Four Winns V 255 Four Winns V 255

Test: Four Winns Vista 255

Cruisen leicht gemacht - Teil 2

Ralf Marquard am 03.09.2018

Aufs Vorschiff gelangt man über den Mitteldurchgang mit ausreichend breit ausgeführten und mit Antislipstruktur versehenen Stufen. Zum Festhalten bieten sich Haltegriff und Fensterrahmen an, der an den Ecken zum Schutz vor Verletzungen abgerundet wurde.  Bei Seegang krabbelt man von dort am besten auf allen vieren zur Reling, um beispielsweise sicher zum selbstlenzenden Ankerkasten zu gelangen. In puncto Sicherheitsausrüstung überzeugt die Feuerlöschanlage, bei der Lenzanlage fehlt uns dagegen die Handpumpe, die auch bei Stromausfall arbeitet.

Das Thema Sicherheit betrifft selbstverständlich auch die Fahreigenschaften, besonders die schnellen Fahrmanöver und die Rauwasserfahrt. Letztere konnten wir auf dem Bodensee nur anhand von Wellen der Weißen Flotte und von Sportbooten beurteilen. Diese überspringt der Rumpf locker und trocken. Bei schnell gefahrenen Manövern wie den engen Kreisen legt sich das  Boot ordentlich auf die "Backe", zieht eng, jedoch ohne Haken oder Schaukeln seine Runden und bremst sich selbstständig ab.

Der Duoprop bleibt immer kraftschlüssig, und beim Herauslenken mit der leichtgängigen Servolenkung beschleunigt der V6-280 von Volvo Penta die Four Winns unverzüglich wieder. Auf Slalomkursen schwingt die V 255 ordentlich hin und her, was aufgrund ihres hohen Schwerpunktes und der Sitzposition nicht ungewöhnlich ist. Von dort oben hat der Fahrer einen guten Überblick durch die Sicherheitsglas-Windschutzscheibe.

Wenn das Boot ab 2200 U/min von Verdränger- in Gleit­­fahrt übergeht, hebt sich der Bug an und senkt sich bei 3800 U/min selbstständig wieder ab. Die Sicht bleibt ausreichend erhalten. Um diese und die Bootslage in kleiner Gleitfahrt zu verbessern, setzt man die Trimmklappen ein. Bei schnel­lerer Gleitfahrt fährt man die Klappen hoch und bringt das Testboot mit dem Powertrim in die optimale Lage. Das ist bei Vollgas mit fast 35 kn und optimalen 5800 U/min etwa ½ auf der Trimmanzeige. Mit 10 kn weniger gleitet das MotorBoot-Gespann am wirtschaftlichsten. Dabei laufen 1,62 l/sm durch die Sprit­lei­tung, und mit dem 265-l-Tank errechnet sich eine Reichweite von akzeptablen 140 sm plus 15 % Reserve.

Auf langsamen Kursen muss man den Rumpf einpendeln lassen und nur ab und zu etwas korrigieren. Bei Anlegemanövern reagiert die Four Winns mit einer Verzöge­rung von etwa 4 s auf das Umsteuern und dreht fast auf dem Teller. Gute Eigenschaften für sicheres und exaktes Manövrieren; kommt jedoch Wind dazu, empfiehlt sich das gegen Aufpreis erhältliche Bugstrahlruder. Dieses wird auf unserem Testboot über einen Hebel neben dem höhenverstellbaren Lenkrad angesteuert. Der Fahr­stand ist ergonomisch angeordnet, alles lässt sich problemlos bedienen. Wir registrieren die üblichen Reflexionen auf den Instrumenten, und in der Scheibe spiegelt sich der direkt angrenzende weiße Streifen.

Ordentlich zupacken muss der Techniker, wenn er die GFK-Motorraumklappe mit Polstern und Umbaumechanismus für die Lehne hochhebt. Da kommen einige Kilogramm zusammen. Darunter steht der von allen Seiten gut erreichbare Motor auf soliden Fundamenten. Um den Schalldruck im Zaum zu halten, verarbeitet Four Winns eine selbstverlöschende Isolierung, die den Sound auch ausreichend dämpft. Die Installationen zeigen einen guten US-amerikanischen Standard, das Gleiche gilt für die gesamte Boots­verarbeitung.
Bei der Serienausrüstung fehlen uns der Scheibenwischer sowie Navigationsleuchten mit Zulassungsnummer eines EU-Prüf­instituts.

FAZIT

Die Four Winns Vista 255 ist ein prima Reiseboot für die vierköpfige Familie, die auch trailern möchte; laut Werft ist das mit einem 3,5-t-Trailer noch möglich. Der V6-280-Motor hat genügend Power, um das Boot zügig zu beschleunigen, und ist mit seinem Katalysator auch für unser Testrevier Bodensee zugelassen.  

Dieser Test erschien in BOOTE-Ausgabe 10/2017

Titel 10/2017

Titel 10/2017

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Ralf Marquard am 03.09.2018