Grand Banks GB 60 Grand Banks GB 60

Test: Grand Banks 60 SL

Komfortabel Strecke machen

Dieter Wanke am 24.05.2020

Der neue Edeltrawler im Portfolio von Grand Banks vereint Qualität mit Luxus und makellosen Fahreigenschaften

Die Traditionswerft Grand Banks hat sich in den vergangenen Jahren komplett neu erfunden. Seit der bekannte australische Hochseesegler und ehemalige Eigentümer von Palm Beach, Mark Richards, nach dem Verkauf seiner Marke an Grand Banks im April 2014 dort auch das Ruder als CEO übernommen hat, blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Nicht nur das Werk und die Produktionsmethoden wurden intensiv umgekrempelt und modernisiert, auch die alte Flotte musste kompletten Neuentwicklungen weichen.

Die GB60 ist das erste Modell, das komplett unter der Regie von Richards entwickelt wurde. Weltpremiere war im September 2017 auf der Newport International Boat Show.

Wir hatten die Chance, die brandneue Skylounge-Version mit komplett geschlossenem Oberdeck direkt nach ihrer Vorstellung in Florida Ende letzten Jahres zu fahren. Wer nicht nur davon träumen will, sondern die Anschaffung in Erwägung zieht, sollte auf Wartezeiten eingestellt sein, denn die Werft in Malaysia hat nur eine Kapazität von 30 Booten im Jahr und ist 2019 wohl für Lieferungen schon ausgebucht.

Fotostrecke: Grand Banks GB60

Der Traumkreuzer hat einen entsprechenden Einstiegspreis ab gut vier Millionen Euro. Allerdings gehört von der Heizung oder Klimaanlage bis zur Waschmaschine und dem Ice-Maker auch alles schon zu der Grundausstattung an Bord. Entsprechend mager ist die Optionsliste, auf der nur Luxus wie beispielsweise Stabilisatoren zu finden ist. Nach einem Händlernetz brauchen Interessenten gar nicht erst zu suchen, denn ein solches gibt es nicht.

Die Werft vermarktet nur direkt und verfügt über eine kleine Gruppe von Repräsentanten. Von denen ist für Deutschland MariTeam Yachting aus Leeuwarden in den Niederlanden zuständig.

Dass sich hinter den klassischen Linien, die auf den ersten Blick eher traditionellen Bootsbau suggerieren, ein Hightechprodukt auf Basis von Kohlefaser-Technik verbirgt, erstaunt zunächst. Glasfasern werden nur da eingesetzt, wo die gegen Verletzung empfindlicheren Kohlefasern kritisch sein können, also vorwiegend auf den Rumpfaußenseiten. Für das Deck und die Aufbauten kommen nur leichte Karbongewebe zum Einsatz, um den Schwerpunkt der Yacht niedrig zu halten. 

Das bringt Vorteile beim Fahrverhalten mit sich. Der Rumpf wird in Komposit-Technik gefertigt. Zwischen der Innen- und Außenschale befinden sich Schaum und die Stringer. Außenschale und "Innenleben" werden in Handarbeit gefertigt und zum Schluss im Vakuumverfahren mit Vinylesterharz verbunden.

Teilweise kommt auch Epoxidharz zum Einsatz. Beide Werkstoffe sind wasserabweisend und verhindern die gefürchtete Osmose, wie sie bei der Verwendung von Polyesterharzen auftreten kann. Die Möblierung vermittelt zwar den Eindruck, aus Massivholz zu sein, besteht aber im Kern aus Kunststoff-Laminat. Das ist zwar aufwendig in der Konstruktion, garantiert aber auch bei feuchtem Seeklima ein sehr langes und völlig verzugsfreies Leben.

Die GB60 SL ist klar für Eigner konzipiert, die viel Zeit auf dem Wasser verbringen und durchaus auch längere Strecken damit zurücklegen möchten. Dank Einstufung in der CE-Kategorie A ist das ohne Einschränkungen möglich.

Genügend Platz ist auch für Gäste, denn neben der geräumigen Eignerkabine samt komplettem Sanitärbereich gibt es eine großzügige Bugkabine, die ebenfalls über eine Nasszelle verfügt, und eine weitere Doppelkabine, die raffiniert in zwei kleine, aber zusammenhängende Räume mit Einzelbetten aufgeteilt ist. Platz, auf dem sich die Besatzung an Bord tummeln kann, gibt es bei dem 60-Füßer ohnehin genug.

Da wäre der Salon mit komplett ausgestatteter Luxuseinbauküche und zwei Sitzgruppen. Ausweichmöglichkeiten gibt es dann noch auf der geräumigen Flybridge, wo neben dem Steuerstand mit seinen
komfortablen und in jede Richtung verstellbaren beiden Sitzen eine weitere Sitzgruppe und eine zusätzliche Toilette montiert sind.

Im Außenbereich des Oberdecks wartet das Beiboot auf Einsätze. Darunter befindet sich das ebenfalls sehr geräumige Cockpit mit Polsterbank und Klapptisch, mit Extra-Bestuhlung auch für größere Runden nutzbar. Die beiden breiten Gangborde zum Bug werden durch Bordwände samt Reling flankiert, was für den sicheren Weg nach vorn sorgt.

Wohin der Blick auch fällt, ist makellose Verarbeitung erkennbar.

Kleine Gumminoppen verhindern das Anschlagen von Klappen. Alle Türen haben Stopper, was eine gute Belüftung der Räume bei Abwesenheit ermöglicht. Bei den Motoren hat der Kunde die Wahl zwischen Volvo-Penta-D13-Sechszylinder-Dieseln mit Wellen oder den IPS1200-Pod-Antrieben.

Standard sind zwei D13-900, optional sind aber auch D13-1000 oder D13-800 zu haben. Unser Testboot verfügte über die Motoren mit der geringsten Leistungsausbeute und erreichte damit eine Spitzengeschwindigkeit von 28,4 kn bei 2370 U/min. Die effizienteste Reisegeschwindigkeit ermitteln wir bei 1600 Touren mit 17,2 kn. Durch den gewaltigen 5800-Liter-Tank sind so bei Berücksichtigung einer 15-prozentigen Reserve stattliche Reichweiten von 800 Seemeilen realisierbar.

Bei Verdrängerfahrt mit acht Knoten sind sogar über 1100 sm machbar. Dank steilen Bugs geht der Halbgleiter butterweich durch Wellen, ohne beim Beschleunigen die Nase hochzunehmen. Beim Verreißen des Ruders passiert nichts.

Und das Handling im Hafen funktioniert mit dem serienmäßigen Bugstrahlruder vorzüglich. Kritik gibt es weder bei Sicherheitsfragen noch bei der mängelfreien Montage der gesamten Technik. 

Diesen Test lesen Sie in der Juni-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!

Dieter Wanke am 24.05.2020
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