Galia 475 Open Galia 475 Open

Test: Galia 475 Open

Ich heb ab...

Ralf Marquard am 24.03.2019

Sie ist ein einfach zu trailerndes Einsteigerboot, das viel Spaß vermittelt und simpel zu händeln ist

„Welches Boot soll ich mir zum Anfang kaufen?" Diese oder so eine ähnliche Frage haben wir schon häufig von Neueinsteigern gehört. Das klassische Starterboot war früher meist ein zerlegbares Schlauchboot. Sollte es in den Kofferraum eines Mittelklasse Autos passen, war bei etwa 3,50 m Länge plus 5-PS-Außenborder (alte Führescheingrenze) Schluss.

Fotostrecke: Galia 475 Open

Wer bereits einen Führerschein besaß, konnte natürlich motormäßig aufrüsten, aber über 15 PS (neue Führerscheingrenze) wird es doch ganz schön schwer und man greift am besten auf einen Trailer zurück, mit dem sich Boot und Motor bequem transportieren lassen.

Dann sind auch familienfreundlichere, sprich größere Schlauchboote drin oder sogar ein sogenanntes RIB (Schlauchboot mit festem Rumpf, meist aus Kunststoff), möglicherweise auch ein komplett festes Boot – wie unsere Test-Galia 475. 

Sie bringt ohne Motor etwa 500 kg auf die Waage, plus Testmotor (um 110 kg) kommt man auf ein Gesamtgewicht von etwa 610 kg. Mit einem ungebremsten 750-kg-Trailer kann man das nicht mehr mit gutem Gewissen ziehen. Da sollte der Kapitän der Landstraße schon auf Nummer sicher gehen und einen gebremsten 1-t-Trailer nehmen, zumal er dann auch noch die Ausrüstung an Bord lassen darf.

Zugelassen ist die Galia für vier Personen, die auch entsprechend Platz an Bord vorfinden. Dazu gehört die Heckbank, wo auch der Fahrer sitzt, eine kleine Bank vor dem Fahrstand sowie die Bugbank.

Nimmt man sich dann noch den Tisch (Extra) dazu, lässt sich einerseits ein gemütlicher Klönschnack mit Snacks und coolen Getränken abhalten oder mit abgelassenem Tisch plus Einlegepolster ein entspanntes Sonnenbad nehmen. Zum Abkühlen geht es dann über den Heckausgang auf die geteilte Badeplattform.

Hier steht eine ausreichend breite Badeleiter für den einfachen Ein- und Ausstieg zur Verfügung. Auf der anderen Seite findet man einen Staukasten für Leinen. An Staumöglichkeiten mangelt es der Galia 475 sowieso nicht, denn unter allen Sitzmöglichkeiten gibt es Staufächer, plus den selbstlenzenden Ankerkasten (mit Rolle) im Bug. 

Für die Bewegungssicherheit an Bord sorgen Teakboden (Aufpreis), Reling und Handläufe. Ein Haltebügel läuft um die Windschutzscheibe (aus leicht getöntem Plexiglas) herum. Die an den Enden gebogenen Scheibe schützt den Skipper wirkungsvoll vor Fahrtwind. Wenn der Steuermann nicht nur wissen will, ob am Motor alles in Ordnung ist, sondern auch, ob er die richtige Richtung eingeschlagen hat, zahlt er für den Kompass Aufpreis, gleiches gilt auch für das Signalhorn.

Ganz zurückgelehnt, muss ich meine Arme ganz lang machen, um das Lenkrad zu erreichen. Die Schaltung erreicht der Skipper in allen Lebenslagen uneingeschränkt. Schiebt man den Schalthebel etwas nach vorn, kuppelt der Motor soft ein und die Galia geht in ruhige Verdrängerfahrt über, Kurskorrekturen muss der Fahrer dabei nur wenige ausführen.

Schiebt man den Hebel weiter nach vorn, hebt sich der Rumpf naturgemäß an und senkt sich beim Erreichen der Gleitfahrt wieder ab. Die Phase liegt bei unserer Boot-Motor-Kombination zwischen 2500 und knapp 4500 U/min. Der Bug bewegt sich dabei nur kurz ins Blickfeld, obwohl – für den Trimm ungünstig – zwei Personen achtern sitzen.

Legt man den Hebel dann voll auf den Tisch, erreicht man ohne Powertrimm schon fast die Maximaldrehzahl.

Ein Druck aufs Trimm-Knöpfchen lässt den Rumpf noch leichtfüßiger laufen und die Drehzahl hochdrehen. Wir wollen es jedoch nicht übertreiben und machen bei etwa 6050 U/min und 22 kn Schluss mit dem Trimmen. Hier kann ein etwas größerer Propeller besonders Solofahrer mit wenig Ausrüstung zu noch mehr Speed verhelfen.

In schnellen Kurven und Wenden gehört der Trimm auf down, damit der Propeller möglichst spät Luft schnappt. Wenn er erst einmal Luft gezogen hat, hilft kurzes Gas wegnehmen, damit er wieder kraftschlüssig wird. Apropos Kraft: Beim Herauslenken aus dem Kreisel ist spürbar mehr Muskelarbeit erforderlich als beim Einlenken.

Slalomkurse sind mit und ohne Trimm sicher und exakt zu fahren. Das Überspringen von Sportbootwellen macht einen Heidenspaß, dabei auftretendes Spritzwasser hält sich in Grenzen. Dass man mit einem 25-l-Standard-Außenbordertank nicht gerade Hyperlangstrecken absolvieren kann, ist wohl klar, aber fast 40 sm sind für solch einen Bootstyp schon völlig in Ordnung.

Bei Anlegemanövern überzeugt die Galia durch enge Wendekreise in alle Richtungen und einem direkten Umsteuerverhalten in Rückwärtsfahrt.

Eine positive Bewertung erhalten auch die vier Klampen und die Kunststoffscheuerleiste. Alles ist solide ausgeführt und zudem noch fachmännisch befestigt, was ebenso für die Leitungen und Schläuche auf dem gesamten Boot gilt.

Bei der Elektrik haben wir nur einen Kritikpunkt: An die Schmelzsicherungen unter dem Fahrstand kommt man nur mit Werkzeug, da man die Fußraumschale vorher ausbauen muss, die mit Schrauben befestigt ist. Die gesamte Verarbeitung kann sich sehen lassen, da stehen sauber versiegelte Kanten ebenso auf der Pluspunkteliste wie die gut vernähten Polsterauflagen.

Auf dem Trailer befestigt man das Boot an drei Zugösen. Wasserskiläufer und Tubefahrer hängen sich an ein Zugdreieck – dem sogenannten Hahnepot – und bekommen es mit einer flachen Heckwelle zu tun.   

Deiesen Test lesen Sie in der April-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Ralf Marquard am 24.03.2019