Hellwig Vido V790 Hellwig Vido V790

Test: Daycruiser mit Innenborder

Hellwig Vido V790 Cabin IB

Ralf Marquard am 30.10.2020

Aus gutem Haus: Das Flaggschiff der Werft besitzt viele Details, um das Leben an Bord komfortabel zu gestalten

Hellwig Boote hat schon eine über sechzigjährige Bootsbau-Tradition. Artikel zu Werft und Booten veröffentlichten wir schon einige. Wir verglichen beispielsweise eine alte Marathon V515 mit einer neuen Marathon V485 – mit interessanten Ergebnissen (BOOTE 5/2017). Nun steht das neueste Flaggschiff von Hellwig Boote, eine Vido V790 Cabin IB, auf unserem Programm. Auch bei der Namens­gebung ist sich die Werft treu geblieben und hat eine griechische Insel ausgewählt. Das neueste Modell bekommt man als Kabinenversion oder als Open (Bug mit Sitz-Liege-Fläche). Zusätzlich hat der Käufer noch die Wahl zwischen Außenborder- oder Innenborder-Modell. Wir sind das Kajütboot mit Innenborder gefahren. Und zwar mit keinem Benziner, sondern mit der stärksten Diesel-Version – einem Mercury-Diesel 3.0L-270. Dieser ist wiederum ein Vertreter der neuesten Diesel-Generation vom Motorenhersteller. Um die Dieselkraft und das Dreh­moment möglichst effektiv ins Wasser zu bringen, ist der Motor mit einem Bravo-III-Z-Antrieb und Doppelpropeller ausgerüstet.

Bedient werden Motor und Getriebe über eine elektronische Schaltbox, deren Hebel sich kinderleicht schieben lässt und exakt schaltet. Gleiches gilt für die Servo-Lenkung, die über ein handliches Sportlenkrad bedient wird. Dabei sitzt oder hockt (mit hochgeklapptem Sitzpolster) der Fahrer auf einem gut gepolsterten und in alle Richtungen verstellbaren Schalensitz. Die Füße stellt er auf eine leicht abgewinkelte Stütze, und durch die Sicherheitswindschutzscheibe hat er einen guten Blick. Dafür sorgen geringe Spiegelungen und ein serienmäßiger Scheibenwischer. Die Sicht auf die Instrumente ist ebenfalls ungetrübt. Weiteres Lob: Der  Kompass gehört genauso zum Standard wie die Motorinstrumente. Die Motordaten lassen sich auf unserem Testboot auch noch auf dem Kartenplotter (Extra und mit NMEA 2000-Schnittstelle) ablesen. Das Gute: Auch der Spritverbrauch lässt sich einfach ablesen, und wir konnten unsere Test­tabelle problemlos aufnehmen.

Unterwegs sind wir auf der Schnellfahrstrecke in der Nähe von Roermond, der Haus- und Hofstrecke von Werftchef Michael Hammermeister. Wir beginnen mit den langsamen Drehzahlen, bei denen der Rumpf etwas giert (selbstständiges hin und her schwenken), was für den ausgeprägten V-Rumpf nicht Ungewöhnliches ist. Gewichtsverlagerungen von einer Person haben nur geringen Einfluss auf den Kurs. Naturgemäß steigt der Bug in der Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt (etwa 1300 U/min–2350 U/min) an, was für den sitzenden Fahrer die Voraussicht für gut 2 Sek. etwas einschränkt. Wer dagegen auf dem Sitz hockend oder stehend fährt, hat keinerlei Sichteinschränkung. Um 2500 U/min beginnt die gute Gleitfahrt. Exakt bei diesem Wert errechnet sich auch die wirtschaftlichste Fahrt.

Und hier zeigt sich nun der Vorteil des Dieselmotors: Denn mit einer Tank­ladung abzüglich der obligatorischen 15 % Reserve kommt das Testboot 225 sm weit. Das ist schon ein außergewöhnlich hoher Wert, der unsere Forderung bei 35-Fuß-Booten etwa widerspiegelt. Selbst bei Vollgas reicht der Tankinhalt immer noch für 149 sm.

Wer bei diesem Tempo die Vido kräftig in die Kurve lenkt und den Trimm auf "down" stehen hat, muss sich ordentlich festhalten, denn der Rumpf zieht eng rum. Mit getrimmtem Antrieb fällt alles etwas entspannter aus, da der Propeller Luft schnappt, jedoch nicht voll, sondern er bleibt immer etwas kraftschlüssig. Auf Sla­lom­kur­sen schwingt der Rumpf locker von der einen zur anderen Seite, und beim Verreißen des Ruders setzt das Heck einmal soft ein. Rauwasser hatten wir auf der Strecke keines und können nur sagen, dass Sportbootwellen weich zu überspringen sind. Wassersportfreunde, die sich gern hinter Boote hängen, haben mit der Motorleistung und der für den Bravo-III-Antrieb typischen, etwas kräftigeren Heckwelle garantiert ihren Spaß.

Zurück im Hafen: dort lässt sich das Testboot mit dem optionalen Bugstrahlruder prima anlegen und auch sicher in schwierigste Ecken bugsieren.

Noch mehr Informationen? Den Test der Hellwig Vido V790 Cabin IB mit allen technischen Daten, weiteren Messergebnissen und voller Beurteilung finden Sie in BOOTE-Ausgabe 11/2020 seit dem 21.10.2020 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

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Ralf Marquard am 30.10.2020
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