Invictus 190 FX Invictus 190 FX

Test: Invictus 190 FX

Ton in Ton

Dieter Wanke am 28.05.2019

Die Werft legt sehr viel Wert auf Wiedererkennungsmerkmale. Inneneinrichtung, Rumpf und Motor sind farblich aufeinander abgestimmt

Nicht nur die Inneneinrichtung ist auf unserem Testboot mit der Rumpffarbe abgestimmt, sondern ebenfalls der Motor. Früher hätte es diesen Außenborder von Mercury nur in schwarz gegeben. Die Farbgestaltung von Mercury-/MerCruiser-Motoren geht sogar soweit, dass man bei der Marke von den „Schwarzen“ spricht.

Die Designfreudigkeit der Werften hat jedoch auch die Außenborderhersteller dazu bewogen, ihre Motoren teilweise in anderen Farben zu liefern oder sie lackieren zu lassen. Bei unserem Boot bekam der Mercury ein weißes Outfit und an der Motorhaube noch den Schriftzug „Invictus“. Das nennt man Markenpflege.

Fotostrecke: Invictus 190 FX

Eine Besonderheit besitzt unser Testmotor noch: Er ist mit einem sogenannten CT-Getriebe (CT = Command Thrust) ausgerüstet. Es ist größer, hat eine Übersetzung von 2,38 : 1 und kann deshalb mit Schubpropellern ausgerüstet werden. Sie sorgen besonders bei schweren Booten für die nötige Beschleunigung, um das Boot zügig in Gleitfahrt zu bringen.

Weiteres Plus: Wasserskiläufer und Wakeboarder lassen sich leichter aus dem Wasser ziehen und müssen nicht so lange im kraftaufwendigen "Startmodus" verbringen. Um es vorweg zu nehmen, die Heckwelle ist in Gleitfahrt nicht besonders hoch und steil, wie die Wakeboarder es mögen und auch nicht übermäßig flach, wie bei einem echten Wasserskiboot. Aber für die Freizeitläufer durchaus akzeptabel. Beim Start aus dem Stand sollte der Powertrimm auf "down" stehen, damit der Propeller ordentlich Gripp hat und die Bootsnase möglichst weit unten bleibt.

Stehende Fahrer haben in dieser Übergangsphase keine Sichtprobleme, sitzend stört der Haltebügel an der Windschutzscheibe teilweise den Blick. Ab 4000 U/min geht die Nase dann selbstständig wieder runter und man bringt die Invictus mit dem Powertrimm  (maximal ½ auf der Anzeige) in die richtige Lage.

Wichtiger Nebeneffekt: Ohne Trimm zieht das Ruder selbstständig nach Steuerbord, was sich mit getrimmtem Außenborder verbessert.  Wer in schnellen Kurven zu eng rumzieht, merkt das an einem nach Luft schnappenden Propeller und muss neu anfahren. Mit getrimmtem Außenborder passiert das schneller als ohne. Beim Verreißen der Lenkung und auf Slalomkursen verhält sich der Rumpf sicher und souverän. Gleiches gilt beim Überspringen von Bodenseewellen, die von Sportbooten und der "weißen Flotte" erzeugt wurden.

Das eben genannte Fahrrevier ist auch der Grund für unseren Testmotor, denn die Grenze für neue Außenborder liegt dort bei 100 PS. Wer alles noch etwas flotter haben möchte, und nicht auf dem Bodensee fahren will, rüstet bei der Bestellung auf die maximalen 115 PS auf. Mit unserem Testmotor lässt sich der Bodensee bei wirtschaflicher Gleitfahrt etwa dreimal der Länge nach (ca. 63 km) durchqueren ohne nachzutanken, was für die Art von Boot durchaus eine respektable Leistung ist. Das funktioniert natürlich auch mit gemütlichen Tempo, bei dem das Testboot gut geradeaus fährt und auch Gewichtsverlagerungen den Rumpf nicht auf die schiefe Bahn bringen.

Hafenmanöver? Alles gut fahrbar.


Allerdings kann man sich dabei nicht nach hinten lehnen, sondern muss sich etwas vorbeugen, um an Steuerrad und Schalthebel zu gelangen, denn die Lehne der sonst attraktiven Sitzbank ist für eine 1,80 m große Person eine Nummer zu weit hinten angebracht.

Überzeugen kann der Klappmechanismus der Lehne, der die Bank im umgeklappten Zustand mit in den hinteren Cockpitbereich integriert. Teaktisch sowie eine Erweiterung des Bugsonnenliegepolsters und Picknicktisch (vorn), Heckdusche, Fahrstandpersenning oder Ganzpersenning stehen auf der Zubehörliste.

Passend zur gesamten Cockpitausrüstung und Farbe gibt es noch Accessoires wie Taschen, Handtücher und Fender mit Invictus-Aufschrift.


Damit die Sonne nicht zu sehr nervt, spendiert die Werft ein Biminidach serienmäßig. Wem es dann immer noch zu heiß ist, der kann über die Badeplattform an Backbord mit serienmäßiger Leiter entspannt ins und aus dem Wasser steigen.

Sicherheit: Hier fehlen uns Handlenzpumpe und Feuerlöscher. Bewegungsfreiheit geben Antislipstrukturen und solide Handläufe.

FAZIT

Die Invictus 190 FX ist ein edles und gut trailerbares Sportboot für Badeausflüge oder die Entdeckungstour mit der Familie und Freuden. Um die Fahrgemeinschaft bei Laune zu halten, sind Aktivitäten wie Wasserskilaufen und Tube fahren gut möglich.

Dieser Test erschien in Boote 02/2018

Dieter Wanke am 28.05.2019