Experience 50 Hybrid Experience 50 Hybrid

Test: Experience 50

Hightech-Yacht aus Deutschland

Peter Lässig am 22.08.2017

Experience 50 Hybrid: von außen ein dezent auffälliges Boot, unter Deck eine Leistungsschau vom Feinsten, wo jeder Wunsch realisiert wird

FS Yachting will Skipper ansprechen, die das Besondere lieben, sich sowohl für ein schönes Ambiente als auch für Technik begeistern und von Anfang an mitbestimmen wollen. Zum Einsatz kommt die neueste Technik, die sich aber – wie ein aufmerksamer Butler – dezent im Hintergrund hält.

Dass die Crew sich an Bord wohl und sicher fühlt, steht an erster Stelle – was Grundriss, Ausstattung und Einrichtung bestimmt. Die treibende Kraft ist Frank Schröder, dessen Wurzeln in der Berufsschifffahrt verankert sind und der seit nunmehr 23 Jahren mit der Herstellung von Elektro- und Hydraulikanlagen für ebendiese erfolgreich beschäftigt ist.

Er summierte und realisierte all diese Erfahrungen zusammen mit kompetenten Partnern in einem Produkt, das den bezeichnenden Namen "Experience 50 Hybrid" trägt: ein zukunftssicheres Boot mit Hybridantrieb für fast alle Fahrgebiete, mit dem man dank potenter Dieselmotoren auch auf schnell fließenden Gewässern flott vorankommen und mit elektrischem Antrieb flüsterleise und sanft dahinfahren kann.

Fotostrecke: Experience 50 Hybrid

Der Kasko besteht aus Aluminium, und die Maße halten die 15-Meter-Grenze für Sportboote auf Binnenrevieren ein. Das Design stammt von FS Yachting und wurde unter deren Vorgaben von Han van Vossen umgesetzt. Den ersten Kasko konstruierte Visscher Yachting, die auch für den Holz-Innenausbau und die Metallic­lackierung verantwortlich zeichnen.

Die sichtbare edle Ausstattung des Bootes ist dann mit sehr viel "Frauenpower" von Spezialistinnen konzipiert worden, die auch große Yachten, Privatflugzeuge oder Kreuzfahrtschiffe innen gestalten. Alles, was mit Technik zu tun hat, wurde von FS Yachting selbst ausgeführt.

Das Ergebnis ist ein einzigartiges Boot, dem man erst auf den zweiten Blick ansieht, was in ihm steckt. Es fällt auf, dass im gesamten Außenbereich nichts übersteht, dass es keine Stolperfallen gibt und man über ein ebenes Deck geht. So stören auch nicht irgendwelche Öffnungen an den Rumpfwänden die Ästhetik. Das gilt ebenso für den Anker, der sich im Bug hinter einem unsichtbaren Mechanismus befindet und sich erst auf Knopfdruck zeigt, wenn er gebraucht wird. Dass auch die Belegklampen ausklappbar gestaltet sind, zählt zum Konzept.

Auf einer Ebene mit dem Cockpit liegt der lichtdurchflutete Salon mit Sitzgruppe und einer traumhaft ausgerüsteten Pantry. Der Fahrstand verleitet ob seiner Ausstattung zum Schwärmen. Zur "Open" wird das Boot dank des elektrischen Schiebedachs über dem vorderen Bereich des Salons. Das Untergeschoss bewohnen Eigner und Gäste in getrennten Kabinen mit jeweils eigenen Bädern.

Nur ein Beispiel von vielen: Im gesamten Boot ist der Boden mit Fußbodenheizung ausgestattet, selbst die Deckel der Stauraum-Bodenluken sind nicht ausgenommen – kalte Füße gibt es nicht. Und nach dem Duschen erfreuen die beheizten Spiegel in den Bädern.

Hinter dem Wohntrakt folgen abgeschottet der Maschinen- und Generatorraum und im Anschluss daran der separate Tender-Technikraum. Um in den Motorraum zu gelangen, muss man erst in die Tendergarage. Das gelingt entweder von achtern, wenn die Heckklappe – erweiterte Badeplattform – geöffnet ist, oder aus dem Cockpit durch die Bodenklappe.

