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Test: Jaguar 48

Luxus mal Zwei

Dieter Wanke am 19.02.2018

Jaguar JC48: Ein Langstreckenläufer für hohe Ansprüche. Der Powerkat ist eine Klasse für sich. Luxus wird hier großgeschrieben

Yachten wie die Jaguar JC48 gehören zu den Raritäten auf dem Bootsmarkt. Und damit ist nicht nur gemeint, dass es sich um einen Motorkatamaran handelt. Das Gesamtkonzept – ein durchweg luxuriös ausgestatteter Powerkat, mit dem auch die flotte Gangart eingelegt werden kann – macht die Yacht zu einem speziellen Erlebnis. Entwickelt wurde der Exot unter englischer Federführung gemeinsam mit einer Partnerwerft in China, die das Boot auch baut.

Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Nigel Hoggett, der ehemalige Vertriebsmann der ersten Powerkats von Lagoon in England. Nach deren Einstellung klaffte im Segment der leistungsstarken Kata­marane eine Lücke, und die woll­te man schließen.

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Ein Flybridge-Motorkatamaran sollte es sein. Mit der Entwicklung einer flotten Linienführung wurde der bekannte britische Bootsdesigner Bill Dixon beauftragt, der unter anderem auch die neuen Modelle von Sealine gezeichnet hat. Das Ergebnis erblickte 2014 in Form der Jaguar JC48 das Licht der Bootswelt. Eine JC56 und Trawler-Modelle sollen bald folgen.

Schon auf den ersten Blick nimmt die JC48 eine Sonderstellung unter den Katamaranen ein, denn derart schnittige Li­nien der Aufbauten findet man kein zweites Mal. Oft wirken die Doppelrümpfer etwas schwerfällig und voluminös. Die Jaguar tritt dagegen überaus sportlich und agil auf.

Schon die Serienausstattung hat es in sich. Vom Teakdeck bis zum Generator ist alles an Bord. Der Luxus hat aber auch seinen Preis. Knapp 1,1 Millionen Euro verlangt die Werft für das Boot in der groß­zügig ausgestatt­eten Basisversion. Da es ausschließlich als Motorkatamaran konzipiert wurde, sind die Gangborde nur so breit wie nötig. Der gewonnene Raum kommt dem Salon zugute.

Entsprechend groß ist das Platzangebot auf dem durchgehenden Hauptdeck. Im überdachten Cockpit gibt es eine breite Sitzgruppe mit feinem Holztisch. Statt dem typischen Netz zwischen den Rümpfen im Bug ist ein durchgehendes GFK-Deck vorhanden, das mit einer weiteren Bestuhlung zum Sonnenbad einlädt.

Im Salon trifft man an Backbord zunächst auf die Pantry, die wie die edle Ein­bauküche eines Luxusapartments erscheint. Ein Elektroherd mit Ceranfeld, ein Kühlschrank und die Doppelspüle sind in die feine Arbeitsplatte aus wuch­tigem Steinimitat eingelassen.

Die gesamten Schreiner- und Polsterarbeiten im Boot machen einen hochwer­tigen Eindruck. Verarbeitungsmängel sind auch bei genauem Hinsehen nicht zu finden. Ein gemütliches Sofa mit Tisch und Hockern gibt es an Steuerbord.

Vor der Küche dann der Entspannungs- und En­tertainment­bereich mit weiteren Polstermöbeln und einem Fernseher, der auf Knopfdruck verschwindet. Gegenüber die Kommandozentrale in Form eines mit allem erdenk­lichen Zubehör ausgestatteten Innensteuerstands. Die großzügig dimensionierten Schei­­ben­wischer sorgen bei der Schlechtwetterfahrt für gute Sicht.

Der Luxus setzt sich in den Gemächern fort. Nach einigen Stufen wird vorn die Eignerkabine erreicht, die über die ge­samte Breite der Yacht läuft. Wahlweise können hier zwei Doppelkabinen bestellt werden. Der Hauptraum ist mit einem großen Doppelbett versehen, links daneben folgt etwas tiefer ein Arbeitszimmer mit großem Kleiderschrank, auf der anderen Sei­te ein Bad mit Dusche, elek­trischer Toi­lette und feinster Vertäfelung.

Das Bild setzt sich in den zwei seitlich dahinter befindlichen Gästekabinen fort, die selbstverständlich beide über eigene Bäder verfügen. Fehlt noch die Flybridge. Hier gibt es hinten eine große Sitzgruppe und eine Wetbar zur Versorgung der Crew, Kühlschrank oder Grill sind Optionen. Vorn eine große Sonnenliege, daneben der Freiluftsteuerstand mit exzellenter Übersicht über das gesamte Boot.

Im Testboot arbeitet die Standardmotorisierung mit zwei Yanmar-8LV-370-Selbstzündern, die ihre Kraft über V-Drive-Wellenanlagen ins Wasser bringen. Mit Minderpreis werden Diesel vom Typ Yanmar 6BY-260 angeboten, gegen Aufpreis die Spitzenmotorisierung mit Cummins QSB6.7-480, alternativ noch Volvo Penta IPS600.

Als Spitzengeschwindigkeit messen wir 18,9 kn. Die Reisegeschwindigkeit von rund 9 kn ermitteln wir bei 2000 Touren. Dabei saugen beide Diesel zusammen sparsame 26 Liter stündlich aus dem 1500-Liter-Tank. Abzüglich 15-prozentiger Reserve sind so Reichweiten von rund 400 sm drin. Wer um 500 Umdrehungen reduziert, schafft bei 6,8 kn sogar über 700 sm.

Obwohl bei Katamaranen nicht nötig, sind Bug- und Heckstrahlruder aus der Op­tions­liste montiert. Damit kann auch seitwärts angelegt werden. Bei gegenläufigen Antrieben dreht der Kat auch so auf der Stelle. Nur rasante Kurvenfahrt mag er nicht.

Selbst wenn es für den Normalbetrieb nicht relevant ist: Bei eingeschla­genen Rudern sind die Wasserimpulse der Propellerblätter zu stark für die Ruderan­lage, sodass es neben spürbarer Kavi­tation zu Vibrationen kommt. Erst Kreise ab zehn Bootslängen Durchmesser verlaufen problemlos. 

Fazit:
Ein Edelkatamaran wie die Jaguar JC48 mit vergleichbarer Rumpf­länge ist nirgends im Angebot. Wer volle Hochseetauglichkeit mit Luxus und hohem Komfort bei langen Schlägen verbinden will, sollte die Yacht auf dem Zettel haben. Gleichwertige Alter­nativen gibt es nur bei größeren Kats.

Dieser Test stammt aus der April-Ausgabe 2017.

Dieter Wanke am 19.02.2018