Galeon 640 Fly Galeon 640 Fly

Test: Galeon 640 Fly

Superlative

Peter Lässig am 23.01.2019

Der polnische Hersteller blickt auf über 30 Jahre im Bootsbau zurück und hat sich zu einer mehr als ernst zu nehmenden europäischen Werft entwickelt

Galeon produziert in Polen Boote von 4,75 bis 25 m Länge. Die kleinen Boote firmieren unter dem Namen "Galia", die großen unter "Galeon". Außer Elektronik, Motoren und einigen Kleinigkeiten erstellt und entwirft man in der Werft selbst. Traditionelle Handarbeit kommt ebenso zum Einsatz wie computergesteuerte CNC-Maschinen. Die Kunststoffarbeiten erfolgen sowohl im traditionellen Handauflege- als auch im modernen Infusionsverfahren.

Galeon produziert zwar in Serie, arbeitet aber eng mit dem zukünftigen Eigner zusammen. Man kann daher die Werft als eine "Manufaktur mit industrieller Produktion" bezeichnen.

Dank kreativer und innovativer Denkweise scheut man nicht, neue Wege zu gehen, was Design und Funktion anbelangt. Ein Ergebnis ist die Galeon 640 Fly, die jedem Vergleich standhält und sich vor namhaften Werften nicht zu verstecken braucht. Das Design entspricht dem Zeitgeist und vermittelt gediegene Eleganz und Sportlichkeit.

Unter Deck bietet die 640 Fly drei separate Kabinen mit eigenen Zugängen. Die im Vorschiff könnte dem Eigner vorbehalten sein und die beiden mittschiffs den Gästen. Während die Bugkabine und die hintere Gästekabine über jeweils ein eigenes Bad verfügen, teilen sich Passagiere in der Mittelkabine ein Tagesbad mit Bordgästen.

Zu guter Letzt steht für weitere Personen oder die Crew an Stelle einer Tendergarage noch eine vierte Kabine im Heck bereit, mit Eingang von der Badeplattform.

Der rundum verglaste Salon ist zweigeteilt, vorne mit großer Dinette plus Fahrstand und achtern mit Pantry und Steuerbord-Bar-Theke. Das Vorschiff kann entweder als große Liege oder mit wenigen Handgriffen zur Sitzgruppe gewandelt werden, ansonsten geizt auch die Fly nicht mit Sitz- und Liegegelegenheiten. Den Außenbereich gibt es in zwei Versionen, entweder so wie das Testboot oder mit verlängertem Cockpit und längerer Fly, dann bezeichnet man sie als "Extended"-Version.

Der Clou aber sind die Schanzkleider an beiden Seiten des Bootes, die sich herunterklappen lassen und dann mit Barhockern sowie einer Reling versehen werden. Sind dann beidseitig die Fenster von Pantry und Bar-Theke geöffnet, wird aus Salon und Cockpit eine feine Partylounge auf dem Wasser.

Je nach Anspruch arbeiten unter Deck zwei Diesel von 900 bis 1200 PS, die ihre Kraft über Wellenanlagen ins Wasser bringen. Wir fahren mit zwei Volvo Penta D13-1000, die dank 2000 PS die 640 Fly bis maximal 30 kn beschleunigen. Für die Marschfahrt empfiehlt die Werft 20 kn Fahrt. Nach Auswertung der Messdaten sollten es beim Testboot 2 kn mehr sein.

Eine Tankfüllung reicht dann bei dem Tempo theoretisch für eine Strecke von 213 sm plus 15 % Reserve. Bei Vollgas sind es 40 sm weniger und in Verdrängerfahrt können mit  6 kn Fahrt etwas über 1000 sm zurückgelegt werden, plus Reserven. Die ruppige Ostsee vor Danzig stellt keine große Anforderungen an den Rumpf, der alles komfortabel überfährt. Ein gelungenes Boot, das seinen Mitbewerbern Kopfschmerzen bereiten dürfte, zumal auch die Verarbeitung stimmt.

Der Artikel stammt aus BOOTE-Ausgabe 02/2019 

Peter Lässig am 23.01.2019