Im Motorraum sorgen zwei jeweils 350 PS starke V8-Diesel von VW und zwei 8 kW leistende Elektromotoren für Vortrieb. Der gesamte Motorraum ist blitzblank, übersichtlich und serviceorientiert gestaltet. Mit Bedacht sind Anzahl und Platz für die Kraftstoffvorfilter und Wassersiebe für den Kühlwasseransaug der Motoren gewählt.

Sie sind jeweils doppelt vorhanden, mittels Hähnen zu separieren und in der Garage an der Außenwand des Motorraums angebracht. Alles vom Feinsten. Nur die Wasser-Alarmsensoren für die Kraftstoffvorfilter fehlen, stehen aber ab sofort auf der Noch-zu-tun-Liste.

Ausnahmslos gut reagiert das Boot in Vorausfahrt auf jeden Rudereinschlag mit sofortiger Kursänderung. Das Attribut "wendig" kann dieses Verhalten nur annähernd beschreiben. Deutlich zeigt das vielmehr der "Turnmaster", der dank seines Kreiselsystems das Drehverhalten des Bootes mittels Zeiger eins zu eins darstellt.

Technischer Schnickschnack? Nein: etwas, an das man sich sehr schnell gewöhnt und nicht mehr missen möchte! Allein fahrende Skipper können das Boot mithilfe des Dockingsystems mittels Bug- und Heck­strahlruder am Steg so fixieren, dass man von Bord gehen und die Leinen lösen oder belegen kann.

Unser Fahrrevier in den Niederlanden wartete nur mit Wellen der Berufsschifffahrt auf, die sich wenig bemerkbar machten. Ansonsten vertraut man offenbar der Rumpfform, die verspricht, dass sie auch mit "größeren Wasserbewegungen" umgehen kann.

Ein Tau, das sich bei der Anfahrt zum Test nicht ganz von einem Propeller und der Welle entfernen ließ, zeichnet dafür verantwortlich, dass wir das Boot nicht mit Vollgas fahren und messen können. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Werft 19 kn, und die theoretischen Reichweiten mit den Dieselmotoren 1350 sm in langsamster Fahrt bis 150 sm bei Vollgas, plus jeweils 15 % Reserve.

Mit den im Testboot eingebauten 600-Ah-Li-Ionen-Batterien kann man mithilfe der Elektromotoren bei einem Tempo von knapp über 3 kn etwas mehr als drei Stunden lang fahren, bis die 40-%-Kapazitätsgrenze erreicht ist, ab der sich dann der Generator einschaltet. Umgekehrt laden die Elektromotoren während der Fahrt die Batterien auf.

Gut: Am Saisonende kann man die vollgeladenen Batterien ohne weiteres Zutun in den Winterschlaf schicken.
Hinsichtlich der Sicherheit bietet unser Testboot nahezu alles, was wir fordern, da werden keine Experimente gemacht, und die Technik präsentiert sich mehr als ausgereift. Kein Wunder: Das überwiegende und wichtige Equipment kommt aus der Berufsschifffahrt. 

Fazit:
Die 50 Hybrid hat dank ihrer Antriebssysteme in allen Fahrgebiete
eine Zukunft. Kundenwünsche dominieren von Anfang an, und die Verarbeitung bewegt sich auf Top-Niveau. Unabhängig voneinander arbeitende Computer plus ein analoges System beruhigen, und die Tankkapazität reicht zum Streckemachen (5 kn etwa 917 sm und 10 kn etwa 216 sm plus Reserven).

Datenblatt: Experience 50 Hybrid

Werft:
Typbezeichnung: Experience 50 Hybrid
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Aluminium
Länge (m): 14,99 m
Breite (m): 4,75 m
Verdrängung (kg): 20,00 t
Preis: 1.475.000,00 €
Peter Lässig am 22.08.2017
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