen, damit die Heckwelle keine uferbedrohende Höhe annimmt.

In Gleitfahrt kommt das Boot bei knapp 2500 U/min, gute, schnelle Fahrt macht es ab etwa 2800/min. Der Einsatz der Trimmklappen lässt in dieser Phase die Nase nicht ganz so hoch steigen wie ohne, wirklich nötig sind die Trimmhilfen jedoch nicht. Wer in der normalen Gleitfahrt den Bug zu weit mit den Trimmklappen runterdrückt, merkt das an einer schwerfälligen Bootsbewegung über die Querachse.

Eine Besonderheit noch bei Vollgas: Da bringt man das Boot mit dem Powertrimm in die richtige Schwimmlage, doch wer es hier übertreibt, erhöht zwar nochmals die Motorendrehzahl, aber schneller wird das Boot nicht mehr, sondern nur lauter.

Außerdem ist zu erwähnen, dass bei unserer Vollgasfahrt (knapp 30 kn) die Nenndrehzahl von 4000 U/min lange noch nicht erreicht wird.Und was macht die DaVinci in schnellen Kurven? Sie zieht ohne Einhaken oder Wippen weich ihre Runden, und das sogar bei Kabbelwelle.

Überhaupt zeigt der Rumpf bei Wellen eine gute Performance: Er setzt stets weich und kursstabil ein. Weiteres Lob bekommt die Steuerung, die sich kinderleicht drehen lässt und direkt reagiert.

Das erledigt der Skipper an einem schiffigen Holzlenkrad, das er sowohl stehend als auch sitzend gut erreicht. Gleiches gilt für die doppelte Einhebelschaltung neben dem Ruder an Steuerbord. Auf der anderen Seite sitzt der Bedienhebel für Bug- und Heckstrahlruder, er ist als Boot geformt und lässt besonders den Einsteiger schnell mit der Bedienung klarkommen. Bequemlichkeit findet man ebenfalls an der Fahrerbank.

Sie ist für eine Person großzügig ausgeführt, lässt sich im vorderen Sitzbereich hochklappen sowie vor- und zurückschieben. Nicht ganz so komfortabel, aber immer noch gut, hat es der Beifahrer auf dem Einmann-Schalensitz. Für die nötige Standfestigkeit sorgt eine Stütze im Fußraum, und zum Festhalten ist eine Griffmulde in die Ablage integriert. Der Rest der Fahrgemeinschaft hat Platz auf einer gemütlichen U-Sitzecke mit Holztisch.

Wer vom Cockpit auf die Badeplattform möchte, klettert am besten über diese Sitzecke und das anschließende Achterdeck. Aufs Vorschiff führt der Weg über die Seitendecks (erreicht man vom Cockpit bequem über Stufen) mit passender Breite und solider Reling.

Wer den Niedergang benutzt, muss aufpassen, dass er sich den Kopf nicht am oberen Rahmen stößt. Im Salon beträgt die Stehhöhe 1,93 m und direkt über dem Tisch 1,73 m. Die Sitzecke (auf Wunsch zur Koje wandelbar) bietet reichlich Platz für zwei bis drei Personen, bei vier Reisenden wird es dagegen eher knapp. Die Unterflurkoje ist direkt neben der Sitzecke zugänglich, Größe und Einstieg sind ideal für Kinder oder Enkel, für Erwachsene wird es auf unserer Testversion, besonders am Fußende, eng.

Den meisten Platz hat natürlich die Eignerkabine mit einer Doppelkoje (ohne Unterlüftung) und seitlichen Stufen zum leichteren Ein- und Ausstieg. Eine Nasszelle mit Waschbecken und Marine-WC sowie Duschmöglichkeit mit herausziehbarem Schlauch und Bodenablauf ist zur Körperpflege da. Allerdings beträgt die Stehhöhe nur etwa
1,77 m, was für den Tester (1,80 m) etwas zu gering ausfällt.

Eine Besonderheit soll noch bei der gut ausgerüsteten Pantry Erwähnung finden: Hier war es dem Eigner wichtig, dass zwei unterschiedlich große Personen am Küchenblock klarkommen. Daher wurde direkt vor dem Block eine Stufe für eine kleine Person installiert, die größere steht dagegen etwas tiefer auf dem Boden.

Sorgfältig ausgewählt ist die Sicherheitsausrüstung, wie Feuerlösch- und Lenzeinrichtung. 


FAZIT

Die DaVinci 35E besitzt schöne Retro-Linien und bietet sich in unserer Test-Ausstattung besonders für Reisen zu zweit an. Die zum Salon offene Unterflurkabine eignet sich gut für Kinder oder Enkel. Das Fahrgebiet liegt sowohl im Binnenbereich als auch auf Küstengewässern, wo sich beispielsweise Inselhopping anbietet.

Diesen Test lesen Sie in der Mai-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Ralf Marquard am 06.04.2020