Jeanneau Jeanneau

Test: Jeanneau Leader 30

Alle Achtung - Teil 2

Peter Lässig am 21.01.2018

Ohne Einsatz der Trimmklappen und mit ganz beigetrimmten Z-Antrieb geht unsere Leader 30 bei bester Voraussicht und ohne sich allzu viel zu vertrimmen, von Verdränger- in Gleitfahrt über. Diese Phase gestaltet sich kurz. Bei Vollgas dreht der Motor 120 U/min mehr als erlaubt, weil das Boot fast leer gefahren wird, und im GPS loggt sich eine Höchstgeschwindigkeit von gut 31 kn ein.

Unseren Messwerten zufolge (wobei wir auf die Verbrauchsdaten der Werft zurück­greifen) fährt das Testboot bei 3000 U/min und einem Tempo von 24 kn am wirtschaftlichsten. Eine Tankfüllung reicht dann theoretisch für einen Aktionsradius von 154 sm plus 15 % Reserve; unsere Mindestreichweitenforderung ist damit erfüllt. Selbst bei Vollgas sind es gerade mal 9 sm weniger – ein guter Wert. Da das Testboot aber schon bei 2200 U/min oder 10 kn schön fährt, wird man leicht dazu verleitet, dieses Tempo als Marsch­fahrt einzuhalten. Nur: Dabei verbraucht der Motor mehr als anderthalb mal so viel wie bei 3000 U/min, die Reichweite schrumpft jedoch auf weniger als 100 sm plus Reserve. Langsam heißt also nicht sparsam; in Gleitfahrt gilt: Gas geben!

Beim Thema Extremmanöver, allesamt mit Höchstgeschwindigkeit gefahren, gibt es nichts Negatives zu vermerken. Auf der imaginären Slalomstrecke bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln; beim Verreißen des Ruders folgt das Boot klaglos dem einmal eingeschlagenen Kurs, und die 180°-Wenden werden mit einer Schaukel- und Setzbewegung im Radius von drei bis vier Bootslängen mit haltbaren Fliehkräften unspektakulär absolviert. Die Wellen der Berufsschifffahrt auf dem Rhein stellen keine Herausforderung dar. Nur wenn die Wellenabstände einer Bootslänge entsprechen, ist Vorsicht angebracht; dann sollte man die Wellen schräg anfahren. Wir haben das nicht getan und uns ordentlich Spritzwasser ein­gefangen, wofür der etwas bauchige Bug verantwortlich ist.

Der Fahrer sitzt auf einem ordentlichen, verstellbaren Stuhl am übersichtlich aufgebauten Fahrstand. Die Reflexionen in der Windschutzschei­be stören; außerdem ist sie uns ein bisschen zu niedrig, der Rahmen liegt in Gleitfahrt genau auf Augenhöhe. Der Scheibenwischer kostet ex­tra, Gleiches gilt für das Echolot; den Kompass gibt es serienmäßig. Trotz nicht vorhandener Motorraumdämmung steigt der Schalldruck bei Vollgas nicht höher
als 83 dB(A). Beifahrer nehmen an Backbord vorn auf der Cock­pitsitzbank Platz, deren Rückenlehne sich vor- und zurückklappen lässt.

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Peter Lässig am 21.01.2018