Fjord 44 Coupé Fjord 44 Coupé

Test: Fjord 44 Coupé

Geschlossene Gesellschaft

Peter Lässig am 09.04.2020

Fjord 44 Coupé: Die sportliche Neue aus Greifswald jeden Spaß zu haben – und das bei höchsten technischen Standards

Die Fjord 44 wird von der Hanse Group in zwei Versionen gebaut. Einmal als Open und wie unser Testboot als Coupé. Während die Open von einem rundum offenen T-Top überdacht ist, sind bei der Coupé Fahrstand, Sitzreihe dahinter, ein Pantryblock plus u-förmige Sitzgruppe mit Tisch von einem gläsernen Aufbau überdacht und umgeben. Das sorgt für viel Licht und freien Blick in alle Richtungen, auch nach oben.

Und bei Dunkelheit illuminieren zahlreich angebrachte LED-Beleuchtungen das Boot in Innen- und Außenbereich in bis zu sechs wählbaren Farben.

Fotostrecke: Fjord 44 Coupé

Mit dem Schiebedach über dem Fahrstand und den seitlichen Fenstern, die jeweils kinderleicht elektrisch zu betätigen sind, plus den manuell zu bedienenden großen Seitenschiebetüren und einem großzügigen Eingang achtern ist jederzeit für sehr gute Luftzufuhr gesorgt. Falls das nicht reichen sollte, gibt es noch eine Klimaanlage.

Unter Deck sind beide Boote identisch. Links vom Fahrstand führt ein kleiner Niedergang hinunter zum Wohnbereich, wo sich dem Betrachter eine recht große Kabine eröffnet. Der Blick fällt auf ein
ansehnliches Doppelbett, flankiert von den mit Schlitzfenstern und integrierten Bullaugen versehenen Kabinenwänden. Die Decke zieren Skylights einschließlich Fluchtluke, die mittels diverser Rollos verdeckt werden können.

Liegen allerdings die Sonnenpolster auf dem Kabinendach, haben weder Luft noch Licht eine Chance, die Kabine von oben zu durchdringen.

Zwischen Niedergang und separatem Bad an Steuerbord eröffnet sich, wenn man den kleinen Durchgang passiert hat, entweder ein großer Stauraum oder wie im Testboot eine aufpreispflichtige Schlafkabine für zwei Erwachsene. Hierbei spricht die Werft nicht gern von Kabine, sondern nennt das leger "plus Eins", denn die Stehhöhe ist stark eingeschränkt, was der Platzierung unter Fahrstand und Kabinenaufbau geschuldet ist. Das geräumige Bad ist mit allem ausgestattet, was man braucht: Duschkabine, Waschbecken und passend dimensionierter Toilette. Der Wohlfühlfaktor unter Deck stimmt.

Das Testboot ist mit zwei Volvo Penta IPS600 bestückt, deren Diesel jeweils 435 PS mittels Pod-Antrieben ins Wasser bringen. In der Standardversion sind es zwei IPS500 mit jeweils 370 PS. Standard ist stets ein Joystick, mit dem das Boot in langsamer Fahrt in jedwede Richtung gefahren werden kann, was An- oder Ablegemanöver erheblich erleichtert.

Bei Booten mit IPS-Antrieben hebt sich das Vorschiff systembedingt immer etwas weiter aus dem Wasser. Deshalb sollten auch auf unserem Testboot während der Fahrt und beim Anfahren die Trimmklappen zugunsten der Voraussicht benutzt werden. Ansonsten sorgen die Trimmklappen im Automatikmodus für die optimale Bootslage, was sich besonders bei Seitenwind angenehm bemerkbar macht.

Die 44 Coupé liegt an der Südwestspitze von Mallorca im Hafen von Port Adriano.Vorm Hafen steht eine ordentliche See – perfektes Gewässer, um zu sehen, wie sich der tiefe V-Rumpf schlägt: eher ruhig und sicher, keine wilden Bewegungen, kein Schlagen. Gegen Wind und Wellen fahrend, gibt es lediglich etwas Spritzwasser, was aber absolut normal ist.

Für den Test nehme ich Kurs über Steuerbord, passiere den Durchgang bei Es Malgrat und halte auf Cala Fornells zu, um dort auf etwas ruhigerem Gewässer die Messfahrten durchzuführen.

Die Motoren erreichen nicht ganz die vom Hersteller angegebene Höchstdrehzahl, was die Werft mit einem leicht unsauberen Unterwasserschiff begründet und daher statt 36 kn Höchstgeschwindigkeit nur 35 kn zulässt. Nach Auswertung der Messdaten fährt das 44-Test-Coupé mit 25 kn ökonomisch. Eine Tankfüllung reicht dann theoretisch für eine Wegstrecke von 185 sm plus 15 % Reserve.

Bei Vollgasfahrten fällt die Reichweite mit 179 sm nur geringfügig kleiner aus. Beide Werte erfüllen jedoch nicht die von BOOTE geforderte Mindestreichweite von 270 sm.

Was die Extremmanöver in voller Fahrt betrifft, so fallen sie allesamt moderat aus, da die IPS die Einschlagwinkel der Antriebe eher gering halten. Meine Instrumente zeigen für den Vollkreis in voller Fahrt einen Durchmesser von 300 Metern an, und das bedeutet: Wer enger fahren will, muss Gas wegnehmen.

Hinsichtlich der Akustik zeigt unser Schalldruckpegelmessgerät bei Marschfahrt nicht mehr als 79 dB/A und bei Vollgas im Cockpit bis 82 dB/A an. Das kann sich wirklich "hören" lassen.

Der Skipper sitzt zwischen zwei Beifahrern und hat alles im Blick und im Griff vor einem Fahrstand, auf dem neben
einem analogen Kompass Monitore alles aufzeigen, was man über Fahrgebiet, Kurs, Boot und Motoren wissen muss.

Eine Seltenheit auf Booten dieser Größe und daher ein dicker Sicherheitspluspunkt ist ein Notausschalter (Quickstop) am Fahrstand.

Der Motorraum verfügt über zwei getrennte Zugänge: einen im Salon und den anderen achtern vor der Cockpit-Sitzbank. Das kommt Servicearbeiten insgesamt zugute. Während vorn im Salon eine Leiter den Ein- und Ausstieg erleichtert, ist der Einstieg hinten jedoch erschwert. Dieses Problem hat auch der Hersteller erkannt und will zukünftig mit einer Steighilfe nachrüsten. Einmal unten, kommen keine Beklemmungen auf, alles ist akzeptabel erreichbar.

Was die von BOOTE geforderten Sicherheitsansprüche betrifft, leistet sich unser Testboot nur eine Schwäche. Und zwar gilt die Kritik dem beidseitig offenen Heck, das weder Kind noch Kegel oder Bordhund aufhält.

Fjord baut extravagante Boote und stattet diese fahrfertig aus. Und die Werft besetzt auch Nischen und versucht mit einer reichhaltigen Ausstattungsliste auch besonders ausgefallene Kundenwünsche zu erfüllen.

 

FAZIT

Der Kabinenaufbau macht die Fjord 44 Coupé auch für den Norden interessant. Ansonsten erfüllt die 44 Coupé alles, um damit Spaß auf dem Wasser zu haben und auch mal zu viert übernachten zu können. Sie ist sozusagen ein Alleskönner.

Diesen Test lesen Sie in der Mai-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Peter Lässig am 09.04.2020
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